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Ab der Saison 2021/22 bietet der Onlinehändler Livestreams der Topspiele der Champions League.

Champions League

Die Amazonisierung des Fußballs nimmt immer mehr Tempo auf

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Dass der Internetriese Amazon sich Übertragungsrechte für die Fußball-Königsklasse sichert, ist eine vorhersehbare Entwicklung. Angenehmer macht sie das nicht. Ein Kommentar.

Amazon macht ernst. Nachdem das US-amerikanische Onlineunternehmen aus Seattle am vergangenen Wochenende mit großem Aufwand erstmals Spiele der englischen Premier League übertrug, ist nun Deutschland dran und ein anderes europäisches Fußballsuperprodukt: die Champions League der Uefa. Ab der Saison 2021/22 bietet Amazon hierzulande Livestreams zu den Topspielen der Königsklasse am Dienstagabend an, wie am Dienstag bekannt wurde. „Wir sind begeistert“, sagte Alex Green, Geschäftsführer Prime Video Sport Europa bei Amazon. Die Begeisterung sei dem Mann vergönnt, aber es fällt einem schwer, sie zu teilen.

Die Verteilung der Übertragungsrechte im Fußball nimmt ja geradezu verstörende Züge an. Wer die weiteren Rechte an der Champions League in Deutschland erhält, ist noch nicht bekannt. Doch fest steht, dass die Amazonisierung des Fußballs immer mehr Tempo aufnimmt. Den Profiklubs, die längst mehr Wirtschaftsunternehmen denn Sportvereine sind, kann das nur gefallen. Mehr Interessenten, höhere Einnahmen. 

Amazon steigt ein: Für den Fan könnte nun alles noch komplizierter werden

Das Wettbieten der Bezahlangebote hat bei der Champions League schon in der aktuellen Rechteperiode, die bis 2021 läuft, dafür gesorgt, dass die Spiele beim Streamingdienst Dazn laufen und beim Pay-TV-Medium Sky, nicht aber mehr im guten alten ZDF oder wenigstens bei RTL. Sky und Dazn sollen Berichten zufolge rund 600 Millionen Euro fürs Übertragungspaket hingelegt haben, und man darf schwer davon ausgehen, dass in der neuen Rechterunde noch höhere Beträge fließen, auch dank Amazon. Für den Fan, der zurzeit schon im Dschungel aus diversen Abos verloren gehen kann, könnte nun alles noch komplizierter werden. Und natürlich teurer.

Bezahlsender Sky verliert die Rechte an der Champions League

Überraschend kommt die Entwicklung nicht. „Vielleicht kommen eines Tages auch Amazon, Apple, Comcast, Disney, Google oder Netflix dazu“, hat Uli Hoeneß im August in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung „Euro am Sonntag“ gesagt, als er noch Präsident des FC Bayern war: „Wenn die den Fußball für sich entdecken, werden wir noch über ganz andere Beträge reden. Da spielt eine halbe Milliarde, eine Milliarde keine Rolle. Dann könnten wir Dimensionen erreichen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.“ Man sieht förmlich die Dollarzeichen in Hoeneß’ Augen, wenn man die Sätze liest.

Amazon drängt auf den Markt, weil es eine Chance wittert

Amazon (Jahresumsatz 2018: 233 Milliarden US-Dollar) drängt auf den Markt, weil es eine ökonomische Chance in der Fußballbesessenheit der Europäer wittert. Und die Fußballmanager rollen den roten Teppich aus. Ein nachvollziehbarer Vorgang in einer kapitalistischen Gesellschaft. Die nächste Rechteperiode in der Bundesliga ab 2021 wird übrigens im Mai 2020 vergeben, und es ist davon auszugehen, dass Amazon dann mitmischt und mitbietet. Denn die ersten Schritte des Internetriesens auf dem deutschen Markt sind zwar vorsichtig (Amazon hält zurzeit die Hörfunkrechte an Bundesliga und DFB-Pokal), aber sehr deutlich vernehmbar.

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