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Nach dem Schlusspfiff ging’s hoch her in Augsburg.

DFB-Pokal

Rudel mit Bullen

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Nach dem Leipziger Pokalsieg in Augsburg gibt es mächtig Streit – auch wegen Jens Lehmann.

Jens Lehmann sah jetzt sehr ruhig aus, es war zum Schaudern. Wenn Jens Lehmann in seiner langen Fußballerkarriere so ruhig aussah, ist anschließend häufig eher Unruhiges passiert. Manch Tätlichkeit ist dem Mann als Torwart unterlaufen, einmal auch, in Mainz, hat er einem Journalisten auf dem Parkplatz die Brille von der Nase gerissen. Nie erlaubte er sich dabei Gesichtsregungen, die über stoisches Kaugummikauen hinausgingen.

Jens Lehmann, inzwischen Co-Trainer beim FC Augsburg, war also irgendwie alles zuzutrauen, als er an diesem Dienstagabend scheinbar seelenruhig die Manager des FCA und RB Leipzig davon abhielt, aufeinander loszugehen. Doch Lehmann zeigte keine Zuckung, mit ausgebreiteten Armen stand er da, blieb da stehen, und fast schien er es zu genießen, Begleiter eines Streits zu sein, den er selbst mit ausgelöst hatte.

Augsburgs Georg Teigl nach Abpfiff.

Direkt nach dem hochemotionalen RB-Last-Minute-Sieg in der Verlängerung des DFB-Pokalviertelfinales war Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff rübergegangen in die Augsburger Coaching Zone. Er habe sich dort ausschließlich bei Lehmann beschweren wollen, sagte der 43-Jährige: „Ich habe Jens in normalem Ton gesagt, dass es nichts mit Fair Play zu tun hat, wenn er permanent in unserer Coaching Zone steht. Da sind die Gemüter hochgekocht.“ FCA-Manager Stefan Reuter schrie „Hau ab! Hau ab!“ und schubste Mintzlaff weg, an Lehmann vorbei.

Mintzlaff und die Leipziger Pokalhelden hatten die Augsburger Arena längst mit einem „großartigen Gefühl“ verlassen, da schäumte Reuter weit nach Mitternacht immer noch vor Wut. „Das ist eine bodenlose Frechheit, wie er sich verhalten hat. Statt sich mit seiner Mannschaft zu freuen, stürmt er nach dem Spiel in unsere Coaching Zone. Das ist extrem arrogant und unverschämt, unterste Schublade“, schimpfte Reuter nach dem 1:2 (1:1, 0:0) nach Verlängerung gegen den Bundesliga-Konkurrenten, der dem FC Augsburg ohnehin schon seit Jahren als Feindbild dient.

Mintzlaff, der nach dem erstmaligen Einzug von RB ins Pokalhalbfinale von einem „fantastischen Moment für unseren jungen Klub“ schwärmte, könne sich eine Entschuldigung und „schöne Worte sparen. So verhält man sich einfach nicht“, wetterte Stefan Reuter. Überhaupt hätten sich die Leipziger nach ihrem Erfolg in letzter Sekunde „sehr arrogant“ verhalten. „Aber das“, so der Weltmeister von 1990, „wird ihnen ja auch so vorgelebt. Wenn ich gewinne, muss ich keinen provozieren.“ Auf dem Platz hatte es nach Spielende eine Rudelbildung gegeben.

Leipzig-Coach Ralf Rangnick war um Deeskalation bemüht, nachdem es nach dem späten Siegtor durch Marcel Halstenberg (120.+1) per Handelfmeter auch auf dem Spielfeld Rangeleien gegeben hatte. „Ich wollte dem Schiedsrichter die Hand geben, da habe ich einen leichten Rempler bekommen. Danach gab es Rudelbildung. Dass die Emotionen nach so einem Spiel hochgehen, ist okay“, sagte Rangnick.

Während der Frust beim FCA riesig war, herrschte bei RB großer Jubel. Mintzlaff stellte eine „außerordentliche Leistung“ heraus. Rangnick war „überglücklich und stolz auf die Jungs. Chapeau.“ Er zog also seinen Hut, vielleicht gerade noch rechtzeitig. Sonst wäre Jens Lehmann doch noch mal aufgetaucht und hätte ihn ihm vom Kopf gerissen. (mit sid)

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