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Rasant: Spanisches Spitzenspiel zwischen Atletico Madrid und dem FC Barcelona. 

Equal Pay

Aufruf zum Widerstand

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Die spanischen Fußballerinnen streiken am Wochenende, weil die Bezahlung nicht stimmt.

Angela Sosa mag es, den Bizeps zu spannen und ihre Tätowierung zu zeigen. „Bis ins Unendliche und darüber hinaus“, prangt auf ihren muskulösen Oberarmen. Das ganze Leben der Nationalspielerin von Atletico Madrid war bislang ein Kampf. Sie wuchs in einem der ärmsten Stadtviertel Sevillas auf, und wenn sie Fußball spielte, rieten fremde Menschen ihrem Vater, dass seine Tochter doch lieber putzen gehen sollte, damit würde sie eher Geld verdienen. Anfangs stimmte das ja auch, wie die 26-Jährige einmal erzählte. „Wir haben früher immer alles in einen Topf geworfen und geteilt: Heraus kamen 75 Euro pro Kopf.“

Inzwischen geht es um andere Summen. Genau genommen um 16 000 Euro Mindestlohn jährlich, den alle Spielerinnen der Primera Iberdrola erhalten sollen, wie die nach einem Energieunternehmen benannte erste spanische Frauenliga inzwischen heißt. Mehr als ein Jahr verhandelten die drei Fußball-Gewerkschaften AFE, UGT und Futbolistas ON und die Klubvereinigung ACFF ergebnislos. Nun scheiterte in Madrid der letzte Schlichtungsversuch im Ministerium für Arbeit, Migration und soziale Sicherheit. Folge: Am Samstag wird nicht trainiert, am Sonntag nicht gespielt. Der Streik gilt unbefristet.

„Es gibt eine rote Linie, die die Frauen markiert haben“, teilte Diego Rivas als AFE-Vertreter mit. 93 Prozent von 189 Spielerinnen hatten am 22. Oktober für die Spielpause gestimmt. Die Gegenseite bietet nur Halbjahresverträge und maximal 8000 Euro. Mehr sei den meisten Vereinen nicht möglich. Der spanische Fußball-Verband RFEF, der gerade den Supercup der Männer für einen dreistelligen Millionenvertrag für die nächsten Jahre nach Saudi-Arabien verhökert hat, wollte 1,1 Millionen Euro zuschießen. Diese Summe löse das Problem nicht, ließ die Gewerkschaft verlauten. Die internationale Spielergewerkschaft Fifpro unterstützt den Arbeitskampf „als gutes Beispiel, den Frauenfußball als berufliche Tätigkeit anzuerkennen“.

Forderungen nach angemessener Bezahlung fallen auf fruchtbaren Boden, da der spanische Frauenfußball einen nie dagewesenen Zuspruch erlebt: Binnen zehn Jahren hat sich die Zahl der Spielerinnen auf 64 000 verdreifacht. Das Ligaspiel zwischen Atletico und dem FC Barcelona lockte im Frühjahr 60 739 Zuschauer ins Metropolitano – Weltrekord auf Vereinsebene. Im Viertelfinale der Champions League treffen die beiden spanischen Spitzenklubs im nächsten Frühjahr aufeinander, und der Sieger könnte im Halbfinale gegen den deutschen Meister VfL Wolfsburg spielen.

Equal Play vor Equal Pay

In Barcelona soll die nigerianische Stürmerin Asisat Oshoala bereits 350 000 Euro Jahresgehalt beziehen. Real Madrid steigt ab 2020 über die Fusion mit CD Tacon in die Frauenliga ein, die neben einem Namenssponsor auch einen TV-Partner gewonnen hat. „Vieles läuft in die richtige Richtung“, sagt die zweimal zur besten spanischen Ligaspielerin gewählte Sosa, die inzwischen auch fürs Nationalteam antritt, das gerade in der EM-Qualifikation in Polen (0:0) gespielt hat. Für die EM 2021 wäre Spanien wieder ein Geheimfavorit, denn im Juniorinnenbereich heimsen die gut ausgebildeten Nachwuchsteams regelmäßig Titel ein.

Die verletzte deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult findet, es sei eine Frechheit, den spanischen Spielerinnen abzuverlangen, professionell ihren Job auszuüben, und ihnen dann eine Gehaltsobergrenze zu setzen, die genau das Gegenteil widerspiegele. Gleichwohl besteht auch in Deutschland eine große Kluft: Die Spanne reicht von dem Mindestgehalt für Vertragsspielerinnen von 250 Euro monatlich bis zu den fünfstelligen Monatsgagen der Topspielerinnen beim VfL Wolfsburg und FC Bayern. Rund 500 000 Euro wendet ein Frauen-Bundesligist im Schnitt für Gehälter auf. „Einige Spielerinnen verdienen in der Frauen-Bundesliga weniger Geld als beispielsweise Männer in der Landesliga oder noch tieferen Ligen“, kritisiert Schult.

Aber kann das überhaupt verglichen werden? Nach dem Finale der Frauen-WM in Lyon brüllten vorrangig amerikanische Zuschauer im Stakkato „Equal Pay, Equal Pay“. Als Unterstützung für den Weltmeister USA mit ihrer Frontkämpferin Megan Rapinoe, die mit den Mitspielerinnen ihren eigenen Verband verklagt hatten. Das amerikanische Modell ist jedoch kaum auf Europa übertragbar, weil die Spielerinnen vom Verband bezahlt werden, weshalb sich Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bei dem Thema auffällig zurückhält: „Bevor wir uns über Equal Pay unterhalten, sollten wir über Equal Play reden.“ Erstmal gleiche Voraussetzungen schaffen.

Der neue DFB-Präsident Fritz Keller fordert zwar von allen Lizenzvereinen ein aus seiner Sicht überfälliges Bekenntnis zum Frauen- und Mädchenfußball ein, doch sein Vizepräsident Rainer Koch stellte erst am Wochenende am Rande des Frauen-Länderspiels in Wembley klar: „Bevor wir Geld für die Frauen ausgeben, müssen wir es erst einmal einnehmen.“ Die Aufwendungen für Frauen- und Mädchenfußball würden im DFB die Erlöse bei weitem übersteigen. Da schien einer fast zu fürchten, dass auch deutsche Nationalspielerinnen im Kampf um bessere Entlohnung noch die Muskeln spielen lassen.

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