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Andreas Rettig: „Donata Hopfen widmet sich dem Thema nicht wirklich“

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Von: Jan Christian Müller

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Tritt selten in Erscheinung: DFL-Chefin Donata Hopfen.
Tritt selten in Erscheinung: DFL-Chefin Donata Hopfen. © IMAGO/Nico Herbertz

Ehemaliger Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) kritisiert vor der Versammlung am Montag in Wiesbaden die „wenig ambitionierten“ Nachhaltigkeitskriterien.

Am Montag treffen sich die 36 Lizenzklubs der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga zur großen Versammlung in Wiesbaden. Just nach diesem letzten Mai-Wochenende, als die Deutsche Fußball Liga (DFL) individuelle Bilanzen jedes Bundesligisten für die Corona-Saison 2020/21 veröffentlicht hat. Aus denen lässt sich beispielsweise herauslesen, dass der Primus SC Freiburg trotz der Pandemie fast zehn Millionen Euro Gewinn erwirtschaftete, während Schlusslicht Hertha BSC ein Rekordminus von fast 78 Millionen Euro vermeldete (siehe Infobox). Ausgewiesen sind auch die teils horrenden Zahlungen an Spielerberater (siehe weitere Infobox).

Die Manager und Vorstände sind beim Treffen in Wiesbaden gespannt, was die seit Jahresbeginn amtierende DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen zu berichten hat. Ihre 100-Tage-Frist ist längst abgelaufen. Zumindest öffentlich hat man bisher nicht viel Erhellendes von ihr gehört, sieht man einmal davon ab, dass sie einen Supercup in Saudi-Arabien nicht von vornherein ausschließen mag und einige Pläne für eine bessere digitale Darstellung der Bundesligen beisammen hat.

Aki Watzke übernimmt Verantwortung

Nur gut, dass der Dortmunder Klubchef Hans-Joachim Watzke mehr Verantwortung übernimmt und als einflussreicher und im großen Fußball erfahrener Aufsichtsrat in Wiesbaden durchs Programm führt und die großen sportpolitischen Linien zieht. Für Watzke, so viel darf als sicher erachtet werden, ist ein Bundesliga-Wettbewerb in einem mörderischen Land wie Saudi-Arabien sicher nicht einmal den Hauch einer Überlegung wert.

Bei der Bundesligaversammlung steht - neben Themen wie „Klarstellung des Sponsorings auf Aufwärmshirts“ oder „Regelung der Zusatzbank in der Technischen Zone“ - auch der interessante Antrag Nummer 10 auf der Agenda: die Einführung von Nachhaltigkeitskriterien als Voraussetzung für eine erfolgreiche Lizenzierung.

Gewinne und Verluste

Die Ergebnisse nach Steuern der Fußball-Bundesligisten für die Saison 2020/21 (in Millionen Euro):

SC Freiburg: + 9,81

RB Leipzig: + 3,75

Bayern München: + 2,32

FC Augsburg: - 0,37

VfB Stuttgart: (Kalenderjahr 2021) - 1,12

VfL Bochum: - 4,87

Werder Bremen: - 7,08

Eintracht Frankfurt (Jahr 2021) - 9,91

Mainz 05: - 10,08

Union Berlin: - 12,00

Bayer Leverkusen: (Jahr 2021) - 13,72

Bor. Mönchengladbach (Jahr 2021: - 14,56

Schalke 04: (Jahr 2021) - 16,65

1. FC Köln: - 16,79

VfL Wolfsburg: -17,81

TSG Hoffenheim: - 22,96

Borussia Dortmund: - 72,81

Hertha BSC: - 77,93

Kosten für Spielerberater:

So viel zahlten die Bundesligaklubs in der Saison 2020/21 für Spielerberater (in Millionen Euro):

Borussia Dortmund: 32,78

RB Leipzig: 25,85

Bayern München: 25,81

B. Leverkusen: (Kalenderjahr 2021) 18,11

Eintracht Frankfurt: (Jahr 2021) 15,69

TSG Hoffenheim: 12,82

Hertha BSC: 10,27

Schalke 04: (Jahr 2021) 9,91

B. Mönchengladbach: (Jahr 2021) 7,76

VfL Wolfsburg: 6,87

VfB Stuttgart: (Jahr 2021) 6,34

1. FC Köln: 5,83

SC Freiburg: 5,09

Mainz 05: 4,32

Werder Bremen: 3,61

FC Augsburg: 3,17

Union Berlin: 2,23

VfL Bochum: 0,87

Der ehemalige DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig übt dazu Fundamentalkritik. Die Mindestkriterien seien in monatelanger Debatte bereits „deutlich eingestampft worden“, es würden zum Teil „alte Schwarten“ nur neu aufgelegt oder bloße Absichtserklärungen erwähnt, etwa den Nachweis, „dass der Klub intern über den schonenden Umgang mit Ressourcen aufklärt“ oder den „Nachweis eines jährlich öffentlichen Bekenntnisses zur Nachhaltigkeit durch das Präsidium“. Rettig: „Wenig Konkretes leider, da ist viel für die Galerie.“ Gerade, wenn man bedenke dass der FC St. Pauli (seinerzeit mit Rettig in der Geschäftsführung) diese Agenda schon vor mehr als drei Jahren als „scharfes Schwert“ mit in den Lizenzierungsauflagen verankern wollte - und seinerzeit nicht durchdringen konnte. Auch der SC Paderborn scheiterte laut Rettig Ende vergangenen Jahres damit, härtere Nachhaltigkeitsbedingungen zu fordern. Zu viel Tempo auf diesem Gebiet ist den meisten Klubs nicht genehm.

„Der größte Klimakiller Rasenheizung“

Er „befürchte“ zudem auch, so Rettig, „die CEO Donata Hopfen widmet sich dem Thema nicht wirklich“. Die Geschäftsführerin habe „andere Prioritäten“, nämlich den Umsatzrückgang bei den Medienerlösen zu stoppen. Die neuen Nachhaltigkeitskriterien seien „wenig ambitioniert“, es hätten „einige Klubs auf der Bremse gestanden“. Er hätte sich „gewünscht, dass die DFL mehr Anreize schafft“, etwa bei der Installation von Solaranlagen an Stadien und Geschäftsstellen. „Die Klubs müssen zu ihrem Glück gezwungen werden.“

Stattdessen stellten die neuen Mindestanforderungen, gerade jene zum Thema Energie, „kaum eine Hürde dar“. Zudem widersprächen sich Forderungen wie erhöhte Lux-Werte bei den Flutlichtanlagen, um die TV-Übertragungsqualität zu maximieren, oder obligatorische Rasenheizungen (Rettig: „Die sind der größte Klimakiller, die verbrauchen an einem Tag so viel wie ein Einfamilienhaus im ganzen Jahr“) den Nachhaltigkeitsbestrebungen.

Immerhin: Diese Anforderungen sollen von DFL und Klubs in einem zweiten Schritt, so der Plan, in absehbarer Zukunft verschärft werden. Rettig geht das entschieden zu langsam.

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