+
Verstanden sich eigentlich immer gut: Gerald Asamoah und Clemens Tönnies.

Rassismus

Asamoah und Cacau über den Fall Tönnies: „Das können wir nicht dulden“

Gerald Asamoah und Cacau fordern Konsequenzen für Schalke-Aufsichtratschef Clemens Tönnies nach dessen rassistischen Äußerungen.

Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies gerät angesichts der Rassismus-Vorwürfe gegen ihn aus Politik und Sport immer stärker in Erklärungsnot. Heute muss sich der 63 Jahre alte Fleischfabrikant vor dem fünfköpfigen Ehrenrat verantworten, später auch vor der Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Der Chef der Tönnies-Unternehmensgruppe mit Sitz im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück und einem Jahresumsatz von mehr als sechs Milliarden Euro hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn‘s dunkel ist, Kinder zu produzieren“, sagte Tönnies. Für die Äußerungen hatte er sich später entschuldigt. Aber nicht bei denjenigen, die er beleidigt hat, sondern bei Fans und Mitgliedern von Schalke 04 (die FR berichtete).

Nach DFB-Interimschef Reinhard Rauball zeigte sich am Montag auch der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau betroffen: „Mich haben die verächtlichen Worte von Clemens Tönnies schockiert, und je länger ich darüber nachdenke, desto unvorstellbarer wird es, dass ein Mann seiner Position und Erfahrung so generalisierend und abfällig über die Bevölkerung eines ganzen Kontinents spricht.“

Vereinsschädigende Worte

Dass auch der loyale und von Tönnies geförderte Schalker Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah, in Ghana geboren, seinen Boss öffentlich harsch angeht, verwundert selbst Insider. Schließlich ist der 40-Jährige als Manager des U23-Teams ein Klubangestellter. Er sei „sehr überrascht, geschockt und auch verletzt“, hatte Asamoah auf Twitter geschrieben und Konsequenzen gefordert: „Er beleidigt mich und alle anderen Betroffenen. Das können wir nicht dulden.“

Ohne Konsequenz dürften und werden die Tönnies-Aussagen wohl kaum bleiben. Allein schon wegen der öffentlichen Wirkung der Worte müssen sie laut Satzung als vereinsschädigend eingestuft werden. Ganz zu schweigen von einem groben Verstoß gegen die im Schalker Leitbild („FC Schalke 04. Wir leben dich.“) seit 2012 verankerten Grundsätze.

Dass Tönnies das Leitbild mitentwickelte, macht seine Aussagen noch unverständlicher. „Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die Rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein“, heißt es dort. Zwar kann auch der dreiköpfige Schalke-Vorstand mit Alexander Jobst (Marketing), Peter Peters (Finanzen) und Jochen Schneider (Sport) Sanktionen verhängen. In den kurzen Statements wollte man jedoch zum Weitermachen übergehen. Doch der Ehrenrat müsste diese dann auch überprüfen. Mögliche Strafen reichen von „Verwarnung“ und Verweis“ bis zur „Enthebung aus Vereinsämtern auf Zeit und Dauer“.

Wer sein Leben und Wirken auf Schalke verfolgt, weiß, dass Tönnies vor allem der Klub am Herzen liegt. Und er hängt nicht aus Eitelkeit an seinem Amt, sondern aus Überzeugung. „Wenn man mich nicht mehr haben will, dann höre ich auf“, sagte er schon häufig. Tönnies ist niemand, der jedes Wort sorgfältig abwägt. Zuweilen klopft er Sprüche und wundert sich später über die Wirkung. Dem Ehrenrat dürfte es nicht leicht fallen, ein für alle befriedigendes Urteil zu fällen. Dass Tönnies, der seit 2001 dem Aufsichtsrat vorsitzt, selbst den Rückzug antritt, ist eine denkbare Variante. (dpa)

Lesen Sie auch

Die vielen kleinen Jattas

Bakery Jatta ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration, er kam mittellos, wurde freundlich aufgenommen und unterstützt. Und selbst wenn er nicht 21 wäre, sondern schon 23 – wäre der Betrug so fundamental, dass er seine Aufenthaltsberechtigung verwirkt hätte? Ein Kommentar.

Tönnies-Debatte: Wie die falschen Bilder vom unmündigen Afrikaner entstanden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion