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Anklage gegen Niersbach, Zwanziger und Schmidt

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Da konnten sie noch lachen: Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger im Jahr 2011.
Da konnten sie noch lachen: Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger im Jahr 2011. © rtr

In der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 in Deutschland klagt die Staatsanwaltschaft Frankfurt drei ehemalige DFB-Spitzenfunktionäre an.

Frankfurt/Main (SID) Die früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger müssen sich in der „Sommermärchen“-Affäre vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat bereits Mitte Mai Anklage wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung erhoben - im Kern geht es um die dubiosen 6,7 Millionen Euro, die nach Ansicht der Ermittler vor 13 Jahren aufgrund eines privaten Deals von Franz Beckenbauer geflossen sind.

„Es wird sich herausstellen, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe völlig haltlos sind“, sagte Niersbach dem SID. Zwanziger wies den Vorgang als „blinden Aktionismus, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken“, zurück. „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Veranlassung, den reichen DFB durch eine Steuerhinterziehung noch reicher zu machen“, sagte der Jurist, der zum fraglichen Zeitpunkt 2005 als DFB-Präsident im Amt war.

Angeklagt sind auch der damalige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und laut der Bild-Zeitung der Ex-Generalsekretär des Weltverbandes FIFA, Urs Linsi. Über die FIFA war die Millionenzahlung 2005, die der DFB in seiner Steuererklärung für eine nie stattgefundene WM-Gala verbucht hatte, abgewickelt worden. Empfänger war der ehemalige adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus.

Drei Jahre zuvor war die gleiche Summe über ein kompliziertes Konstrukt, an dem Beckenbauer maßgeblich beteiligt war, an den ehemaligen Skandalfunktionär Mohamed Bin Hammam in Katar geflossen. Seit dem Ausbruch der Affäre im Herbst 2015 kursieren verschiedene Theorien, warum Bin Hammam das Geld bekam. Dass damit nachträglich Stimmen für die Vergabe der WM 2006 bezahlt wurden, wies der 69-Jährige zurück („Es war nicht für die WM“).

Die Süddeutsche Zeitung berichtete zuletzt, dass Beckenbauer damals für ein Darlehen gebürgt habe. Spekuliert wird über Geschäfte mit TV-Rechten. Weil er für seine Tätigkeit als Chef des WM-Organisationskomitees zumindest offiziell keine Vergütung erhalten habe, habe das OK 2005 einstimmig beschlossen, diesen Schuldbetrag auszugleichen. Beckenbauer selbst, gesundheitlich offenbar angeschlagen, schweigt seit Monaten zu den Vorgängen.

Schmidts Anwälte betonten, „es gab kein Privatdarlehen an Herrn Beckenbauer“. Dies sei „eine Erfindung der Steuerfahndung, um den von Anfang an unzutreffenden Vorwurf der Steuerhinterziehung um jeden Preis aufrechterhalten zu können“. Der 76-Jährige selbst fühlt sich durch die Anklage verletzt. „Die fast zweieinhalbjährigen Ermittlungen, die Durchsuchung meines Hauses und die ständige Berichterstattung über das Verfahren haben bei meiner Familie und mir Spuren hinterlassen“, äußerte er.

Das Finanzamt Frankfurt/Main hatte bereits Ende Oktober 2017 entschieden, dass die 6,7 Millionen vom DFB an Louis-Dreyfus steuerlich „unzutreffend“ behandelt worden seien - und verhängte eine Strafzahlung in Höhe von 19,2 Millionen Euro. Der DFB, der seine Führungsspitze inzwischen komplett ausgetauscht hat, beharrt weiterhin darauf, die Zahlung sei betrieblich veranlasst gewesen. Die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft schwächen die These erheblich.

Zwanziger ist anderer Meinung. „Der Zuschuss für die FIFA-Gala war unzweifelhaft eine Betriebsausgabe, wie auch die Wirtschaftsprüfer von DFB und FIFA, sowie die im Jahr 2009 durchgeführte Betriebsprüfung durch das Finanzamt Frankfurt festgestellt haben. Da habe ich mir nichts vorzuwerfen“, teilte er mit. (sid)

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