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Nicht zum Hinschauen: Georg Teigl vom FC Augsburg nach der Pokalblamage beim SC Verl.

FC Augsburg

Neue Saison, alte Probleme

Der FC Augsburg wollte keinen größeren Umbruch gestalten. Die Pokalblamage in Verl führt vor allem Trainer Martin Schmidt vor Augen, wie schwierig die Spielzeit erneut werden könnte.

Die Pokalpleite hatte Spuren hinterlassen: Trainer Martin Schmidt grübelte mit leerem Blick im zum Presseraum umfunktionierten Stübchen, Geschäftsführer Stefan Reuter versuchte das dritte Erstrundenaus des FC Augsburg innerhalb von sechs Jahren erst einmal mit einem Gang entlang des vor der Gästekabine aufgebauten Buffets zu verdauen.

Nach dem desaströsen Auftritt des Bundesligisten und dem 1:2 (0:2) beim West-Regionalligisten SC Verl dürfte nicht nur den Verantwortlichen vor dem Ligaauftakt am Samstag bei Vizemeister Borussia Dortmund (15.30 Uhr) angst und bange sein. „Es war so ein typisches Pokalspiel. Das macht es für die Allgemeinheit im Fußball so süß und für uns umso saurer. Sauer sind wir, und zwar über unsere eigene Leistung“, sagte Schmidt und richtete den Blick ganz schnell nach vorne: „Dortmund unterschätzt sicherlich keiner. Wir haben sehr, sehr viel Arbeit in dieser Woche vor uns.“

Zuvor waren die Schwaben beim Mentalitätstest in dem kleinen Ort östlich von Gütersloh glatt durchgefallen. Dabei hatte Schmidt seine Mannschaft die ganze Woche hindurch vor der Aufgabe gewarnt. Doch schon in den ersten 30 Minuten erfüllten sich all seine Befürchtungen, dass seine Profis den Underdog offensichtlich nicht wirklich erst nahmen. „Dann passiert genau das, was nicht passieren sollte“, so Schmidt. In der dritten Minute hatten die sorglose Defensive noch Glück, dass Schiedsrichter Martin Thomsen aus Kleve ein reguläres Kopfballtor von Yannick Langesberg nicht anerkannte. Doch der frühe 0:1-Rückstand war nur um wenige Minuten aufgeschoben. Marek Suchy (8.) bugsierte den Ball mit dem Oberschenkel ins eigene Netz, nachdem sein tschechischer Landsmann, Torwart-Neuzugang Tomas Koubek, beim Lupfer von Matthias Haeder noch gut reagiert hatte. Vor dem 0:2 von Ron Schallenberg (23.) wurde die Abwehr vom Viertligisten nach allen Regeln der Kunst ausgespielt, auch wenn der Treffer wegen Abseits eigentlich irregulär war.

Schönzureden gab es wahrlich nichts an diesem desaströsen Nachmittag der Fuggerstädter. Spielerisch lief überhaupt nichts zusammen und auch defensiv konnte von einer Einheit zwischen Abwehr und Mittelfeld nicht die Rede sein. Trotzdem hatte Schmidt auch Lichtblicke an diesem so tristen Tag.

„Nun werden drei bis vier Spieler ins Training zurückkommen“, sagte Schmidt, der damit Jeffrey Gouweleeuw, Alfred Finnbogason, Philipp Max, Ruben Vargas, Raphael Framberger und das brasilianische Abwehrtalent Iago meinte, der den bayerischen Schwaben in Ostwestfalen gefehlt hatte. „Darauf freuen wir uns, damit der Kader auch in der Breite besser aufgestellt ist“, betonte Schmidt, der sechs Neuverpflichtungen in der Startelf aufgeboten hatte. Dem Kader fehlt neben Qualität aber auch Mentalität.

Vielleicht aber ist es ein Fehler, dass der FCA einen größeren Umbruch verpasst hat: Nach Martin Hinteregger (Eintracht Frankfurt) wollten auch Philipp Max und Michael Gregoritsch wechseln, der Verein schob dem Ansinnen aber rigoros einen Riegel vor. Mit den Einnahmen hätten sich die bayrischen Schwaben auf breiter Front neu aufstellen können. Nun aber ist es beim Umbruch light geblieben - und damit schleppt das Team die alten Probleme in die neue Saison.

Zumindest schuldbewusst und selbstkritisch gaben sich die FCA-Profis anschließend. Und gelobten Besserung. Ansonsten könnte beim sich in beeindruckender Frühform befindlichen BVB ein Debakel drohen. „So einen Tag wie sollten wir uns nicht mehr leisten. Wir haben es über 90 Minuten nicht geschafft, das Spiel in unsere Bahn zu lenken. Wenn du bei einem Viertligisten ausscheidest, zeigt das, dass du vieles nicht gut gemacht hast. Und mit Dortmund kommt jetzt eine ganz andere Qualität auf uns zu“, sagte Kapitän Daniel Baier. André Hahn, der per Elfmeter noch zum 1:2 (83.) traf, ergänzte: „Es ist genau das passiert, wovor uns der Trainer gewarnt hatte. Für Verl war es das Spiel des Lebens. Wir müssen aus der Partie unsere Schlüsse ziehen. In Dortmund dürfen wie so jedenfalls nicht auftreten.“ (sid/dpa/FR)

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