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Pause vorbei: Am Freitag startet die Rückrunde der Bundesliga.

Bundesliga-Rückrunde

Der Ball liegt bereit

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  • Ingo Durstewitz
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Alle Bundesliga-Clubs im Halbzeit-Check Die Rückrunden-Vorschau der Frankfurter Rundschau.

Bislang 17 Mal hat jede Mannschaft in dieser Bundesligasaison schon gespielt, am Freitag geht es bereits wieder weiter im Hamsterrad, das nur kurz stillstand. Die FR hat erspürt: Wie ist wo die Stimmung? Wer bekommt Probleme? Wer startet durch? 

Borussia Dortmund

Trainer Lucien Favre musste im Trainingslager in Marbella notgedrungen ein wenig experimentieren. Marco Reus, Paco Alcacer, Manuel Akanji, Abdou Diallo und Dan-Axel Zagadou waren allesamt angeschlagen. Am Montag verpflichtete der Klub den 19-jährigen Verteidiger Leonardo Balerdi, um die Personalprobleme in den Griff zu bekommen. Favre ließ häufig auf engem Raum üben, viele Passwege wurden einstudiert, um das Offensivspiel noch unberechenbarer zu machen. „Wir müssen raus aus dem Trainingsmodus und rein in den Kampfmodus“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. Denn der BVB wird von Anfang an von der Konkurrenz gejagt. 

FR-Prognose: Dortmund wird Meister, wenn die Leistungsträger gesund bleiben. 

Bayern München

Ein goldenes Steak von Franck Ribéry und die Transfergerüchte um das englische Talent Callum Hudson-Odoi haben die Winterpause vom Rekordmeister geprägt. Doch wo stehen die Bayern sportlich? Die Testspiele waren wenig aussagekräftig, „die Karten sind noch gemischt“, ließ Trainer Niko Kovac über eine mögliche bevorzugte Aufstellung ausrichten. Aber nur um Nuancen. Mats Hummels, Ribery, Arjen Robben, Javi Martinez und James Rodriguez werden sich hinten anstellen müssen. Kovac wird den Jüngeren zunächst eine Chance geben. Die Qualität des Bayern-Kaders ist im Vergleich zur Hinrunde nicht besser geworden, sieht man mal von der Rückkehr von Kingsley Coman ab.

FR-Prognose: Die Bayern werden Zweiter und scheitern in der Champions League an Liverpool.

Borussia Mönchengladbach

Manchmal verzweifelt Dieter Hecking an seiner Mannschaft. Mal spielt sie total unter ihren Möglichkeiten, mal zeigt sie hochansehnlichen Fußball. „Wir haben nicht genug Tempo“, monierte Hecking in der Vorbereitung, um seine Mannschaft nach dem Testkick (2:4 nach Elfmeterschießen) gegen die Bayern wieder zu loben. Ähnliche Gefühlsschwankungen erlebte Hecking auch in der Hinrunde. Zu Hause gewann Gladbach alle acht Partien, in der Fremde holte sie nur neun von 27 Punkten. Das ohnehin variable Offensivspiel um Thorgan Hazard und Mittelstürmer Alassane Plea dürfte mit der Rückkehr eines endlich von allen Unpässlichkeiten genesenen Kapitän Lars Stindl bereichert werden. 

FR-Prognose: Die Borussia schafft es dank ihrer Heimstärke in die Champions League.

RB Leipzig

Red Bull hat mittlerweile ein über den halben Erdball reichendes Sportnetzwerk aufgezogen. Im Fußball führen inzwischen alle Drähte nach Leipzig, da besteht kein Zweifel mehr, seit zuletzt Tyler Adams und Amadou Haidara aus den Red-Bull-Filialen in New York bzw. Salzburg bei den Sachsen anheuerten. Der 19 Jahre alte US-Amerikaner und der 20-Jährige aus Mali passen ins Beuteschema, sind aber dennoch eher Langzeithilfen. Letztlich hängt in der Rückrunde vieles an den bekannten Stützen: Toptorwart Peter Gulacsi oder Toptorjäger Timo Werner, dem Yussuf Poulsen mehr als ordentlich assistiert hat. Allesmacher Ralf Rangnick hat auf fast schäbige Art und Weise die Europa League abgeschenkt (und ist auch nicht mehr im DFB-Pokal dabei), so dass die Roten Bullen mit voller Energie die Liga angehen können, Der Auftakt gegen Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr) soll Wegweiser eines stürmischen Jahres werden.

FR-Prognose: Das Potenzial ist vorhanden, um als Vierter die Königsklasse zu erreichen. 

