+
Zum Wegschauen: Arsenal-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang.

Europa League

Der FC Arsenal am Boden zerstört

  • schließen

Pierre-Emerick-Aubameyang vergibt die große Chance zum Weiterkommen in letzter Minute gegen Olympiakos Piräus.

Pierre-Emerick-Aubameyang sank entsetzt im Londoner Stadion auf die Knie und hielt sich die Hände vor das Gesicht. Der Angreifer vom FC Arsenal war am Boden zerstört, die Fans der Gunners konnten das eben Gesehene ebenfalls nicht glauben. „Ich weiß nicht, wie ich diese Chance vergeben habe“, gab der Gabuner zerknirscht zu Protokoll.

Es lief die zweite Minute der Nachspielzeit der Verlängerung im Europa-League-Rückspiel am Donnerstagabend, der FC Arsenal lag 1:2 gegen Olympiakos Piräus zurück, da segelte noch einmal eine Flanke in den Strafraum des griechischen Vizemeisters. Aubameyang sprintete in Richtung Fünfmeterraum, traf den Ball, aber der landete unfassbarerweise im Aus. „Ich war müde und ich hatte Krämpfe, aber das soll keine Ausrede sein. Ich muss dieses Tor machen“, sagte der ehemalige Stürmer von Borussia Dortmund kleinlaut.

Wenn er es gemacht hätte, wären die Londoner ins Achtelfinale der Europa League eingezogen und hätten sich die Chance für die direkte Champions-League-Qualifikation gewahrt. So wird es zur Herkulesaufgabe. Als aktuell Tabellenneunter der Premier League liegen die Nord-Londoner sieben Punkte hinter dem Vierten, dem FC Chelsea. „Der Wettbewerb war für uns sehr wichtig“, sagte Trainer Mikel Arteta hinsichtlich des Hintertürchens für die Königsklasse, die der Sieger der Europa League erreicht. Zuletzt hatten die Gunners in der Saison 2016/2017 im höchsten europäischen Fußballvereins-Wettbewerb gespielt.

Damals gingen die Londoner zwei Mal mit 1:5 im Achtelfinale gegen den FC Bayern unter. Seitdem waren immer mindestens vier Teams in der englischen Eliteklasse stärker. Im Mai vergangenen Jahres verlor der FC Arsenal das Finale in der Europa League gegen den FC Chelsea, der stattdessen in Champions League einzog. „Arsenal ist einfach nicht gut genug für dieses Level“, sagte Ex-Arsenal-Profi Martin Keown, knallhart, der als Experte für den englischen Sender BT Sport arbeitet. Alles müsse jetzt auf den Prüfstand.

Schwächen in der Defensive

Der FC Arsenal ist ein Klub, der weiter nach seiner Identität nach dem Abgang des langjährigen Teammanagers Arsene Wenger sucht. Nachdem Mikel Arteta am 22. Dezember das Traineramt von seinem glücklosen Vorgänger Unai Emery übernommen hat, keimten in den vergangenen Wochen die Hoffnung auf bessere Zeiten auf. Von den vergangenen zehn Pflichtspielen gewann der FC Arsenal sechs und spielte vier Mal Unentschieden.

Das Team agierte wieder zielstrebiger nach vorne, richtig glänzen konnte es aber nur beim 4:0 gegen Newcastle United vor zwei Wochen. In der Defensive offenbart die Mannschaft weiter große Schwächen, vor allem die Rückwärtsbewegung und die Standardsituationen sind die Achillesferse des FC Arsenal. Beim 3:2 gegen den FC Everton am Sonntag rettete Torhüter Bernd Leno den knappen Sieg. Trotzdem sollte das Weiterkommen gegen Piräus am Donnerstag nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel eigentlich nur Formsache sein.

Doch die Griechen standen tief, ließen die Angreifer um Kapitän Aubameyang ihre Schnelligkeit kaum ausspielen und trafen nach einer Ecke zur 1:0-Führung. Erst in der Verlängerung gelang Aubameyang (113.) mit einem sehenswerten Seitfallzieher der Ausgleich. In der 119. Minute war es wieder eine Flanke, die die Innenverteidigung um David Luiz und Shkodran Mustafi nicht verteidigt bekamen – und plötzlich stand es 1:2. „Wir müssen nach dem Tor das Spiel besser managen“, ärgerte sich Arteta. „Das tut sehr weh. Fußball kann manchmal sehr grausam sein. Gegen so eine Defensive ist es immer schwer, aber wir hatten genügend Chancen, um das Spiel locker für uns zu entscheiden“,

Der 37-Jährige ist jetzt nach dem „emotional schweren Spiel“ gefordert, seine Truppe wieder aufzurichten. Am Montag spielt der Klub im FA-Cup-Achtelfinale beim FC Bournemouth. Die volle Konzentration wird aber auf den elf verbleibenden Ligaspielen liegen. Eine endgültige Wunschformation hat Arteta noch nicht gefunden. Im Mittelfeld und Sturm probiert es der 37-Jährige immer wieder mit unterschiedlichen Formationen. Gesetzt sind eigentlich nur Granit Xhaka, der im Winter kurz davor stand, zu Hertha BSC zu wechseln, Mesut Özil, der unter Emery überhaupt keine Rolle mehr spielte, und Aubameyang – mit 17 Toren zusammen mit Jamie Vardy erfolgreichster Torjäger der Premier League.

„Wir sind immer noch weit von unsere Zielen entfernt, die wir alle haben, aber das ist schon die ganze Saison so. Wir müssen weiter kämpfen“, sagte Arteta. Das wichtigste sei jetzt, dass die Kabine stark bleibe und das Team eine Reaktion zeigen müsse. Pierre-Emerick Aubameyang wird gewiss ein paar tröstende Worte extra brauchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare