Kommentar

Anti-Werbung für die Liga

  • schließen

Borussia Dortmund schafft es zuverlässig, sich als Gast beim FC Bayern bis auf die Knochen zu blamieren. Der Kommentar.

Neulich hat Christian Seifert, der Chef der Deutschen Fußball-Liga, zum Ausdruck gebracht, dass er nicht glücklich ist über die Art und Weise, wie die Fußball-Bundesliga von TV-Partner Fox in den USA präsentiert wird. Es gibt keinen festen Sendeplatz für die Spiele der Bundesliga, sie sind sozusagen Verschiebemasse. Seiferts Ärger ist aus deutscher Sicht nachvollziehbar.

Aber, um ehrlich zu sein: So, wie sich der hochgejazzte deutsche Clasico am Samstagabend (und schon in den Jahren zuvor regelmäßig) präsentierte, wird es schwierig, weltweit die ganz großen Massen für Spitzenfußball made in Germany zu begeistern. Dazu gehören nämlich zwei Teams, die auf Topniveau agieren. Borussia Dortmund schafft es aber zuverlässig, sich als Gast beim FC Bayern bis auf die Knochen zu blamieren. Die letzten Spiele des BVB in München gingen so aus: 1:5, 1:4, 0:6, 0:5 und nun 0:4. Eine Horrorbilanz als Antiwerbung für die Bundesliga. Es bleibt schwer ergründlich, warum sich der BVB, erst recht nach den jüngsten Erfolgen in DFB-Pokal, Liga und Champions League, geradezu unterwürfig präsentierte. Auch die Verantwortlichen, Trainer Favre und Manager Zorc, wirkten hinterher wie betäubt vom ruhmlosen Auftritt.

Es hätte indes aus Sicht der Borussia wohl kaum einen unglücklicheren Zeitpunkt für das ungeliebte Auswärtsspiel geben können. Befreit von einem Trainer, der von einem Gutteil der Münchner Profis nicht mehr als Vorgesetzter goutiert wurde, traf der BVB auf einen im wahrsten Sinne des Wortes entfesselten Gegner. Interimscoach Hansi Flick musste lediglich ein paar offenkundig festsitzenden Stellschrauben drehen, um Schwung ins Getriebe zu bekommen.

Besonders deutlich lässt sich das an der Personalie Thomas Müller ausmachen. Dessen Verhältnis zu Niko Kovac wäre mit einem Vergleich zu einer Tiefkühltruhe noch warmherzig beschrieben. Flick hat mit einem schlichten Manöver dafür gesorgt, dass Müller auftaut: Er hat ihn aufgestellt. Prompt sah der Offensivmann wieder aus wie einer, der mit seinen Volten die Gegner in den Wahnsinn treibt und nicht seine eigene Mitspieler.

Die Macht der Spieler ist in der am Freitag zu Ende gehenden Ära Uli Hoeneß schon immer ein wenig größer gewesen als in vielen anderen Klubs. Sie wussten, an wen sie sich vertrauensvoll wenden konnten, um Gehör zu finden. Das mag als unmodern verpönt gelten. Ganz schlecht, das dürften auch Menschen einräumen, die dem FC Bayern und seinem Präsidenten nicht gewogen sind, ist der Klub damit gleichwohl nicht gefahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion