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Applaus nach Punkteteilung

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Von: Frank Hellmann

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Eng am Mann: Der Bremer Maximilian Eggestein (rechts) bedrängt den Leipziger Emil Forsberg.
Eng am Mann: Der Bremer Maximilian Eggestein (rechts) bedrängt den Leipziger Emil Forsberg. © Carmen Jaspersen (dpa)

Werder Bremen und RB Leipzig können mit einem leistungsgerechten wie ansehnlichen 1:1 einigermaßen gut leben.

Es waren mahnende Worte, die Frank Baumann ins Editorial des Werder-Stadionmagazins schreiben ließ. „Der Verbleib in der Liga ist noch nicht unter Dach und Fach. Es gibt keinen Grund sich in Sicherheit zu wiegen.“ Das sei kein falscher Pessimismus, so der Bremer Geschäftsführer, „sondern eine realistische Einschätzung der Situation.“ Und doch scheint nach einem ansehnlichen 1:1 (1:0) des SV Werder im Heimspiel gegen RB Leipzig kaum vorstellbar, dass die Bremer wirklich noch mal in die Bredouille kamen. Wie sehr vor allem die zweite Halbzeit den 40 700 Zuschauern im Weserstadion gefallen hatte, war am lang anhaltenden Applaus abzulesen. Die Bremer 1:0-Führung von Niklas Moisander (28.) egalisierte der eingewechselte Ademola Lookman (50.). Werder-Trainer Florian Kohfeldt zeigte sich im Nachgang zufrieden: „Wir haben gegen einen sehr, sehr guten Gegner ein sehr gutes Spiel gemacht. Wir haben bis zum Schluss auf Sieg gespielt, diese Mentalität hat mir sehr gut gefallen.“ Er hätte sogar einen Sieg für verdient gehalten. Doch unter dem Strich war die Punkteteilung das gerechtere Resultat, wie Kohlfedt-Kollege Ralph Hasenhüttl zugab: „Wir nehmen den Punkt gerne mit und weiter gehts. Das war aber nicht der RB-Fußball, den wir kennen.“ Für die Hanseaten war der Zähler ein weiterer Schritt in Richtung Klassenerhalt, für die Sachsen ist die Champions-League-Teilnahme immer noch das erklärte Ziel. Leipzigs Dauerläufer Kevin Kampl betonte: „Wir sind froh, dass wir uns nun vernünftig auf die nächsten Partien vorbereiten können.“ Und Emil Forsberg beteuerte: „Zweite Hälfte hat jeder gesehen, dass wir noch kicken können.“ Doch im ersten Durchgang war eben auch zu besichtigen, dass Leipzig die herben Klatschen gegen Bayer Leverkusen (1:4) und in der Europa-LEague bei Olympique Marseille (2:5) doch nicht so leicht aus den Kleidern schüttelte. Die Hausherren hatten den viel beanspruchten Gegner voll im Klammergriff. Dass der aufgerückte Abwehrchef Moisander mit einem kuriosen Kullerschuss – Nachschuss nach Lattenschuss von Max Kruse – das 1:0 erzielte, war folgerichtig. Speziell in dieser Phase hätten die Grün-Weißen über Milot Rashica (40. und 41.) auch mit 2:0 führen können. RB wirkte merkwürdig kraft- und einfallslos. Doch mit Wiederanpfiff rafften sich die scheinbar müde Mannschaft auf: Erst schaffte der flinke Lookman mit seinem vierten Ballkontakt das 1:1, dann vergab Timo Werner zwei weitere Gelegenheiten in einer Leipziger Sturm-und-Drang-Phase (52. und 54.). Für die letzte halbe Stunde ließen sich die beide Kontrahenten auf einen offenen Schlagabtausch ein, bei dem Werner ganz allein am vorzüglichen Werder-Keeper Jiri Pavlenka scheiterte (85.) und auf der Gegenseite zunächst Moisander mit einem Kopfball das verwaiste Tor verfehlte (86.) und in der Nachspielzeit  Ishak Belfodil den Ball nach einer Ecke mit dem Kopf knapp daneben beförderte. Das Hin und Her hatte auch jene Protagonisten mitgenommen, die nicht im Europapokal gespielt hatten. „Jeder Schritt hat wehgetan. Aber wir haben auch gegen eine Mannschaft gespielt, die wieder in die Champions League will: Deshalb können wir alle stolz sein“, befand Thomas Delaney. Der dänische WM-Teilnehmer in Bremer Diensten kann sich nun sogar am längsten von allen ausruhen: Wegen seiner fünften Gelben Karte fehlt er kommenden Samstag beim VfB Stuttgart.

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