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Benötigte bisher für seine sechs Bundesliga-Tore gerade mal 81 Minuten: BVB-Neuzugang Paco Alcácer.

Borussia Dortmund

Atemberaubende Achterbahnfahrt in Dortmund

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Stürmer Paco Alcácer verwandelt Dortmunder Fußball-Tempel mit Dreierpack in ein Tollhaus. Auch Mario Götze kann sich nach langer Zeit wieder in die Torschützenliste eintragen.

Die Analysen nach den Spielen fallen beim Dortmunder Trainer Lucien Favre nie besonders ausschweifend aus. Der Schweizer  antwortet meist kurz und knapp, vermeidet jeden Superlativ. „Er ist sehr gut. Er spürt den Fußball“, lautete am Samstag nach dem glücklichen 4:3 (0:1)-Erfolg des BVB vor 81 365 Zuschauern gegen den FC Augsburg Favres Urteil über Paco Alcácer, der mit seinen drei Treffern (62, 69. und 90.+6), darunter das entscheidende spektakuläre Freistoßtor in der letzten Sekunde der Nachspielzeit, den westfälischen Fußball-Tempel in ein Tollhaus verwandelt hatte. „Ich war durchgeschwitzt, hatte Gänsehaut, habe mich zwischendurch geärgert – es war alles dabei“, sagte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung.

Der 25-jährige Spanier Alcácer setzte den grandiosen Schlusspunkt unter eine Partie, die die Fans ganz sicher so schnell nicht vergessen werden. Gleich zweimal waren die Augsburger durch Alfred Finnbogason (22.) und Philipp Max (71.) in Führung gegangen, hatten das Dortmunder 3:2 durch Mario Götze (84.) per Kopfball von Michael Gregoritsch drei Minuten vor Schluss noch einmal ausgeglichen. Doch dann wurden die wackeren Schwaben von Alcácer auf den bitteren Boden der Tatsachen zurückgeholt. Oder wie es Gregoritsch treffend ausdrückte: „Nach so einer Achterbahnfahrt würdest du am liebsten in den Kübel kotzen.“

Derweil hätte Alcácer nach dem Schlusspfiff gern die ganze Welt umarmt. Beeindruckend seine Trefferquote. Für sechs Bundesliga-Tore benötigte die Leihgabe des FC Barcelona - der BVB soll angeblich eine Kaufoption von 25 Millionen Euro besitzen - bisher lediglich 81 Minuten, traf im Schnitt also alle 14 Minuten. Nur in der Champions League durfte er gegen Monaco (3:0) die volle Distanz bestreiten, war dabei ebenfalls erfolgreich.

Auf Dauer wird ihm die Jokerrolle bei der Borussia nicht gefallen. „Ich fühle mich sehr wohl in Dortmund, kann mir vorstellen, auch über das Jahr hinaus hier zu bleiben“, sagte der Stürmer vor laufenden Sky-Kameras. „Ich will aber immer spielen.“ Dennoch stellte er nach seinem ersten Bundesliga-Dreierpack keine Forderungen: „Die Mannschaft steht im Vordergrund. Ich will helfen, ob von Anfang an oder als Joker.“ Favre will ihn weiter behutsam aufbauen. „Ich habe mit ihm gesprochen. Ich weiß, was er kann“, sagte der Schweizer. „Paco war aber, bevor er zu uns kam, drei Jahre nicht mehr über die vollen 90 Minuten gegangen.“

Die Wertschätzung innerhalb der Mannschaft ist nach nur wenigen Wochen riesengroß. „Er ist ein unglaublicher Fußballer. Es sieht bei ihm alles so locker aus, unglaublich. Er ist eine super Verstärkung für uns“, lobte Verteidiger Manuel Akanji den Torjäger. Und für Kapitän Marco Reus war selbst das tolle Freistoßtor in der Nachspielzeit kein Zufallsprodukt. „Ich erinnere mich an seinen ersten Trainingstag, da hat er schon einige Freistoßtore gemacht“, berichtete Reus nach dem Sieg gegen die Augsburger. „Wir haben alle gehofft, dass er ihn rein macht – und dann macht er ihn rein. Er kommt ins Spiel und schießt in dreißig Minuten drei Tore. Besser geht es nicht.“

Viel Lob für Mario Götze

Diese Wertschätzung muss sich Mario Götze erst wieder mühsam erarbeiten. Sein gutes Bundesliga-Comeback ging angesichts des Gala-Auftritts von Alcácer fast schon unter. Dabei war auch sein Treffer zum 3:2 äußerst sehenswert. Götze schlich sich den Verteidigern davon, sprintete im richtigen Moment in den Strafraum, ein guter erste Kontakt, dann der präzise Abschluss. „Er war immer sehr positiv, hat gut trainiert mit einer fantastischen Mentalität“, waren auch von Favre erstmals lobende Worte über den Weltmeister zu hören, die Michael Zorc ergänzte: „Mario hat eine absolut professionelle Einstellung an den Tag gelegt. Es waren extrem schwierige Wochen für ihn. Er hat weitergearbeitet, hat nicht reklamiert“, erklärte der Sportdirektor.

Götze selbst verweigerte jeden Kommentar zu seiner Leistung und zum Spiel. Gemeinsam mit seinem sechs Jahre jüngeren Bruder Felix, der in der Schlussphase von den Augsburgern eingewechselt wurde und mit dem er das Trikot tauschte, verließ er den Rasen. Zumindest sein Lächeln hatte er dabei wiedergefunden. Wie eigentliche alle Dortmunder an diesem Nachmittag.

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