VfL Wolfsburg

Jörg Schmadtke ist kein Freund lauter Töne. Der kluge Kopf (früher gelockt im Tor von Fortuna Düsseldorf und vom SC Freiburg ) hat zwar Alemannia Aachen, Hannover 96 und den 1. FC Köln aus dem Hinterhalt jeweils unvermittelt in den Europapokal geführt, und gerade scheint mit der VW-Tochter der nächste Klub an der Reihe. Aber dem VfL-Geschäftsführer kommen keine kecken Ansagen über die Lippen. Nur so viel: In zwei, drei Jahren möchte man am Mittellandkanal wieder so aufgestellt sein, um automatisch diese Zielsetzung verankern zu können. Diese Saison soll laut Schmadtke erst einmal der Stabilisierung dienen. Wenn ad hoc mehr herausspringt, umso besser. Die vom neuen Manager entworfene Werteordnung funktioniert genauso gut wie die mutige Ausrichtung des alten Cheftrainers Bruno Labbadia. Vorne dürfen sich zwei Wuchtbrummen austoben, Wout Weghorst und Daniel Ginczek.

FR-Prognose: Noch ist der VfL Wolfsburg nicht ganz reif für Europa. 

Eintracht Frankfurt

Die erste Hälfte eines Jahres gehört bei der Eintracht traditionell nicht zur bevorzugten Spielzeit. In aller Regel reißen sich die Frankfurter in der zweiten Saisonphase das ein, was sie sich in der ersten aufgebaut haben. Auch in den vergangenen beiden Jahren verspielte die Eintracht eine hervorragende Ausgangsposition, was auch daran lag, dass Ex-Coach Niko Kovac die Mannschaft förmlich ausquetschte und sie (mental) auf dem Zahnfleisch ging. Und dieses Mal? Kommt es erneut zum Einbruch? Trainer Adi Hütter glaubt nicht daran und verweist auf seine persönliche Statistik, wonach seine Teams in der Rückrunde immer zugelegt haben. Zudem war der Eindruck aus dem Trainingslager vielversprechend. Eine Platzierung unter den Top Sechs wird dennoch kein Selbstläufer. Vieles hängt davon ab, wie lange die Eintracht europäisch dabei ist, wie sie die Belastungen wegsteckt und ob die Leistungsträger verletzungsfrei bleiben. 

FR-Prognose: Die Europa League ist allemal drin, die Königsklasse eher noch nicht. 

TSG Hoffenheim

Julian Nagelsmann hat gerade erst ein Interview gegeben. Der inzwischen tatsächlich schon 31 Jahre uralte Chefcoach sagte vor seiner letzten Halbserie im Kraichgau, wie er mit der Erwartungshaltung umzugehen gedenke: „Entweder auf die Euphoriebremse treten – wovon ich eigentlich kein Freund bin –, oder einfach gewinnen.“ Ohne Belastung aus der Champions League dürfte das dem Übertrainer, dessen mutmaßlicher Nachfolger Marco Rose in Mammutfußstapfen tritt, mit seiner spielstarken Truppe recht regelmäßig gelingen. Vergangene Saison hievte er die TSG so von Rang sieben noch auf Platz drei und somit in die Königsklasse. Gut für die Hoffenheimer, dass U21-Nationalspieler Nadiem Amiri nach seinem Ermüdungsbruch endlich zurückkehrt. Es wäre wahrlich keine Überraschung, sollten die Bayern schon am Freitag zum Rückrundenauftakt einiges von der schwer zu zähmenden badischen Wucht abbekommen. 

FR-Prognose: Die TSG erreicht spielend die Europa League, mehr diesmal aber nicht. 

Hertha BSC Berlin

Ronny ist zurück in Berlin. Richtig: Der Ronny. Der alte Publikumsliebling bei der Hertha, der bei seinem Weggang 2016 ohne Trikot so knackig aussah wie ein Krebs ohne Panzer, schließt sich allerdings dem von Thomas Häßler trainierten Siebtligisten Berlin United an, nicht dem Bundesligisten. So verzweifelt sind sie dann doch nicht bei der Hertha, trotz einer Vorrunde, die sie als sehr durchwachsen wahrnehmen (Platz acht), und einer ebenfalls nicht sonderlich geschmeidigen Vorbereitung auf die Rückrunde. „Man hat gesehen, dass wir bis zum Auftakt noch eine Menge zu trainieren haben“, sagte Manager Michael Preetz nach dem Vorbereitungsturnier in Düsseldorf, das Berlin mit zwei Niederlagen abschloss, gegen die Fortuna und Mönchengladbach. Preetz fordert im zweiten Saisonabschnitt unumwunden mehr Punkte als in der Hinserie, als der Hauptstadtklub nach starkem Start bei 24 Punkten strandete. Trainer Pal Dardai widerspricht bereits seinem Chef. „Wir wollten eigentlich 24 und einige sogar 31 Punkte in der Rückrunde holen. Ich glaube, über das Saisonziel sollten wir uns nochmal unterhalten“, schimpfte der Ungar nach den schwachen Auftritten. Vor allem die Abwehr macht Sorgen, ob mit Dreier- oder Viererkette. 

