1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Argentinien belohnt sich

Erstellt:

Von: Günter Klein

Kommentare

Triumphator: Lionel Messi.
Triumphator: Lionel Messi. © AFP

Der Triumph der Albiceleste in einem beispiellosen Finaldrama war überfällig und rundet die imposante Karriere von Lionel Messi ab.

Argentinien also. Das passt, das war überfällig. Denn man hat es nicht mehr mitansehen können, dieses ständige Scheitern, über begnadete Generationen hinweg, das wie ein letzter Makel auf der Karriere des Lionel Messi lag. Man muss die „Gauchos“ nicht lieben, sie liefern oft genug Anlass zur Distanz mit Härte und Theatralik, das Viertelfinalmatch gegen die Niederlande war wieder ein Beispiel dafür – doch wer wollte Argentinien letztlich das Weltmeister-Glück 2022 versagen? Noch dazu in einem solchen Drama. Dieser Titel ist von Mystik umweht: Messis Wandlung zum Diener seiner Mannschaft, die Unterstützung der Fans in kritischen Situationen, überhaupt diese emotionale Teilnahme: Dass Zehntausende noch zum Finale kommen ohne die konkrete Aussicht auf eine Eintrittskarte. „Wir haben die besten Fans der Welt“, sagt Torwart Emiliano Martinez. Ja, das ist so.

Was Argentinien neben der Messi-Show zeigte: Dass einer Mannschaft mit exaltierten Persönlichkeiten ein nüchtern wirkender Trainer guttun kann. Lionel Scaloni hat nicht die Aura südamerikanischer Fußball-Professoren, dafür ist er mit seinen 44 Jahren auch noch zu jung, wirkt fast noch wie ein Spieler. Doch er ist der erste von nunmehr acht Nationaltrainern, unter dem Messi in der Albiceleste so spielt, wie es seinem Potenzial entspricht. Dass in die Amtszeit von Scaloni nur eine nennenswerte Niederlage fällt, spricht für ihn. Er gilt als heißer Kandidat, wenn in den europäischen Topvereinen wieder eine Stelle zu besetzen ist, und es wird spannend zu sehen, ob er auch im Klubfußball erfolgreich sein kann.

Die Niederlage, die Scaloni und Argentinien sich zum WM-Auftakt gegen Saudi-Arabien leisteten, fühlte sich fürchterlich an am Tag, als sie sich ereignete, doch letztlich war sie hilfreich. Eine Mannschaft, die ein Turnier erfolgreich abschließen will, muss Widerstände überwinden, krisenfrei, in einem Rutsch, kommt niemand durch. Der französische Trainer der Saudis sagte nach dem historischen 2:1-Sieg seines Teams: „Wir können dennoch die Vorrunde nicht überstehen, und Argentinien kann immer noch Weltmeister werden.“ Es war eine von Weisheit geprägte Voraussicht.

Argentinien hat dieses Turnier sportlich und atmosphärisch geprägt. Wenigstens mit dieser Geschichte lässt sich der Weltmeisterschaft 2022, die in Vielem für die ekelhafte Entwicklung des Fußballs steht, etwas abgewinnen. (Günter Klein)

Auch interessant

Kommentare