+
Muss den hohen Erwartungen gerecht werden: Kölns Trainer Markus Anfang.

1. FC Köln

Aufbruch im Abstieg

  • schließen

Die Euphorie in Köln ist groß, der Trainer muss den Aufstieg schaffen.

Vielleicht lag es an der Stimmung, der Kulisse oder der Hitze. Vielleicht auch an allen drei zusammen und geschah einfach aus der Laune heraus. Aber verkneifen konnte sich Werner Spinner die Worte nicht. Also rief der Präsident des 1. FC Köln bei der Saisoneröffnung am vergangenen Sonntag den 50.000 Anhängern zu: „Wir sind top aufgestellt, nur in der falschen Liga. Ich gehe davon aus, dass wir das schnell reparieren und aufsteigen.“ Unter den Zuhörern, an diesem Nachmittag beseelt durch viel „Effzeh“-Folklore, „Kölsche“-Musik und 2886 Liter Freibier, kamen die Worte selbstredend gut an.

Köln zeigt sich vor dem Saisonstart am Samstag beim VfL Bochum selbstbewusst und offenbar der eigenen Stärke bewusst. Der Absturz vom Europa-League-Teilnehmer in die Zweitklassigkeit soll umgehend behoben werden. Dass der Traditionsklub und Bundesliga-Absteiger neben dem Hamburger SV dabei großer Favorit auf den Wiederaufstieg ist, liegt in der Natur der Sache. Dennoch fliegen forsche Töne wie von Spinner einem Verein gerne einmal um die Ohren, falls es unerwartet dann doch nicht so läuft. Dass zu verhindern, ist auch Aufgabe von Markus Anfang. Er, gebürtiger Kölner, ist der neue Übungsleiter an der Seitenlinie und galt bei den Verantwortlichen im Geißbockheim.lange als Favorit auf die Trainerposition.

Anfang empfahl sich mit seiner Arbeit bei Holstein Kiel für die Aufgabe in Köln, führte den Nordklub innerhalb von zwei Jahren von der dritten Liga beinahe in die Bundesliga – erst in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg bekam die Erfolgsgeschichte ihre Grenzen aufgezeigt. In Köln soll, ja muss ihm der Aufstieg nun gelingen.

Die letzten Tests brachten gegen Werder Bremen (1:0) und den FSV Mainz 05 (5:3) immerhin zwei Erfolge gegen Bundesligisten. „Wir haben das Spiel dominiert und beherrscht. Unsere Tore waren sehenswert“, zeigte sich Anfang zufrieden mit dem Auftritt gegen Mainz. Der 44-Jährige steht mit seinem Fußball für spielerische Akzente, eine offensive Ausrichtung und Spektakel. Im Vorjahr stellte er mit 71 Toren in Kiel die beste Offensive der zweiten Liga.

Ohne Risiko ist sein Ansatz jedoch nicht. „Wer Kiel im vergangenen Jahr verfolgt hat, der hat schon einige kuriose Ergebnisse gesehen“, befand Torhüter Timo Horn, „so war es gegen Mainz bei uns auch. Ich hoffe nur, dass es am Ende erfolgreich ist.“ Auch bei Standards zeigte sich die Verteidigung noch wackelig.

Teuerster Transfer der Liga

Im Ligabetrieb stellen sich Köln ohnehin andere Aufgaben entgegen. Die meisten Mannschaften sollten gegen den Aufstiegsfavoriten eher einen defensiven Ansatz verfolgen – anders als noch die mitspielenden Gegner Mainz und Bremen. Auch das gehört zum Kalkül.

Vom Papier her ist der Kader jedoch über jeden Zweifel erhaben. Armin Veh, Geschäftsführer Sport, bezeichnet ihn sogar als stärker als im vergangenen Bundesligajahr. Zuletzt sorgte der Transfer von Dominick Drexler für Aufsehen: Köln zahlte rund 4,5 Millionen Ablöse an den dänischen Meister FC Midtjylland und stemmte damit den teuersten Transfer der zweiten Liga. Drexler ist neben Abwehrmann Rafael Czichos der zweite Anfang-Schützling aus Kieler-Zeiten, der den Weg mit an den Rhein ging. Der 28-Jährige galt als absolute Wunschlösung des Trainers für das offensive Mittelfeld.

Außerdem kam mit Louis Schaub (Rapid Wien) ein österreichischer Nationalspieler, mit Niklas Hauptmann (Dynamo Dresden) und Lasse Sobiech (FC St. Pauli) zwei erfahrende Zweitligaprofis sowie mit Benno Schmitz (RB Leipzig) und Matthias Bader (Karlsruher SC) zwei Kandidaten für die offene Position des Rechtsverteidigers. Köln gab in der Vorbereitung fast genauso viel Geld für neues Personal aus wie der Rest der Liga zusammen.

Stoff für Fußballromantiker boten zudem die frühzeitigen Bekenntnisse von Identifikationsfiguren wie Timo Horn, Jonas Hector und Marcel Risse, ihren „Effzeh“ mit in die zweite Liga zu begleiten – trotz Ausstiegsklauseln und anderer lukrativerer Karriereoptionen. Alleine das entfachte noch während der Abstiegssaison eine bemerkenswerte Aufbruchsstimmung. Nationalspieler Hector führt Köln in dieser Saison zudem als Kapitän auf das Feld.

Die Qualität der Mannschaft, aber auch die Euphorie und Erwartungen im Umfeld sind groß in Köln. Ein Selbstläufer sind Aufstiege in die Bundesliga jedoch nie. Auch Köln schaffte bei fünf Abstiegen nur zweimal direkt den Weg zurück in die Bundesliga. Anfang ist Realist genug, um das zu wissen: „Warum soll man nicht sagen, wohin man will. Man muss sich nur bewusst machen, dass es nicht von jetzt auf gleich passiert, dass es ein schwerer und harter Weg ist.“ Druck hat der Trainer allerdings von Anfang an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion