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Bayern-Trainer Niko Kovac.

Bayern-Trainer Nico Kovac

Ein Druck geht um

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Profifußball, erst recht Bayern München, ist kein Spiel. Es ist Geschäft. Niko Kovac kann sich auch nach dem 5:0 gegen den BVB seines Jobs nicht sicher sein. Der Kommentar.

Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG, hat sich am Sonntagvormittag in ein Fernsehstudio gesetzt und sehr oft alternativlos gesagt. Rummenigge sagte es gar so oft, dass man dachte, er wolle die Vokabel fürs Unwort des Jahres in Stellung bringen, ein Titel, den alternativlos bereits 2010 errang. Begründung der Jury damals: „Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe. Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.“

Ein Sieg gegen Borussia Dortmund, sagte Karl-Heinz Rummenigge also, sei alternativlos gewesen, „denn was wäre die Alternative gewesen, wenn wir nicht gewonnen hätten? Es war alternativlos, und die Mannschaft hat es gut gemacht, weil es alternativlos war.“ Mit solchen Behauptungen droht man, die Rummeniggeverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken, wobei das nichts schlechtes sein muss.

Niko Kovacs Moralpredigt

Der Bayernmann saß dort zwischen dem Moderator Wontorra und dem Dortmundmann Watzke, auf der Nase eine super Brille mit Metallrand, bei der man erfolglos rauszufinden versuchte, ob sie auch Gläser im Gestell hat oder nur da ist, weil’s halt geil aussieht, und er verstrickte sich so tief im Gewirr seiner „Argumentation“, dass man am liebsten Rummenigge als Unwort des Jahres vorgeschlagen hätte.

Fußball sei doch nur ein Spiel, man solle sich nicht so viel Druck machen, lieber locker und leicht aufspielen, so wie die Münchner eben bei diesem Fünfnull gegen den BVB. Als dann später über den nicht unumstrittenen Trainer Niko Kovac geredet wurde, sagte Rummenigge: „Es gibt keine Jobgarantie beim FC Bayern München, für niemanden. Jeder muss liefern. Mit diesem Druck muss man umgehen können, wenn man bei einem Klub wie dem FC Bayern ist.“ Hey hey, ist doch nur ein Spiel, alles easy. Aber wer nicht liefert, fliegt halt raus.

Profifußball, erst recht bei den Bayern, ist kein Spiel. Es ist Geschäft.

Kovac selbst hatte den Sieg abends zuvor auf der Pressekonferenz mal wieder zu einer seiner berüchtigten „Wir sind doch alles Menschen“-Rede genutzt und damit die kritischen Berichte der zurückliegenden Tage moralisch angeprangert. Dabei ist es der innere Druck in einem Verein, der den äußeren Druck reguliert, wenn ein grundsätzlich unzufriedener Dampfplauderer wie Rummenigge in einem Fernsehstudio Platz nimmt.

Daran, dass Kovac sich seiner Anstellung übers Saisonende hinaus nicht sicher sein kann, ändert auch die Klasseleistung gegen unsichtbare Dortmunder nicht viel. Rummenigge machte unmissverständlich klar: Den ängstlichen, saisondefinierenden Auftritt beim Champions-League-Aus gegen den FC Liverpool werden sie in München am Ende des Tages nicht vergessen.

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