+
Die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge üben heftige Medienschelte.

Bayern München

Arrogant und selbstgerecht

  • schließen

Die brachiale Abrechnung der Bayern-Bosse mit allen und jedem offenbart eine völlig verschobene Wahrnehmung. Ein Kommentar.

Da haben sie dann gleich mal das ganz schwere Geschütz aufgefahren, die Granden des FC Bayern München, und sie haben mit all ihren riesigen Kanonen auf die armen Spatzen gefeuert. Sie waren ja auch alle zusammen zum Showdown gekommen, die beiden gewaltigen Alphatiere Kalle und Uli, auch das eher kleine Alphatierchen Brazzo, dem zum Schluss von Oberguru Kalle über den Mund gefahren wurde. Hätte ja was Falsches sagen können, das Bürschchen Brazzo. 

Das Trio Infernal war also ausgerückt, um in dieser denkwürdigen halbe Stunde die Kritiker (vulgo Feinde) des FC Bayern einzuschüchtern, am besten mundtot zu machen. Feinde des FC Bayern können sein: Journalisten, Experten oder auch Ex-Spieler. Am besten alle in einen Sack und mit dem Knüppel feste druff. Wer es wagt, die übermächtigen Bayern zu hinterfragen, der ist entweder: a) „irrsinnig“, b) „unverschämt“, c) „hämisch“, d) „polemisch“, e) „despektierlich“, f) „frech“, g) herabwürdigend – oder natürlich, der Klassiker darf nicht fehlen, h) „respektlos“. Holla die Waldfee. Das Alphabet hätte man so locker vollbekommen.

Die Bayern-Bosse haben am Freitagmittag einen Auftritt hingelegt, der an Selbstgerechtigkeit und Arroganz kaum zu überbieten war. Die brachiale Abrechnung mit allen und jedem offenbart eine völlig verschobene Wahrnehmung – was die Selbsteinschätzung betrifft und den Umgang mit der vierten Gewalt in unserer Demokratie.

Dass ausgerechnet die Bayern ans Grundgesetz und die darin verankerte Menschenwürde erinnern und Kritiker an den Pranger stellen, das ist ein fürwahr scheinheiliger Akt: Präses Uli Hoeneß höchstselbst war es, der erst kürzlich den zurückgetretenen deutschen Nationalspieler Mesut Özil aufs Korn nahm: „Hat seit Jahren einen Dreck gespielt.“ Und den Leverkusener Karim Bellarabi nach einem Foul als „geisteskrank“ bezeichnete. Immerhin räumte Hoeneß gestern ein, dass beides nicht ganz korrekt gewesen sei. Seine mit Abstand beste Leistung an diesem Mittag.

Noch ein Beispiel für die Absurdität der Veranstaltung: Nachdem der ach so böse Umgang mit dem Verein gegeißelt wurde, nagelte Hoeneß in bewährter Manier einen Profi an die Wand, der vor kurzem noch das Münchner Trikot trug: Juan Bernat. „Er war alleine dafür verantwortlich, dass wir fast aus der Champions League ausgeschieden sind.“ Merke: Wer in der Mitte des Glashauses sitzt, sollte die Steine besser liegenlassen.

Dieser groteske und sogar unfreiwillig komische Rundumschlag hat gezeigt, dass die Bayern sich nicht nur für etwas Besseres halten, sondern auch einen Sonderstatus für sich propagieren. Und man spürte förmlich, wie blank die Nerven liegen, wie wackelig das ganze Gebilde ist, wie sehr die derzeitige Krise dem Immergewinner zusetzt. 

Dieses Theaterstück war eines stolzen Renommierklubs nicht würdig, es zeugte lediglich von unerträglicher Aufgeblasenheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion