Hart umkämpft: Serdar Dursuns (Mitte) Doppelpack für Darmstadt reicht nicht für einen Heimsieg gegen St. Pauli.
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Hart umkämpft: Serdar Dursuns (Mitte) Doppelpack für Darmstadt reicht nicht für einen Heimsieg gegen St. Pauli.

Zweite Bundesliga

Am Sieg vorbei gehüpft

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Darmstadt 98 verspielt eine 2:0-Führung gegen St. Pauli und verpasst trotz zweier Treffer von Torjäger Serdar Dursun einen Heimsieg. Eine Eintracht-Leihgabe erzielt den späten Ausgleich.

Es gibt einfach Momente im Leben eines Schiedsrichters, da kann er nicht die richtige Entscheidung treffen. Aus seiner Sicht, ja, das hoffentlich schon, aber aus jener der Fußballer eher nicht – so geschehen am Samstagmittag beim 2:2 (1:0) zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem FC St. Pauli.

Da lag der gastgebende Zweitligist aus Hessen bis tief in die Nachspielzeit hinein mit einem Tor vorne, der zweite Dreier nacheinander war zum Greifen nahe, bis der bundesligaerfahrene Mann an der Pfeife, Marco Fritz, auf Elfmeter für die Gäste entschied. Lilien-Debütant Adrian Stanilewicz, gerade mal vier Minuten auf dem Rasen, sollte seinen Hamburger Gegenspieler Lukas Daschner gefoult haben, wobei sich die Frage stellte: Wer hatte denn nun wirklich wen gefoult? Stanilewicz, der den Ball einfach nach vorne dreschen wollte und dabei den in sein Schwungbein geschobenen Fuß Daschners erwischte? Oder doch der Hamburger, der ohne Chance auf den Ball mit seinem Fuß die Bewegung des Darmstädters bremste? Klar, für beide Interpretationen fanden sich Sympathisanten: auf der einen Seite vorwiegend welche aus Darmstadt, auf der anderen die aus Hamburg. Also schaute sich Fritz die Wiederholung am Seitenrand noch mal an und entschied. Strafstoß für St. Pauli, Schuss des von Eintracht Frankfurt an St. Pauli verliehenen Rodrigo Zalazar, 2:2, Abpfiff.

Dursun als Primaballerina

„Das ist schon bitter“, sagte der Darmstädter Trainer Markus Anfang, „dadurch fühlt sich das Unentschieden ein wenig wie eine Niederlage an.“ Vor allem aber auch deshalb, weil seine Mannschaft den Sieg absolut verdient gehabt hätte. „Zum Elfmeter gibt es sicherlich verschiedene Meinungen, aber wir hätten das Spiel vorher zu machen müssen“, gab Anfang zerknirscht zu. Das entscheidende Tor, um den Sack zuzumachen, habe schlicht gefehlt – ein leidiges Thema für den SV 98 in dieser noch jungen Saison.

Aber von vorne: Die Darmstädter kamen vor fast verwaisten Tribünen – lediglich Medienvertreter, Vereinsmitarbeiter und Ordner waren am Bölle zugegen - mäßig in die Partie. Spätestens nach einer Viertelstunde bestimmten die Gäste das Geschehen. Vor allem die früheren Wiesbadener Daniel-Kofi Kyereh und Maximilian Dittgen sowie die Frankfurt-Leihgabe Zalazar fielen aufseiten der Kiezkicker durch Fleiß, Technik und fußballerische Finesse positiv auf. Einzig: In Führung gingen mit der letzten Aktion vor der Pause die Lilien.

Nach einem Foul an Tobias Kempe verwandelte Serdar Dursun den fälligen Elfmeter hüpfend. Wie bitte? Also: Der Darmstädter, bekanntlich ein Hüne von einem Angreifer, federte wie eine etwas ungelenke Primaballerina betont langsam dem Ball entgegen, hopste kurz vorher in die Höhe, um schließlich mit der Innenseite gegen den verdutzen Pauli-Schlussmann zu vollenden. „Ich trainiere das seit Monaten“, sagte Dursun, dessen Trainer dennoch nicht sonderlich viel davon hielt: „Das Ergebnis gibt ihm Recht, aber richtig kann ich mich damit nicht anfreunden“, so Anfang. Sei’s drum.

Mit der Führung im Rücken dominierten die Darmstädter die zweite Hälfte, hatten Riesenchancen, von denen Dursun per Kopf zwar eine zum zwischenzeitlichen 2:0 nutzte (76.), von denen Marvin Mehlem (52.), Dursun (79.) und Braydon Manu (88.) aber auch einige glasklare versemmelten. „Da hat uns die Kaltschnäuzigkeit gefehlt“, erkannte der Doppeltorschütze: „Nach dem 2:0 dürfen wir Pauli nicht mehr mit einem Punkt nach Hause fahren lassen.“

Sie taten es doch. Zum einen weil Rico Benatelli aus dem Gewühl heraus den Anschlusstreffer erzielte (80.), zum anderen weil Schiedsrichter Fritz die für sich richtige Entscheidung traf: Elfmeter in der Nachspielzeit. Rodrigo Zalazar lief an und verwandelte mühelos - ganz ohne Hüpfeinlage.

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