FR-Prognose: Hertha ist unumstrittener Topfavorit auf einen Platz im Niemandsland der Tabelle. 

Bayer Leverkusen

In Leverkusen sind sie davon überzeugt, dass es sich beim Herbst 2017 um ein massives Missverständnis handelte. Natürlich wissen die Rheinländer, was Peter Bosz damals bei Borussia Dortmund widerfahren ist, ihrem neuen Trainer. Der BVB hatte sich unter Bosz innerhalb von wenigen Monaten zu einem Pflegefall mit schweren Gleichgewichtsstörungen entwickelt, der Spieltag für Spieltag vornüber auf die Nase fiel. Zu viel Angriff, zu wenig Abwehr. „Alle Fehler, die ich in Dortmund gemacht habe, muss ich in Leverkusen nicht mehr machen“, sagte der Nachfolger von Heiko Herrlich nun bei seinem Amtsantritt bei Bayer, ließ aber offen, um welche Fehler es sich nach seiner Meinung handelte. Die Vereinsbosse um Rudi Völler hoffen jedenfalls, dass nun nicht der Peter Bosz aus Dortmund zu ihnen gekommen ist, sondern der aus Amsterdam. Bei Ajax hatte der Holländer einst ein glückliches Händchen im Umgang mit Talenten bewiesen. „Peter Bosz steht für einen Fußball, der unseren Spielern entgegenkommt, weil sie jung und schnell und gut am Ball sind“, findet Völler. Havertz, Brandt, Bailey also. Spieler, die unter Herrlich zuletzt stagnierten. Folge: Rang neun. Auch den halten sie bei Bayer übrigens für ein massives Missverständnis. 

FR-Prognose: Talentflüsterer Bosz bringt Bayer wieder in Reichweite der Europa League.

Werder Bremen

Mit dem Trainingslager in der Nähe von Johannesburg, wo das eine Testspiel abgebrochen werden, das andere unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden musste, verhält es sich ein bisschen so wie mit den letzten acht Bundesligaspielen bei nur einem Sieg: Man blickt in Bremen gerade ein bisschen zu sehr durch die grün-weiße Brille. Klar, es gab in der Hinrunde viele gute Ansätze, gerade am Anfang. Aber die Deckung ist wieder löchriger geworden, im Angriff ist nur Max Kruse gesetzt, sodass es im letzten Drittel kaum Automatismen und keinen treffsicheren Stürmer gibt. Eklatant ist in diesem doch recht alten Kader das Tempodefizit in allen Mannschaftsteilen. Dann hilft die klügste Spielanlage wenig. Platz zehn ist zur Halbserie keine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Es wäre gut, wenn auch Trainer Florian Kohfeldt zu dieser Erkenntnis käme. Und noch besser, wenn Sturmtalente wie Milot Rashica und Josh Sargent, die Geschwindigkeit und Draufgängertum mitbringen, häufiger spielen dürften. Ansonsten steht vor allem Maximilian Eggestein für die bessere Werder-Zukunft. Bruder Johannes braucht hingegen noch Zeit zur Reife. 

FR-Prognose: Alle träumen von Europa, aber für Werder wird der Wunsch (noch) nicht Wirklichkeit.

