Musste sich offenbar üble Gesänge anhören: Antonio Rüdiger (r.) soll rassistisch beleidigt worden sein.
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Musste sich offenbar üble Gesänge anhören: Antonio Rüdiger (r.) soll rassistisch beleidigt worden sein.

Vorfall im Dezember

DFB-Star bei Derby rassistisch verunglimpft? Polizei-Statement dürfte ihn zürnen lassen

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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  • Richard Strobl
    Richard Strobl
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Antonio Rüdiger soll im London-Derby seines FC Chelsea bei Tottenham Hotspur Opfer von Rassismus geworden sein. Die Polizei hat ermittelt.

  • Antonio Rüdiger gewann mit dem FC Chelsea das London-Derby bei Tottenham Hotspur mit 2:0.
  • Dabei soll der deutsche Nationalspieler zu Opfer von Rassismus geworden sein.
  • Die Polizei konnte für Rüdigers Vorwürfe keine Belege finden.

Update vom 6. Januar, 20 Uhr: Die Londoner Polizei hat keine Beweise für rassistische Beleidigungen gegen den deutschen Fußball-Nationalspieler Antonio Rüdiger gefunden. Der 26-Jährige vom FC Chelsea hatte entsprechende Vorwürfe nach dem Gastspiel bei Tottenham Hotspur am 22. Dezember erhoben. Über den Ausgang der Ermittlungen informierten die Spurs am Montag auf ihrer Internetseite.

„Wir unterstützen Antonio Rüdiger uneingeschränkt bei den von ihm ergriffenen Maßnahmen - es gibt jedoch keine Beweise, die die Behauptung bestätigen oder widerlegen“, heißt es in dem Statement. Daher sei weder der Verein noch die Polizei „in der Lage, weitere Maßnahmen zu ergreifen“. Bei der Untersuchung konnten den Angaben zufolge keine Beweise gefunden werden, „die den Vorwurf des Rassismus stützen“.

Nach Rassismus-Eklat im Derby: Mourinho schimpft über DFB-Star

Update vom 23. Dezember, 18.35 Uhr: Tottenhams neuer Coach José Mourinho hält sich trotz des Rassismus-Eklats um Antonio Rüdiger nicht mit Kritik zurück. Die Niederlage im Lokalduell und vor allem der Ärger um den Platzverweis von Heung-Min Son schienen noch tief zu sitzen, als Sky Sports nach der Partie mit dem Portugiesen sprach. 

Ich hoffe, Rüdiger wird sich von seinen gebrochenen Rippen erholen“, schimpfte „The Special One“ sarkastisch ins Mikrofon. Er kritisierte die angebliche Theatralik Rüdigers nach dem unsportlichen Tritt durch Son. Die Debatte um rassistische Sprechchöre von den Rängen stand da erst einmal hinten an. 

Nach dem Achtelfinal-Krimi zwischen Schalke 04 und Hertha BSC redete kaum noch jemand über Fußball. Berlins Trainer Jürgen Klinsmann und seine Spieler beklagten sich über rassistische Äußerungen gegen Verteidiger Jordan Torunarigha.

DFB-Nationalspieler bei Derby rassistisch beleidigt - er setzt sich deutlich zur Wehr: „Eine Schande“

Update vom 23. Dezember, 11.19 Uhr: Nach den rassistischen Beleidigungen gegen Chelsea-Profi Antonio Rüdiger hat die Vereinigung der englischen Profi-Fußballer (PFA) die Regierung aufgefordert, das Problem Rassismus im Fußball zu untersuchen und Lösungen herbeizuführen. „Die PFA fordert eine Untersuchung der Regierung zu Rassismus und der Zunahme von Hassverbrechen im Fußball sowie sofortige und dringende Maßnahmen einer Allparteiengruppe im Ministerium für Kultur, Medien und Sport, um dieses dringende Problem anzugehen“, schrieb die PFA auf ihrer Internetseite. Der deutsche Nationalspieler war beim 2:0-Erfolg des FC Chelsea bei Tottenham Hotspur mehrfach von Spurs-Fans rassistisch beleidigt worden.

