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Es knirscht im Gebälk bei den Amateurfußballern.

Amateurfußball-Kongress

Amateurfußball: Der Schuh drückt gewaltig

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Der Deutsche Fußball-Bund will die fast unüberwindbare Kluft zwischen der Spitze und seiner Basis verringern. 

Der Blick auf die Homepage verbreitet Ernüchterung. Wer seinen fußballbegeisterten Nachwuchs in jungen Jahren bei der SG Bornheim anmelden möchte, läuft ins Leere. „Für die F- und G-Jugend sowie die Kleinen Bernermer besteht leider aus Kapazitätsgründen bis auf Weiteres ein Aufnahmestopp.“ Und gleich dahinter: „Wir suchen noch für diverse Jugendmannschaften motivierte Trainer!“ Bei einem der wichtigsten Sportvereine Frankfurts bündeln sich in einer Botschaft gleich zwei drängende Probleme an der Basis. In vielen Großstädten hat sich die Situation fast dramatisch verschärft. Aus diesen Gründen kann nicht mehr jeder Fußball spielen, der Fußball spielen will.

Der Schuh drückt so gewaltig, dass der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel, zuletzt wiederholt die 5000 in der Hauptstadt Berlin auf einen Vereinsbeitritt wartenden Kinder erwähnt hat, um zu hinterlegen: „Wir brauchen eine bessere Infrastruktur.“ Im Zuge der Ausrichtung der EM 2024 will er Städte und Kommunen daran erinnern, mehr für den Sportstättenbau zu tun. Der Vereinsfußball spiegelt gesellschaftliche Entwicklungen wider: Hier die Ballungsgebiete, die dem Bevölkerungsdruck und Flächenbedarf kaum gewachsen sind; dort die ländlichen Räume, in denen die schönsten Rasenplätze mitunter verlassen wirken, weil Dorfvereine nur noch mit Spielgemeinschaften über die Runden kommen. Nachwuchsprobleme sind an Geburtenzahlen auf dem Land abzulesen.

Profis und Amateure enger verzahnen

Fernab des Glitzerbetriebs in Bundesliga, Champions League und Nationalmannschaft stellen sich Hindernisse auf, die den Vereinsfußball mitunter in seiner Existenz berühren. Der DFB bekommt das mehr als jede andere Institution zu spüren, weil sich unter seinem Dach mit mehr als sieben Millionen Mitgliedern alle Richtungen bündeln. Der dritte Amateurfußball-Kongress in Kassel soll nun an diesem Wochenende die Probleme benennen. 286 Teilnehmer sind von Freitag bis Sonntag aufgefordert, zu fünf Kernthemen – Vereinsfußball 2024, Rahmenbedingungen, Verbandsentwicklung, Qualifizierungsangebote und Digitalisierung – Erfahrungen und Empfehlungen vorzutragen, zu erörtern und zu sammeln, um Lösungen zu finden. Jeder Komplex wird ausführlich in Workshops in unterschiedlicher Zusammensetzung diskutiert. Zusätzlich sind noch Satellitenkongresse aus sieben Landesverbänden mit weiteren 163 Vertretern zugeschaltet, so dass insgesamt 180 Amateurvereine eine Stimme haben.

An der Basis zeichnen sich mannigfaltige Mängel ab: fehlende finanzielle Mittel und Entlastung, schlechter Zustand der Plätze, zu wenig Ehrenamtliche und Trainer, Zahlungen an Spieler schon in den unteren Spielklasse und ein Rückgang an Mannschaft und aktiver Fußballer und Fußballerinnen. Letzteren alarmierenden Fakt sieht der für die Amateure zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch sogar als größte Herausforderung an. Ansonsten hofft er, dass der Kongress nicht nur „eine Bestandsaufnahme zur Lage des Amateurfußballs im Jahr 2019 liefert, sondern vor allem auch eine Aufbruchsstimmung verbreitet“. Und Koch mahnt: „Das veränderte Freizeitverhalten erfordert, unsere Sportart, die in den Zeiten von Turnvater Jahn entstand, neu aufzustellen.“

Denn es stellt sich ja auch die Frage: War das WM-Desaster der A-Nationalmannschaft vielleicht nur Vorbote einer Grundsatzproblematik? Weil Profis und Amateure wieder enger verzahnt werden müssen, sprechen Bundestrainer Joachim Löw und Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg am Sonntag auf einer Talkrunde. Aber wird mit diesem Bühnen-Bonbon für die Delegierten die gravierende Kluft zwischen denen wenigen da oben und jenen vielen da unten wirklich geschlossen? Die Veröffentlichungen des „Spiegel“ unter anderem über großzügige Spesenabrechnungen der leitenden Angestellten haben den Eindruck wieder verstärkt: Die einen lassen sich auf Verbandskosten Wodka Belvedere schmecken, die anderen müssen mit der vom Mitspieler spendierten Kiste Bier auskommen. Gift für die Glaubwürdigkeit, wenn DFB-Kampagnen bezeugen wollen: „Unsere Amateure. Echte Profis.“

Während in der Vergangenheit beinahe regelmäßig außerordentliche Bundestage einberufen werden müssen, weil der Verband unruhige Zeiten erlebt, Stichwort WM-Skandal, liegt die letzte Zusammenkunft der Amateure auf dieser Ebene sieben Jahre zurück. Damals wurde ebenfalls in Kassel der sogenannte Masterplan beschlossen, der auf den Säulen Entwicklung des Spielbetriebs, Kommunikation und Vereinsservice beruht. Die neuen Medien spielen seitdem tatsächlich eine größere Rolle, aber entbürokratisiert ist der Verband mitnichten. Ein Beispiel: Wenn Flüchtlinge in Deutschland Fußball spielen wollen, dauert es bisweilen Monate mit dem Spielerpass, weil erst noch in Syrien nachgefragt wird, ob dort noch einer liegt.

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