Die Saison steht auf dem Spiel: Carlo Ancelotti.
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Die Saison steht auf dem Spiel: Carlo Ancelotti.

Bayern - Dortmund

Ancelotti auf dem Prüfstand

  • vonMaik Rosner
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Im DFB-Pokal geht es für Bayern nicht nur um den Erhalt der verbliebenen Titelchancen.

Die Ansage aus Dortmund kam unmissverständlich daher. „Wir können ihnen auf jeden Fall die Saison ein Stück weit vermiesen. Das haben wir vor“, ließ BVB-Trainer Thomas Tuchel vor dem Pokalhalbfinale wissen. Sollte es der Borussia an diesem Mittwoch in München tatsächlich gelingen, wie 2015 im Halbfinale und 2012 im Finale den FC Bayern zu bezwingen, käme die Bewertung der Saison an der Säbener Straße über das Prädikat enttäuschend nicht hinaus.

Das erstmals seit sechs Jahren so frühe Aus im Viertelfinale der Champions League stünde ebenso in der Bilanz wie der Abschied vom Pokaltitel, noch vor dem Endspiel in Berlin am 27. Mai. Der bevorstehende Gewinn der fünften Meisterschaft hintereinander wäre nicht mehr als eine Pflichterfüllung. Das wissen auch die Münchner, wenngleich sie wie Kapitän Philipp Lahm sagen: „Ob es eine gute oder sehr gute Saison wird, hängt vom Pokal ab.“ Gut ist im Falle des wirtschaftlich unangefochtenen deutschen Branchenführers FC Bayern allerdings eher nicht gut genug.

Es hat längst eine Suche nach den Gründen für den schon traditionellen Frühjahrsknick eingesetzt. Eine Suche, die über die Verletzungen wichtiger Säulen hinausgeht und bei der auch die Frage gestellt wird, ob ein Antreiber wie der im vergangenen Sommer ausgeschiedene Sportvorstand Matthias Sammer fehlt. Gerade jetzt, da es in der Mannschaft gärt und Arjen Robben manchen Kollegen zuletzt besonders deutlich zu wenig Ehrgeiz vorwarf. Und weil Ancelotti mehr verwaltet als den Konkurrenzkampf zu schüren.

Nur eines der vergangenen sechs Pflichtspiele konnten die Münchner gewinnen. Der bisher letzte Sieg gelang am 8. April in der Liga durch ein 4:1 – gegen Dortmund. Danach reihten die Bayern zwei Niederlagen und zwei Remis aneinander. Das jüngste 2:2 gegen Mainz in der Liga kam zwar unter dem Eindruck des schmerzhaften Abschieds aus Europa zustande. Doch der Zustand der Mannschaft gibt den Bayern Anlass zur Sorge vor jener Partie, die über die gesamte erste Saison von Carlo Ancelotti in München entscheiden könnte. „Das Spiel ist sehr wichtig für uns“, sagte der Trainer am Dienstag, „ich wünsche mir, das Pokalfinale mit meinem Team zu erleben. Es wäre für mich das erste Mal.“

Die Last der Verantwortung wird auch gegen den BVB auf den Schultern der Routiniers liegen. Wie schon in Madrid, wo Ancelotti die bislang im Schnitt älteste Startelf der Champions League formierte, obwohl einige der Etablierten wie Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Mats Hummels und Robert Lewandowski verletzt oder zumindest angeschlagen in die Partie gehen mussten. Bis auf womöglich David Alaba wegen einer Kapselzerrung im linken Knie und Neuer, der sich bei Real als Folgeverletzung nach seiner erst drei Wochen zurückliegenden Operation einen Fußbruch zuzog, werden sie nun aber wohl alle wieder dabei sein. Obwohl ihre Blessuren sie noch immer plagen.

Hoffnungsvolle Talente wie Joshua Kimmich spielen dennoch keine nennenswerte Rolle. Ancelotti verweist bei ihnen lieber auf die kommende Saison, nachdem Lahm und Xabi Alonso ihre Karrieren in wenigen Wochen beenden werden. „Wir haben viele junge Profis, die dieses Jahr nicht viel gespielt haben. Aber ich baue auf Renato Sanches, Kingsley Coman und Joshua Kimmich. Sie sind die Zukunft dieses Vereins“, sagte Ancelotti. Kimmich soll künftig in Lahms Rolle hineinwachsen, „wir werden ihn als Rechtsverteidiger ausprobieren“, formulierte es sein Trainer und kündigte an, dass es im Kader „garantiert keine Revolution“ geben werde. Das klang verhaltener als bei den Vereinslenkern, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß. Vor allem Letzterer betont immer wieder die Wichtigkeit der Nachwuchsförderung und sieht in ihr einen unerlässlichen Baustein für die Zukunft.

Ancelotti gilt eher nicht als Talentförderer. Die aktuelle Saison belegt das. Über die Bewertung dieses Teils seiner Arbeit wird das Pokalhalbfinale gegen Dortmund ebenfalls mitentscheiden.

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