Bereits im Vorjahr hatten einige Profis die Verantwortlichen der Premier League und des englischen Fußballverbandes FA aufgefordert, Maßnahmen in den Stadien gegen den kontinuierlichen Rassismus zu ergreifen. Nach den Beleidigungen gegen Rüdiger gab es bisher keine Stellungnahmen der Liga und der FA. Die FA hatte nach rassistischen Vorfällen beim EM-Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft in Bulgarien im Oktober Konsequenzen von der UEFA gefordert.

Tottenham kündigte bereits am Sonntagabend Untersuchungen an. „Jede Form von Rassismus ist völlig inakzeptabel und wird in unserem Stadion nicht toleriert“, schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Als Maßnahmen kündigte der Club Stadionverbote an. Der Club ist eigentlich bekannt für seine jüdische Identität. Eine Flagge Israels ist im Stadion bei den Heimspielen immer zu sehen. Chelsea-Fans hatten im letzten Jahr mit rassistischen Beschimpfungen gegen Stürmer Raheem Sterling von Manchester City für Empörung gesorgt.

Auch interessant: Das Unternehmen Otto musste kürzlich ebenfalls mit einem Rassismus-Skandel umgehen - und positionierte sich unmissverständlich.

DFB-Nationalspieler bei Derby rassistisch beleidigt - er setzt sich deutlich zur Wehr: „Eine Schande“

Update vom 23. Dezember, 8.15 Uhr: Nach den rassistischen Anfeindungen während des Spiels des FC Chelsea gegen Tottenham hat sich nun auch Antonio Rüdiger selbst zu Wort gemeldet. Er zeigte sich in einem Twitter-Beitrag erschüttert: „Es ist eine Schande, dass es 2019 immer noch Rassismus gibt. Wann hört dieser Unsinn auf?“

Weiter schrieb Rüdiger: „Ich will Tottenham nicht als gesamten Club involvieren, da ich weiß, dass die Angreifer nur ein paar Idioten waren. Ich habe in den letzten Stunden auch von Spurs-Fans sehr viele unterstützende Nachrichten erhalten - vielen Dank dafür“.

Rüdiger hofft bei der Ermittlung der Rufer auf die Videoaufzeichnungen: „In so einem modernen Stadion mit Dutzenden von TV- und Sicherheitskameras muss es möglich sein, die Täter zu finden und sie danach zu bestrafen.“

DFB-Nationalspieler rassistisch beleidigt? Derby wird unterbrochen - er reagiert unerwartet

London - Mit dem FC Chelsea hat Antonio Rüdiger im letzten Spiel vor Weihnachten einen wichtigen 2:0-Sieg bei Tottenham Hotspur gefeiert und damit Platz vier in der Premier League verteidigt. Allerdings musste der DFB-Nationalspieler in seinem dritten Spiel nach monatelanger Verletzungs-Pause leiden: Er soll Opfer von rassistischen Beleidigungen geworden sein.

Mitte der zweiten Hälfte beklagte sich Rüdiger wegen entsprechender Gesänge der Anhänger der Spurs bei Chelsea-Kapitän Cesar Azpilicueta. Der Spanier gab die Vorwürfe an Schiedsrichter Anthony Taylor weiter.

Rüdiger wirft Fans Rassismus vor: Chelsea-Kapitän sieht ein Problem im Alltag

"Tony kam zu mir und sagte mir, dass er rassistische Lieder gegen sich gehört hat", sagte Azpilicueta: "Also habe ich es dem Schiedsrichter gemeldet. Wir sind sehr besorgt und distanzieren uns völlig von so einem Verhalten. Alle müssen zusammen dafür sorgen, dass so etwas aufhört. Es ist nicht nur ein Problem im Fußball, sondern auch im Alltag."

Der Referee veranlasste den Stadionsprecher im neuen Tottenham Hotspur Stadium, eine Warnung an die Übeltäter auszusprechen. Zudem wurde die Begegnung kurzzeitig unterbrochen. Eine Wiederholung hätte sogar einen Abbruch des Londoner Derbys zur Folge haben können.

