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Arminia Bielefeld feuert Trainer: Der Griff nach dem letzten Strohhalm

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Von: Thomas Kilchenstein

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Entlassen: Frank Kramer, Trainer von Arminia Bielefeld.
Entlassen: Frank Kramer, Trainer von Arminia Bielefeld. © dpa

Der Rauswurf von Trainer Frank Kramer bei Arminia Bielefeld folgt den üblichen Reflexen in der Bundesliga. Der Kommentar.

Bielefeld – Es ist jetzt nicht bekannt geworden, ob Arminias Sportchef Samir Arabi bei Christoph Daum angerufen hat oder Peter Neururer oder Friedhelm Funkel, der ewige Trainer. Vermutlich nicht, immerhin mit Michael Henke, doch der Wille, im Abstiegskampf auf altmodische Methoden zurückzugreifen, scheint ja spätestens nach der Wiederbelebung des Medizinballes mit anderen Mitteln durch Alt-Quälgeist Felix Magath wieder verbreitet zu sein. Aber klar, selbst wenn ein altgedienter Feuerwehrmann auf die Schnelle nicht aufzutreiben war, so greift man in Zeiten blanker Not zum antiquierten Hausmittel und schmeißt den Trainer raus.

Warum sollte Arminia Bielefeld da anders gestrickt sein als etwa Hertha Berlin oder der VfL Wolfsburg?

Bundesliga: Kein Team erzielt so wenige Treffer wie Arminia Bielefeld

Auch auf der Alm wollen sie halt nicht einsehen - wer würde es ihnen im Übrigen verdenken -, dass es nicht reicht für die Bundesliga, dass der Kader schlechter besetzt ist als der von 16 anderen Konkurrenten. Und wenn dann die wenigen Leistungsträger ausfallen, wird es arg eng mit dem Klassenerhalt. Zumal die Bilanz der letzten sieben Spiele verheerend lst: Einen von 21 möglichen Punkten geholt, bei sechs Niederlagen und 1:17 Toren. Kein anderes Team in der Liga erzielt so wenige Treffer (23) wie die Arminia, selbst das abgeschlagene Schlusslicht Greuther Fürth hat einmal mehr getroffen (24) - in 30 Partien.

Es ist die blanke Verzweiflung, die Arminia jetzt dazu führt, Trainer Frank Kramer, der für einen strategischen Aufbruch inklusive Förderung des eigenen Nachwuchses stehen sollte, den Stuhl vor die Tür zu setzen - so wie sie das vor 13 Monaten schon mit Aufstiegstrainer Uwe Neuhaus gemacht haben. Kramer schaffte seinerzeit den nicht für möglich gehaltenen Klassenerhalt. Bemerkenswert. Auch weil sie Ruhe und Besonnenheit gewahrt hatten, weiche Faktoren, die ihnen gegenüber hektisch werdender Konkurrenz Vorteile verschaffte. Damit ist es jetzt offenbar vorbei.

Abstiegskampf: Arminia Bielefeld zieht an allen Hebeln

Arminia Bielefeld will sich jetzt, kurz vor Ultimo, keinesfalls nachsagen lassen, nicht alles, aber auch wirklich alles, versucht zu haben, den drohenden Abstieg zu vermeiden. Selbst wenn dieses Unterfangen eher nach Aktionismus riecht. Sie greifen auf der Alm nach dem letzten, schon brüchigen Strohhalm. Es sind ja nur noch vier Spieltage.

Die Hoffnung lebt, dass ein Trainerwechsel kurzfristig der schwächelnden Mannschaft einen Schub beschert, einen neuen Impuls, falls es stimmen sollte, dass Kramer den Draht zur Kabine verloren hat. Tatsächlich lässt das Restprogramm einen Funken Zuversicht aufkommen: in Köln, gegen Hertha, in Bochum, gegen Leverkusen. Unlösbar sind diese Aufgaben auf dem Papier sicher nicht.

Arminia Bielefeld: Kann sich das Schlauchboot noch behaupten?

Aber eigentlich wissen sie ins Bielefeld besser: Beim Aufstieg 2020 hatte Sportchef Arabi die Lage der Arminia mit einem Rennen „zwischen einem Schlauchboot und 17 Motorbooten“ verglichen. Einmal sind sie nicht untergegangen, jetzt sieht es anders aus - selbst wenn nur 16 Schnellboote zu Wasser gelassen wurden. (Thomas Kilchenstein)

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