SC Freiburg

Der Freiburger Trainer Christian Streich hat kürzlich über einen Fall gesprochen, der vielen Menschen im Breisgau den Schrecken in die Glieder jagt: Dass Christian Streich irgendwann nicht mehr der Freiburger Trainer ist. Vielleicht in zwei Jahren, vielleicht in drei Jahren. Vielleicht in einem Jahr. „Ich möchte nur, dass es nicht zu dramatisch ist. Das habe ich im Kopf, das gebe ich ganz ehrlich zu“, hat der 53-jährige Südbadener am Rande des SC-Trainingslagers in Spanien erzählt. Fürs Erste aber ist von Dramatik nichts zu spüren im Breisgau, Urgestein Streich steht angeblich vor einer Vertragsverlängerung bis 2020. Die Vorrunde ist ja gut gelaufen mit 21 Punkten, und für die anstehende Rückrunde hat sich Vincenzo Grifo, 25, dem Klub leihweise wieder angeschlossen, nach anderthalb einigermaßen glücklosen Jahren in Gladbach und Hoffenheim. Grifo, einst beim FSV Frankfurt in Liga zwei aktiv, soll am besten gleich zwei Mangelerscheinungen beim Sport-Club beheben: Die fehlende Kreativität im Angriff und die schwächlichen Standardsituationen. „Es ist gut, dass der Vince wieder da ist“, findet Streich. Auch Grifo ist glücklich: „Ich habe das Gefühl, ich war nie weg“, schnurrt der Deutsch-Italiener. 

FR-Prognose: Freiburg wird Zwölfter. Oder 13. Oder Neunter. Jedenfalls: Freiburg bleibt drin. 

FSV Mainz 05

In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt kämpft der örtliche Vorzeigeklub tapfer um Anerkennung. Weil es sportlich ordentlich flutscht, ohne den Abstieg fürchten zu müssen oder auf einen Platz in Europa hoffen zu können, bleibt Zeit für strategische Planungen: Die U23 wird noch näher an den Profikader herangeführt, auf dass aus dem eigenen Stall noch mehr Talente herauswachsen. Die Überlegungen, wo in Zukunft eine gemeinsame Heimat inklusive der Geschäftsstelle entsteht – ob an der Arena am Europakreisel oder am alten Bruchwegstadion – gehen in die nächste Runde. Und: Die Nähe zu den eigenen Anhängern wird schon heute Abend beim Fantalk mit Trainer Sandro Schwarz und Sportchef Rouven Schröder weiter vertieft. Nach einigen Jahren der inneren Zerrissenheit, die auch auf den Tabellenplatz abstrahlte und fast die Klasse gekostet hätte, haben es die Rheinhessen geschafft, sich zu stabilisieren. Schwarz, Schröder und dem seit einem Jahr mit ruhiger Hand amtierenden Präsidenten Stefan Hofmann sei Dank. Fußballerisch darf es in der Rückrunde ruhig etwas aufregender zugehen. Mainz 05 gehört zu den Teams, die sich die wenigsten klaren Chancen erarbeiten. 

FR-Prognose: Die Nullfünfer werden eine außergewöhnlich geruhsame Saison verbringen. 

FC Schalke 04

Nur zwei Innenverteidiger und davon einer angeschlagen. Nach dem Abgang von Naldo muss Schalke-Trainer Domenico Tedesco zum Rückrundenauftakt wieder ordentlich rotieren. „Wichtig ist, dass es gute Transfers sind, nicht schnelle“, sagte Tedesco zu möglichen Neuzugängen, die nach dem Abgang von Naldo auf sich warten lassen. Nach der völlig verkorksten Hinrunde wird Tedesco erst einmal auf Stabilität setzen und wie in der Vorsaison auf Konter und Nadelstiche seiner Offensivkräfte hoffen. Dabei wird vor allem die Rückkehr der Stürmer helfen, die gegen Ende der Hinrunde allesamt auf der Verletztenliste standen, weshalb plötzlich Haji Wright und Ahmed Kutucu aus der zweiten Mannschaft in vorderster Front spielten. Die Stammkräfte Mark Uth, Guido Burgstaller und Breel Embolo werden sich gewaltig steigern müssen. Zusammen kommen die drei auf lediglich acht Pflichtspieltreffer. Elementar wird jedoch sein, wie gut Schalke auf den zentralen Positionen im Mittelfeld agieren kann. Es mangelte an Tempo im Umschaltspiel - nach vorne wie nach hinten. Wenn Sebastian Rudy in Form kommt, könnte er das Schalker Spiel beleben. 

FR-Prognose: Schalke wird sich steigern, für große Sprünge nach oben wird es nicht reichen.

Fortuna Düsseldorf

Eines muss man den Fortunen lassen: Hätte es sie nicht gegeben, die Winterpause wäre um einiges öder ausgefallen. Am vergangenen Wochenende sorgten die Düsseldorfer aber in einem völlig verrückten Hickhack rund um die Vertragsverlängerung von Friedhelm Funkel für das unerreichte Highlight der fußballlosen Zeit. Die einhellige Meinung: Die spinnen, die Fortunen. Funkel, der alte Haudegen, darf sich zwar als Sieger in diesem Machtkampf fühlen, doch welche Auswirkungen dieses Theater auf den Verein und die Mannschaft haben wird, lässt sich noch nicht beurteilen. Sportlich müssen sich die Rheinländer, wie zuletzt vor Weihnachten, bis zur Decke strecken, um sicher die Klasse zu halten. Qualitativ sind sie nämlich eher am unteren Ende der Liga anzusiedeln.    

