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Trafen erst kürzlich aufeinander: RB und der BVB. Foto: AFP
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Trafen erst kürzlich aufeinander: RB und der BVB.

Pokal-Endspiel in Berlin

Auf Vatertagstour

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Normalerweise hätte ein Pokalfinale zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund einiges zu bieten, doch Termin und Rahmen schmälern die Vorfreude.

In normalen Zeiten hat Berlin unendlich viel zu bieten. Was zum einen an einer Hauptstadt liegt, in der ganze Stadtteile so groß sind wie andere Bundesliga-Städte. Zum anderen an einem kulturellen Angebot, das keine Nische auslässt. Der Fußball, Hertha BSC kann ein Lied davon singen, hat es mitunter hier schwer. Nur am Wochenende nach dem letzten Bundesliga-Spieltag war das immer anders: Dann strömten Fans der beiden Pokalfinalisten an die Spree. Die einen zogen an die Gedächtniskirche, die anderen an den Alexanderplatz. Wenn sich Bayern München, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Schalke 04 (sic!), Werder Bremen oder wer auch immer sich fürs Endspiel qualifiziert hatten, entstanden Emotionen, die nur nachempfinden kann, wer mal dabei gewesen ist: tolles Flair. Ausgelassene Freude. Ein Fest.

Insofern war es völlig richtig, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hartnäckig darauf bestand, dieses Wochenende zu besetzen, auch wenn es fragwürdig im Rahmenterminplan wirkte, dass zur besten Jahreszeit hintereinander erst das Finale im Pokal, dann das Endspiel der Champions League so exklusive Termine belegen – und dafür kurz vor Weihnachten und im Winter unter der Woche gespielt werden muss. Aber Berlin war es wert! Nun, in der vom tückischen Virus und der bevorstehenden EM eingepferchten Saison 2020/2021, hat der Verband klein beigegeben: Morgen, Donnerstag, Himmelfahrt, nicht an einem Samstag, steigt das 78. Pokalfinale. Danach folgen zwei nicht unwichtige Bundesliga-Spieltage.

Interessante Konstellation

Der FC Bayern war so freundlich, im winterlichen Rahmen im Holstein-Stadion von Kiel auszurutschen, erstmals seit 2017 fehlt der Rekordpokalsieger auf dieser Bühne. Weshalb sich nun jene zwei Teams duellieren, die mit ihren talentierten wie kraftstrotzenden Kadern durchaus gute Unterhaltung bieten können. Borussia Dortmund gegen RB Leipzigm (20.45 Uhr/ARD). Der einzige börsennotierte Bundesligist gegen den einzigen Brauseklub.

Die Konstellation ist voller Gegensätze, doch die Gefühle werden nicht ansatzweise ausgelebt. Der Rahmen ist so scheußlich wie fast landesweit die Wetterprognosen für die Vatertagstour. Geisterspiel. Keine Zuschauer erlaubt. Gewiss, vermutlich hätte sich kaum jemand angesteckt, wenn sich 5000, ja 10 000 Fans ordentlich im Oval verteilt und verhalten hätten. Aber die Zeit ist aus Sicht der Politik noch nicht reif.

Mehrheitlich gönnt das Fußballvolk dem BVB den Titel, es wäre der erst fünfte in der langen Vereinsgeschichte. Michael Zorc, der Langzeitmanager, sagt: „Den Pokal gibt es seit 85 Jahren, wir haben ihn nur viermal gewonnen. Den holst du nicht jedes Jahr.“ Sein Gegenüber war Markus Krösche, der nach zwei Jahren den Abflug gemacht hat und neuer Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt wird. Auch Trainer Julian Nagelsmann sagt am Saisonende Servus und beendet seine Anstellung im Zeichen der Dose bereits nach der Hälfte der vereinbarten Vertragslaufzeit. „Mein Ziel ist es, innerhalb der vier Jahre etwas Blechernes zu holen“, lautete seine Ankündigung bei Amtsantritt. Nun kann der immer noch jüngste Coach der Liga tatsächlich dem Retortenverein den ersten Titel seit Gründung bescheren.

Nagelsmann, 33, hätte dann den Abgang, den RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff zum Abschied von ihm einfordert. Der reist übrigens wegen einer Wette auf dem Fahrrad nach Berlin. Stolze 180 Kilometer. BVB-Kollege Hans-Joachim Watzke, um einiges älter, würde das vermutlich nicht mehr schaffen. Seine größte Tat besteht eigentlich darin, das von ihm oft geschmähte Red-Bull-Gebilde diesmal in Ruhe zu lassen.

Dortmund fährt generell ganz gut damit, jetzt bei sich zu bleiben. Immer mehr schält sich heraus, dass mit Trainer Edin Terzic, 38, der übrigens auch gerne mal zum Trainingsgelände radelt, da ein richtig guter Mann übernommen hat. Der Nachrücker aus eigenem Hause mit Südtribünen-Vergangenheit kommt wohltemperiert rüber, findet die richtige Mitte, drängelt sich nicht in den Vordergrund, wirkt aber viel bestimmter als am Anfang.

Wahrscheinlich werden Watzke und Zorc das nie zugeben, aber so gut wie Terzic seinen Job jetzt macht, muss man das mal fragen: Macht es Marco Rose wirklich nächste Saison so viel besser? Klar ist: Wenn Terzic die Trophäe das erste Mal nach 2017 wieder ins schwarz-gelbe Lager bringt, dann werden sie in Dortmund ordentlich feiern. Der eine oder andere soll dort seinen Vatertagstrip darauf ausgerichtet haben. Wenn man schon nicht nach Berlin fahren darf.

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