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Auf dünnem Eis

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Von: Jan Christian Müller

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Obenauf: Hamburgs Torjäger Robert Glatzel.
Obenauf: Hamburgs Torjäger Robert Glatzel. © dpa

Beim Hamburger SV stimmt viel, aber längst nicht alles.

Der Rote Teppich für den Hamburger SV ist ausgerollt. Aber 2022 wäre nicht das erste Mal, dass die Hanseaten darüber stolpern würden. Zuletzt haben sie ihre Erstligatauglichkeit eindrucksvoll bestätigt: Sieg im Pokal beim 1. FC Köln, Sieg im Derby gegen den seinerzeitigen Tabellenführer FC St. Pauli, und obendrauf gleich im nächsten Spitzenspiel das eindrucksvolle 5:0 bei Darmstadt 98. Und nun die weiteren Topteams Heidenheim und Werder Bremen jeweils zu Hause vor der Brust sowie das durchaus machbare Pokal-Viertelfinale daheim gegen den Karlsruher SC. Der HSV muss nun nur drüberlaufen über diesen schönen Roten Teppich.

Aber der Kader ist in der zweiten Reihe nicht so üppig besetzt, aus der starken Stammelf sollten sich besser nur wenige Profis - allen voran nicht Mittelstürmer Robert Glatzel - unpässlich melden. Beim Coup in Darmstadt blieben mangels Masse zwei Kaderplätze unbesetzt, zwei wurden von A-Jugendlichen ausgefüllt. Das Portal 24hamburg,de interpretierte den Hamburger Winter angesichts nur einen Neuzugangs - Leihgabe Giorgi Chakvetadze fürs offensive Mittelfeld - als „Transferdesaster“. Das mag zwar Klicks generieren, bleibt in der angewandten Sprache aber unangemessen. Denn dass der schwer verschuldete HSV nicht mehr auf Teufel komm raus zu jedem Preis einkaufen geht, sollte eher als seriöse Vereinspolitik interpretiert werden.

Ob der Traditionsklub aber tatsächlich auch intern in eine stabile Zukunft geht oder wieder in eine seiner berüchtigten Unruhen verfällt, muss sich noch zeigen. Mit Thomas Wüstefeld ist zur Jahreswende ein neuer Mann in den Vorstand berufen worden, der zuvor 5,11 Prozent der HSV-Anteile von Milliardär Klaus-Michael Kühne erworben hat. Es bleibt abzuwarten, wie der Pharmaunternehmer Wüstefeld und der sehr selbstbewusste Sportvorstand Jonas Boldt miteinander auskommen.

Kein Zweifel herrscht dagegen, dass das Klima innerhalb der Mannschaft kaum besser sein könnte. Dafür ist in erster Linie Trainer Tim Walter zuständig, der in seiner manchmal polternden Art einen guten Draht zur Mannschaft entwickelt hat und seinen mutigen Vorwärtsfußball konsequent vorantreibt. Sein Standing ist derart gut, dass sogar ein Scheitern im vierten Anlauf des Aufstiegsrennens nicht nach Art des Hauses automatisch zur Trennung führen würde.

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