FR-Prognose: Die entstandene Unruhe könnte das Abrutschen auf den Relegationsrang bedeuten.         

FC Augsburg

Nach jahrelanger Überperformance, die dem FCA seit dem Aufstieg 2011 stets die Klasse bescherte, ist die bisherigen Saison eine Enttäuschung. Der Kader, den Trainer Manuel Baum befehligt, ist personell hochwertiger denn je ausgestattet, hat jedoch erst mickrige drei Saisonsiege eingefahren. Baum hat deshalb den Ton verschärft – und gemeinsam mit Manager Stefan Reuter auch personell reagiert. Leihgabe Gregor Kobel aus Hoffenheim soll im Tor für Stabilität sorgen. Der 21-Jährige gilt als großes Talent und konnte deshalb nur ein halbes Jahr ohne Option verpflichtet werden. Dass das einem Misstrauensvotum für die beiden Keeper Andreas Luthe und Fabian Giefer gleichkommt, nimmt Baum in der Not in Kauf. 

FR-Prognose: Augsburg ist allemal stabil und homogen genug, um die Liga zu halten. 

VfB Stuttgart

Nach einer erschütternden Hinrunde, in der auch der Trainerwechsel von Tayfun Korkut zu Markus Weinzierl nichts nutzte, mussten die Schwaben gegensteuern. Eine mit zwölf erzielten Treffern geradezu jämmerliche Torquote veranlasste Sportchef Michael Reschke, die in Hoffenheim und Berlin nicht mehr benötigten Steven Zuber und Alexander Esswein zu verpflichten. So soll auch Mittelstürmer Mario Gomez wieder besser in Position gebracht werden. Ein anderer Altmeister mit Nationalmannschaftsvergangenheit droht derweil zur Belastung zu werden: Holger Badstuber, zu Saisonbeginn mit fett dotiertem Dreijahresvertrag ausgestattet, ist bestenfalls noch als Backup vorgesehen. Stresspotenzial inklusive. 

FR-Prognose: Der VfB wird sich ruhmlos retten, mehr aus Schwäche der Konkurrenz. 

Hannover 96

Winter-Theater an der Leine: Da macht der Präsident (Martin Kind) die Privatschatulle auf, um mit Nicolai Müller aus Frankfurt und Kevin Akpoguma aus Hoffenheim Verstärkung im Abstiegskampf zu holen, und was sagt dann der Trainer (Andre Breitenreiter)? Er braucht noch mehr neue Spieler, „ansonsten sind wir nicht konkurrenzfähig.“ Kein Wunder, dass Breitenreiter unter Kind wohl nur auf Bewährung weiterarbeitet. Denn das Transferdefizit für den Wiederaufstieg 2017 und den Klassenerhalt 2018 war immens. Der Krach verdeutlicht wie unter einem Brennglas, woran es bei den Roten hapert: Man zieht mal wieder nicht an einem Strang. So etwas geht selten gut. 

FR-Prognose: Hannover droht, die neue Fahrstuhlmannschaft des deutschen Profifußballs zu werden.

1. FC Nürnberg

Der Nürnberger Trainer Michael Köllner war „riesig enttäuscht“ in die Winterpause gegangen, nachdem der „Club“ im Dezember auch sein letztes Heimspiel verloren hatte, gegen einen alles andere als übermächtigen SC Freiburg. Jetzt kommt er wieder raus aus der Winterpause, aber seine Laune hat sich nicht wesentlich aufgehellt. Kein einziger Transfer ist dem wie üblich klammen Tabellenletzten geglückt im Winter, Köllner muss weiterarbeiten mit einem Kader, der nur bedingt erstligatauglich ist. „Wir haben eine kampfstarke Mannschaft“, hat der Trainer gesagt, etwas Netteres ist ihm vermutlich nicht eingefallen zu seinem Team. Schwächste Defensive, schwächste Offensive – es sieht düster aus beim „Club“. 

FR-Prognose: Abstieg. Für den Klassenerhalt braucht der FCN eine Serie, die es nicht geben wird.

Von Timur Tinc, Jan Christian Müller, Frank Hellmann, Jakob Böllhoff, Ingo Durstewitz

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