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Spielt auch im Fußball ein falsches Spiel: Alexander Lukaschenko.
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Spielt auch im Fußball ein falsches Spiel: Alexander Lukaschenko.

Alexander Lukaschenko

Korrupter Fußball in Belarus: „Wie in der Politik“

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Alexander Lukaschenko macht den Fußball in Belarus durch Korruption kaputt. Wer nicht gehorcht, dem droht Gefängnis.

Minsk – Es ist eine Szene wie aus einem Film, einem schlechten. Der schnauzbärtige Boss steht auf dem Rasen eines leeren Fußballstadions. „Ich rate den Spielern von Dynamo nicht, an mich zu geraten“, bellt er. „Wenn ihr schlecht spielt, kontrolliere ich euch jeden Tag, dann wird es schwer für Sportler und Trainer.“ Das Lächeln der Fußballspieler vor ihm gefriert. „Also, spielt besser gut. Dieses Jahr ist ein dritter Platz akzeptabel, aber nichts darunter. Und nächstes Jahr müsst ihr Meister sein.“ Weißrusslands Staatschef Alexander Lukaschenko macht im September 2021 der Mannschaft von Dynamo Minsk eine Ansage.

Die Fußballsaison geht in die Endphase, Dynamo Minsk steht auf Platz Zwei. Und Andrei Tschepa, früher selbst Spieler, Schiedsrichter und Leiter der Abteilung für Schiedsrichteraufsicht der belarussischen Fußballföderation BFF, ist sicher, dass Minsk mindestens Dritter werden wird. „Nächstes Jahr aber wird man sie zur Meisterschaft tragen“, sagte er der FR, „die Anordnung hat der Sportminister vom Präsidenten erhalten.“ Lukaschenko, seit 1994 an der Macht, diktiert inzwischen auch dem belarussischen Fußball, wie er zu rollen hat. Das geht aus einem Bericht hervor, den die oppositionelle Stiftung für Sportliche Solidarität unlängst veröffentlicht hat. Pfiffe willfähriger Schiedsrichter entscheiden Schlüsselspiele, es siegen von Lukaschenko und seinen Sicherheitsoffizieren favorisierte Mannschaften. Funktionäre, Fußballer oder Schiedsrichter, die dagegen protestieren, droht Gefängnis oder Exil. Lukaschenko ist dabei, den Fußball in Belarus kaputtzumachen.

Korrupter Fußball in Belarus: Lukaschenko wählt Schiedsrichter aus

„Der Sportminister und die BFF-Topfunktionäre machen den Meister unter sich aus“, sagt Alexander Opejkin, Direktor der Stiftung für Sportliche Solidarität, „je nachdem, wer gerade die stärkste Lobby im Apparat besitzt.“ Laut dem Bericht dominieren Vertreter der Sicherheitsorgane den Fußball. Sportminister Sergei Kowaltschuk stammt aus der präsidialen Leibwache, BFF-Präsident Wladimir Basanow war Artillerieoffizier, dann Parlamentarier.

Kowaltschuk fördert Dynamo Minsk. Wadim Schumak, Klubchef des Tabellenführers Schachtjor Soligorsk, gilt als enger Freund von Lukaschenkos Sohn Viktor. Laut Tschepa wird auch Ruch Brest traditionell begünstigt, Eigentümer Alexander Saizew heißt in Belarus wegen enger finanzieller Verbindungen zu Lukaschenko auch die „Brieftasche“.

Für entscheidende Spiele drücken diese Figuren bestimmte Schiedsrichter durch, die auf dem Spielfeld ihre Favoriten begünstigen. „Am letzten Spieltag der vergangenen Saison reichte BATE Borissow ein Sieg gegen Dynamo Minsk, um Meister zu werden“, erzählt Tschepa. Aber der Schiedsrichter habe alles getan, um das zu verhindern, auch einen unberechtigten Elfmeter gegen BATE verhängt. Das Spiel endete Unentschieden, gleichzeitig gewann Schachtjor und wurde Meister. „Die meisten Unparteiischen pfeifen korrekt, aber es gibt zwei, drei Schiedsrichter, die auf BFF-Weisungen hören.“ Sie übersehen, wenn nötig, auch grobe Fouls, wie den Kung-Fu-Tritt des Schachtjor-Stürmers Dembo Darbo gegen einen BATE-Spieler.

Korruption: Lukaschenko macht den Fußball in Belarus kaputt

Eine abgekartete Liga. Selbst „Brieftasche“ Saizew protestierte kürzlich in einem offenen Brief gegen die Schiedsrichterwillkür in einem Spiel von Brest gegen Dynamo Minsk. Das Publikum der Fußballportale diskutiert statt schöner Tore längst die Fehlentscheidungen der Referees. Ein Großteil der Fans bleibt weg, auch weil die Ultras mehrerer Vereine sich im Februar darauf einigten, die Spiele wegen der politischen Lage zu boykottieren. Die BFF aber forderte im Mai von den Unparteiischen, auf dem Spielfeld grünrote Schleifchen zu tragen, Erkennungszeichen der Lukaschenko-Anhänger. Schiedsrichter, die sich weigerten, wurden für mehrere Spiele gestrichen.

Erstliga-Referee Sergei Tschistow landete für drei Tage im Gefängnis, weil er sich an einer Demo gegen Lukaschenko beteiligt hatte, Nationalstürmer Anton Saroka für sieben Tage, auch andere Fußballer wurden zwischenzeitlich eingesperrt. Und der bloggende Zweitliga Profi Alexander Iwulin sitzt seit Juni als mutmaßlicher Aufrührer in U-Haft. Ex-Schiedsrichter Obmann Tschepa ist ebenso im Exil wie Alexander Opejkin oder Michail Salewski.

Lukaschenko: UEFA schweigt zu korruptem Fußball in Belarus

Der frühere Generaldirektor von Bayern-Bezwinger BATE Borissow hatte wie sie öffentlich gegen Lukaschenkos Gewaltherrschaft protestiert. „Das, was im belarussischen Fußball passiert, charakterisiert auch die Machtvertikale in den anderen Lebensbereichen“, so Salewski. „Die Wahlen in den Sportverbänden sind Fiktion, tatsächlich wird das Führungspersonal ernannt, wie in der Politik.“

Salewski ging nach Kiew, um dort einen Trainer-Lehrgang zu absolvieren, aber der BFF intervenierte, Salewski musste die Ausbildung abbrechen. Er legte Beschwerde bei der Uefa ein, wartet auf eine Antwort. Die Uefa schweigt bisher auch zu den Eingaben der „Stiftung für Sportliche Solidarität“. „Sie verstehen bei der Uefa bestens, was passiert, aber offenbar wollen sie keinen Skandal“, sagt Opejkin. „Oder es gibt korrupte Vereinbarungen mit der weißrussischen Staatsmacht.“ (Stefan Scholl)

Sportler in Belarus organisieren Protest gegen Lukaschenko – obwohl sie lange eine wichtige Stütze für ihn waren.

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