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Eine Klasse für sich: Emre Can.

Volltreffer: Emre Can

Der Anführer

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Der Dortmunder Emre Can trifft gegen die Hertha und nordet Mitspieler Jadon Sancho nach dessen Friseur-Affäre ein.

Früh in seinem Leben hat Emre Can gelernt, sich durchzusetzen. Erst auf den Bolzplätzen der Frankfurter Nordweststadt, auf der rauen Straße wie so gerne postuliert wird, nebenbei beim SV Blau-Gelb, einem Stadtteillverein der Mainmetropole, wo er nach dem ersten Training sofort eine Jahrgangsstufe nach oben geschickt wurde. Damals war Can fünf, die Gegner fortan älter, größer, aber nicht besser. Der Weg zur Eintracht war vorgezeichnet, allerdings konnten sie ihn am Riederwald nicht lange halten. Der FC Bayern rief und Can wechselte mit 15 gen Süden. Er ließ seine Eltern zurück, die Freunde, das Umfeld. „Als Fußballer musst du früh erwachsen sein“, sagte Can einmal rückblickend und fügte an: „Manchmal bist du noch ein Kind, musst dich aber erwachsen verhalten.“

Ein Ratschlag, den er in diesen Tagen auch seinem jetzigen Dortmunder Teamkollegen Jadon Sancho gegeben haben dürfte. Der 20-jährige Engländer, der so herausragend Fußball spielt und dabei stets perfekt frisiert ist, müsse „erwachsener werden“. Und weiter: „Er muss disziplinierter sein, das weiß er selber auch. Er braucht Menschen um sich, die ihn führen.“

Zurück zur Eintracht?

Ein solcher Mensch ist Can. Mit seinen 26 Jahren ist er ein absoluter Anführer, seine Erfahrungen bei Spitzenklubs wie Bayern München, FC Liverpool und Juventus Turin machen sich bemerkbar. Am Samstag gegen die Berliner Hertha hielt der Dortmunder Winterzugang in Vertretung des gelbgesperrten Mats Hummels die Abwehr zusammen und erzielte nach 58 Minuten auch noch den 1:0-Siegtreffer. Nach einer Kombination über die Stationen Sancho und Brandt schob der deutsche Nationalspieler den Ball von der Strafraumgrenze überlegt mit der Innenseite ins Eck. „Er hat sehr gut gespielt“, lobte Borussia-Trainer Lucien Favre. Es war der elfte Erfolg im 13. Rückrundenspiel für den BVB, der sich nach den Punktverlusten der Konkurrenz aus Gladbach, Leverkusen und Leipzig mehr denn je berechtigte Hoffnungen auf den zweiten Platz machen darf. So konnte sich Erzieher Can nach dem Abpfiff seinem Lehrling Sancho und dessen Friseur-Affäre widmen: „Das kann er sich in Zukunft nicht mehr leisten“, sagte Can, der bei sich selbst keine Gefahr für derlei unüberlegte Aktionen sieht. Er lasse die Haare derzeit schließlich „ein bisschen wachsen“.

Bei der Eintracht sind sie übrigens noch immer begeistert von ihrem einstigen Jugendspieler. Vorstand Axel Hellmann gab jüngst erst preis, dass er Can gerne noch einmal in seinem Klub kicken sehen würde. „Der Stil, den wir in den vergangenen Jahren entwickelt haben, verlangt Mentalität, Kraft und Wucht auf dem Platz und eine gewisse Willensstärke“, sagte Hellmann: „Emre Can verkörpert diese Elemente. Ich habe mir immer gewünscht, dass er zurück zur Eintracht kommt. Vielleicht passiert das eines Tages. Wenn wir ihn in unseren Reihen hätten, dann wären wir eine Klasse besser.“

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