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Neue Anziehsachen, alte Sorgen: Werder-Coach Florian Kohfeldt.

Schalke und Bremen

Aus der Krise in die Krise

  • vonBjörn Knirps
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  • Jan Christian Müller
    Jan Christian Müller
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Für Schalke und Werder geht es nächsten Samstag im direkten Duell bereits ums Eingemachte. Der erste Bundesliga-Spieltag hat an den leidgeplagten Standorten gleich wieder für Frust pur gesorgt.

Es gibt zwei auffällige Neuerungen bei Werder Bremen: Trainer Florian Kohfeldt trägt keinen Trainingsanzug mehr, sondern gehobene Alltagskleidung in gedeckten Farben, und, noch bemerkenswerter: Er kaut kein Kaugummi mehr. Ansonsten ist so ziemlich alles beim Alten in Bremen. Das 1:4 gegen Hertha BSC und das vorangegangene 0:8 des FC Schalke 04 bei Bayern München lässt düster erahnen, dass die Krisenstandorte der vergangenen Saison auch die der neuen Spielzeit sind. Ironie des Schicksals: Am kommenden Samstagabend stehen sich die beiden Rumpeltruppen zum sogenannten „Topspiel“ in der mutmaßlich gähnend leeren Arena in Gelsenkirchen-Buer gegenüber. Denn weil dort die Zahl der Corona-Neuinfektionen massiv angestiegen ist und die Sieben-Tages-Inzidenz am Samstag bei 44,1 lag, dürften Zuschauer nicht zugelassen werden.

In Bremen waren gegen die Hertha 8500 vor Ort - und die fragten sich hinterher bang: Ist das schon wieder Abstiegskampf? Eigentlich ja, denn Werder steht nach der Heimpleite bereits im Tabellenkeller. Nur war das kein Kampf von Werder. Und das machte diese Niederlage so dramatisch. Eine Niederlage gegen diese neureichen Berliner mit ihrer hohen individuellen Qualität war ja eigentlich keine Überraschung, so etwas kann passieren. Aber sollte es in Bremen überhaupt so etwas wie vorsichtige Aufbruchstimmung gegeben haben – seit Hertha ist sie weg, weil der Beweis, dass es mit diesem Trainer und dieser Mannschaft deutlich besser geht, weiterhin fehlt.

„Wir müssen griffig, gallig und angefasst sein, um Bundesligaspiele gewinnen zu können. Sie nur spielerisch zu lösen, wird nicht funktionieren. Und das war heute nicht immer zu sehen“, sagte Kohfeldt im Nachgang des Spiels. Es war eine Aussage, die aufhorchen ließ, drückte sie doch nichts anderes aus als das hier: Für das erste Spiel der neuen Saison hat Werder offenbar nicht die richtige Einstellung gefunden. Wenn Kohfeldt und auch Sportchef Frank Baumann („Es war insgesamt zu passiv, wir brauchen eine andere Überzeugung“) unisono fehlende Galligkeit ihrer Spieler anprangern, dann läuten die Alarmglocken. Wie kann das im ersten Spiel vor Zuschauern im Weserstadion nach einer gefühlten Ewigkeit sein? Und wie kann das nach einer Vorbereitung sein, in der Kohfeldt in jeder Trainingseinheit die absolute Siegermentalität eingefordert hat? Irgendetwas läuft da gewaltig schief. Der Klassenerhalt hat Vertrauen geschaffen, das haben sich die Beteiligten mit viel Einsatz absolut verdient. Aber sie sind dabei, dieses Vertrauen sehr schnell wieder zu verspielen.

Schneider spricht Klartext

Viel Vertrauen verspielen kann sich Schalke 04 nicht mehr. Sportvorstand Jochen Schneider richtete sich nach der Blamage von München via Vereins-Homepage an die frustrierten Fans: „Der Auftritt war indiskutabel. So darf sich eine Mannschaft von Schalke 04 nicht präsentieren.“ Für das Spiel gegen Werder erwarte er „eine deutliche Leistungssteigerung, die sich auch im Ergebnis widerspiegelt“. Für Trainer David Wagner, der bei der 0:1-Heimniederlage gegen die Bremer zum Ende der vergangenen Saison eine erfolglose Angsthasentaktik verordnet hatte, klingt das wie ein Ultimatum. Dass der Chefcoach in München feststellte, es sei „naiv“ gewesen, „dass wir nach dem vierten, fünften Tor weiter nach vorne spielen wollten“, hört sich bezeichnend an. Erreicht Wagner nach 17 Spielen ohne Sieg noch die Mannschaft?

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