Ruhrpott

Annäherung im Revier

  • schließen

Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 haben in dieser Woche in der Champions League unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Ein Kommentar.

Eines ist bei Borussia Dortmund – eine Beteiligung an der Super League in ferner Zukunft hin oder her – angeblich unverrückbar: Die Vereinsfarben bleiben Schwarz-Gelb. Nicht mal die Auswärtstrikots dürfen in Pflichtspielen grün oder blau sein, und damit eine gewisse Beliebigkeit aufweisen.

Nur einmal haben die BVB-Stars ein anderes Jersey getragen, bei einem Testspiel in Aachen, das Oberteil war tatsächlich weinrot. Sah verdammt eigenartig aus. Einen ähnlich seltsamen Eindruck erweckte die Mannschaft nun bei der 0:2-Niederlage in der Champions League bei Atletico Madrid. Im Estadio Metropolitano, übrigens Schauplatz des Endspiels im nächsten Jahr, schienen in der knallgelben Kluft nur schlechte Dortmund-Doubles zu stecken.

Wo war die Überzeugung, das Selbstverständnis und vor allem die Offensivkraft geblieben? Die Borussia prallte ab an der Wand, die aus Akteuren in rot-weiß längs gestreiften Trikots bestand. Nur eine Chance, nur vier Schüsse – davon keiner aufs Tor von Jan Oblak, der sich als Atletico-Schlussmann nicht zum ersten Mal reichlich überflüssig vorkam, weil das Team von Diego Simeone so prima verteidigte. Aus Dortmunder Sicht war das seit Beginn der Datenerfassung 2003 in der Königsklasse der Negativwert.

Damit ist ein bisschen relativiert, was vor zwei Wochen passierte, als der BVB-Express genau den identischen Gegner 4:0 überrollte. In einem K.-o.-Spiel, so viel ist zu vermuten, dürften sich diese beide Duellanten auf Augenhöhe begegnen. Der Dämpfer kommt vermutlich Fußballlehrer Lucien Favre nicht zur Unzeit: Vor dem Ligakracher gegen den FC Bayern soll niemand seiner Schüler glauben, es ginge gegen den Rekordmeister am Samstagabend von alleine. Die Sinne sind seit Dienstagabend ein bisschen mehr geschärft. 

Parallel dazu hat ein anderer Bundesligist wieder seine Brust ein wenig breiter machen können. Für die Liebhaber des FC Schalke 04, und davon gibt es auch bundesweit eine beträchtliche Zahl, gibt es kaum etwas Schöneres, wenn die Königsblauen triumphieren, während der Rivale aus dem Revier dilettiert.

Ganz nebenbei hat Trainer Domenico Tedesco all jene Kritiker Lügen gestraft, dieses Team könne nicht auch mal phasenweise ansehnlich nach vorne spielen. Gewiss: Der Gegner Galatasaray Istanbul ist – verglichen mit Atletico Madrid – eher einer aus der Kategorie der internationalen Leichtgewichte, weil das überalterte Aufgebot des türkischen Traditionsklubs kein Achtelfinalkandidat sein kann.

Dennoch stehen die Schalker mit acht Punkten nun auf einmal gut da und haben gute Chancen, die K.-o.-Runde zu erreichen. Ob vor allem der Coach Tedesco jetzt die richtigen Schlüsse zieht und beispielsweise sich auch im Bundesligaspiel am Sonntag bei Eintracht Frankfurt mehr traut, ist eine spannende Frage. Das Spielermaterial hat er dafür fraglos. Für die Bundesliga wäre es gut, wenn Dortmund und Schalke geschlossen die Achtelfinaltür durchschreiten. Ein Revierderby kann es danach übrigens keinesfalls geben, denn bei den letzten 16 Topteams Europas sind Aufeinandertreffen von Repräsentanten eines Verbands ausgeschlossen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion