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Aufstieg in der Dosenwelt

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Von: Thomas Kilchenstein

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Und tschüss: Oliver Mintzlaff verlässt RB Leipzig und wechselt zu Red Bull.
Und tschüss: Oliver Mintzlaff verlässt RB Leipzig und wechselt zu Red Bull. © dpa

Im Grunde hat der Technokrat Oliver Mintzlaff die Traditionalisten nie verstanden (oder verstehen wollen), die ein Problem mit dem Kunstprodukt RB haben - sein Abgang ist konsequent.

Furchtbar groß waren die Bedenken in Leipzig nicht, dass das Red-Bull-Imperium nach dem Tod ihres Gründers Dietrich Mateschitz ihr finanzstarkes Engagement beim etwas anderen Fußballklub herunterschrauben würde, aber jetzt haben sie die Gewissheit: Das wird nicht geschehen. Dafür wird Oliver Mintzlaff, der jetzt an die Spitze der Dosenwelt klettert, Sorge tragen. Es ist ein rasanter Aufstieg für den früheren Langläufer, Puma-Marketingmann, Spieler-, Trainer-, Schlagersängerinnenberater und Geschäftsführer des RB-Konstruktes, das in der Bundesliga spielt. Und ein logischer Schritt für den Mateschitz-Vertrauten; der Patriarch, todgeweiht, soll Mintzlaff als seinen Nachfolger bestimmt haben.

Womöglich ist Mintzlaff in der Tat hinter dem RB-Schreibtisch in der Zentrale in Österreich besser aufgehoben als an der Spitze eines Fußballklubs. Dort hat er, dem als Leichtathlet der Stallgeruch fehlte, immer ein wenig gefremdelt, man spürte: das war nicht das ureigene Terrain des polarisierenden Geschäftsführers, der keinem Streit aus dem Weg ging, sei es nun der Bruch mit Ralf Rangnick oder die Petitesse mit Fanschals anlässlich des Pokalfinales gegen den SC Freiburg. Das war ganz kleines Karo. Herzen sind dem Mann nie zugeflogen, selbst wenn er keiner Diskussion in der Öffentlichkeit aus dem Weg gegangen ist.

Um seine Aufgabe jenseits des Cottawegs war er nicht zu beneiden. Er war ja das Gesicht des bei Fans zum Feindbild hochstilisierten Konstrukts, das allein ins Leben gerufen wurde, um einen Energydrink besser vermarkten zu können. Selbst wenn die Akzeptanz des Klubs im Osten zunehmend größer wurde. Der Rest des Landes rieb sich weiter an RB, auch die verbissene Haltung des zuweilen arrogant herüberkommenden Mintzlaff, fast jede Kritik aus der Branche mit einem eigenen Angriff kontern zu müssen, traf auf Missfallen.

Im Grunde hat der Technokrat die Traditionalisten nie verstanden (oder verstehen wollen), die ein Problem mit diesem Kunstprodukt inklusive handverlesener Mitglieder haben. Ein Menschenfänger war der wenig druckresistente Minzlaff nie, der mit ein paar Mitarbeitern und dank zuverlässig fließender Geldströme aus Fuschl am See zwar auf dem Transfermarkt klug agierte, aber keine Sympathiepunkte sammelte.

RB verliert sein Gesicht

Ob das perspektivisch mit Max Eberl besser wird, der nun bei RB seine Arbeit als Geschäftsführer Sport beginnt, darf füglich bezweifelt werden. Auch wenn Eberl ein kompetenter Fachmann ist, über Stallgeruch verfügt und freie Hand im sportlichen Segment haben dürfte, wird auch er das miese Image des RB Leipzig nicht von heute auf morgen aufpolieren können. Eher dürfte das Bild des Gemütsmenschen Eberl Kratzer bekommen. Weil RB Leipzig genau das nicht verkörpert, für was Eberl in 23 Jahren bei Borussia Münchengladbach immer stand: Tradition, Leidenschaft, Emotion.

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