Rüdiger wirft Fans Rassismus vor: War es Rache für die Rote Karte gegen Son?

Rüdiger selbst reagierte auf die Gesänge, indem er einen Affen imitierte. Ein süffisanter Konter auf die schäbigen Gesänge einiger Spurs-Fans. Womöglich wollten diese sich mit den Schmähliedern beim in Berlin geborenen Innenverteidiger auf solch geschmacklose Art rächen, weil der in der 62. Minute die Rote Karte gegen Heung-Min Son wegen Nachtretens provoziert hatte. Der Südkoreaner hatte Rüdiger nach dessen Foul am Boden liegend leicht in die Rippen gelangt und war dafür des Feldes verwiesen worden - auch, weil der „Blues“-Profi die Situation auszunutzen wusste.

Fortan war Rüdiger das Hassobjekt des heimischen Anhangs, bis hin zu jenen unappetitlichen und verabscheuungswürdigen Songs. Damit aber noch nicht genug: Nach dem Spiel kassierte der 26-Jährige eine verbale Breitseite - vom gegnerischen Teammanager. „Ich hoffe, Rüdiger erholt sich von seinen gebrochenen Rippen, weil er sicher welche haben muss“, mokierte sich Jose Mourinho und motzte in Richtung Schiedsrichter: „Für mich ist die Rote Karte sehr seltsam.“ 

Rüdiger wirft Fans Rassismus vor: Spurs untersuchen Vorfälle

Spielentscheidend war sie aber eigentlich nicht. Dafür traten die Gäste zu dominant auf. Und feierten dank des Doppelpacks von Willian (12., 45.+4/Foulelfmeter) den ersten Ligasieg nach zuvor zwei Pleiten.

Die Spurs teilten Stunden nach dem Spiel mit, dass die Vorfälle untersucht würden. „Jede Form von Rassismus ist absolut inakzeptabel und wird in unserem Stadion nicht toleriert“, hieß es in einer Stellungnahme auf der Vereins-Homepage. Der Klub nehme die Vorkommnisse „extrem ernst“, werde die strengstmöglichen Maßnahmen ergreifen und auch Stadionverbote aussprechen. Spurs-Trainer  Mourinho zeigte sich bei Sky Sports „enttäuscht“ über die Vorfälle.

Rüdiger wirft Fans Rassismus vor: In Interview strikte Reaktion angekündigt

Rüdiger hatte erst vor einem Monat eine strikte Reaktion auf Rassismus-Vorfälle angekündigt. Dann sei er "der Erste, der rausgeht. Ich mache das! Ich habe keine Furcht vor den Konsequenzen", sagte der Confed-Cup-Sieger der Bild am Sonntag: "Das sind Dinge, die man nicht tolerieren darf. Ich bin ein Mensch wie jeder andere auch, nur mit ein paar Pigmenten mehr."

In Spanien musste sich ein Profi als Nazi beschimpfen lassen und soll in der Kabine weinend zusammengebrochen sein. Auch nach einem Jugendspiel in Deutschland stehen Rassismus-Vorwürfe im Raum - doch die Beschuldigten drehen den Spieß um. Eine niederländische Fußball-Legende sorgte mit einer Beleidigung gegen einen deutschen Trainer für einen Skandal - das hat Folgen. In Berlin erhielt ein Mann wegen seiner Herkunft, die härteste Absage, die man sich vorstellen kann.

Ralph Hasenhüttl, ehemaliger Trainer von RB Leipzig, ist mittlerweile in der Premier League beim FC Southampton tätig. Der Verein hat eine unglaubliche Ironie bewiesen und sich mit einem Video selbst veräppelt

Rassistische Vorfälle sind häufig nicht rekonstruierbar. So auch der Eklat um die TV-Show „America‘s Got Talent“. Was Heidi Klum zu den Vorwürfen gegen den Produzenten zu sagen hatte, handelte ihr allerdings wütende Kommentare ein. 

mg, SID, dpa

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