+
Trotz seiner 33 Jahre noch immer gefährlich: Stürmer Fotis Papoulis (l.) traf auch in der Europa-League-Qualifikation gegen den FC Basel.

Apollon Limassol

Die Altherrenkicker

  • schließen

13 Spieler von Apollon Limassol gehören der Ü30-Fraktion an ? für die Spielidee des Trainers ist diese Erfahrung essenziell.

Einmal in der 64-jährigen Klubgeschichte erhielt Apollon Limassol internationale Aufmerksamkeit. Im Dezember 2016 war das, als der kleine Verein aus dem Süden Zyperns europaweit in den Medien auftauchte. Der Grund: dubiose Geschäfte, ans Licht gebracht von der Enthüllungsplattform Football Leaks, recherchiert vom Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Und unfreiwillig mittendrin in diesem komplizierten Geflecht aus Scheinfirmen, aus Millionen scheffelnden, aber unbekannten Hintermännern: Eintracht Frankfurt und Mijat Gacinovic. 

In Kurzform handelte es sich um ein Dreiecksgeschäft. Anfangs einigte sich der FK Novi Sad, Gacinovics Ausbildungsverein in Serbien, mit Apollon im Sommer 2015 auf einen Wechsel des Spielers nach Zypern. Ablöse: 1,25 Millionen Euro. Noch am selben Tag wurde Limassol vom serbischen Klub aufgefordert, eben dieses Geld auf ein Konto einer Schweizer Bank zu überweisen. Empfänger: die Firma European Sports Management. Schließlich verkaufte Limassol den gerade erst verpflichteten Gacinovic nur wenige Tage später weiter nach Frankfurt, ohne dass dieser jemals auch nur ein Spiel für die Zyprer gemacht hatte. Ablöse: 1,25 Millionen, wieder profitierte European Sports Management. Auch beim Transfer von Luka Jovic Anfang 2016 von Roter Stern Belgrad zu Benfica Lissabon war Apallon involviert. Ähnlich wie bei Gacinovic waren die Zyprer eine Zwischenstation für die Abwicklung des Wechsels, niemals schnürte der heutige Eintracht-Stürmer aber die Schuhe für Limassol. In den Unterlagen der Fifa taucht dennoch Apallon als abgebender Verein auf. Obwohl die Fifa später ein Verbot aussprach, dass Investoren Anteile an den Transferrechten von Profifußballern erwerben können, bleibt eines haften: der Eindruck von schmutzigen Geschäften. 

Drei Jahre später ist das anders, es ist wieder ruhig um den Klub aus der 230 000-Einwohner-Stadt am Mittelmeer geworden. Zum einen sollen dem Vernehmen nach die Geschäfte nun sauber ablaufen, zum anderen ist sportlicher Erfolg da. 2017 holte der Klub den Pokal und den Supercup. In der vergangenen Runde wurde Limassol in der Liga Zweiter hinter dem Vorzeigeklub des Landes, Apoel Nikosia. 

In der aktuellen Spielzeit ist Apollon nach fünf Spieltagen noch ohne Punktverlust, schoss 18 Tore und kassierte nur eines. In der Europa League verlor Limassol knapp mit 1:2 gegen Lazio Rom und trotzte dem Favoriten aus Marseille nach 0:2-Rückstand gar ein 2:2 ab. „Das wird kein Selbstläufer“, sagt Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner. „Sie spielen technisch feinen Fußball“, ergänzt der Frankfurter Trainer Adi Hütter.

Eng verbunden ist die positive sportliche Entwicklung der Zyprer mit ihrem Trainer, mit Sofronis Avgousti, der trotz seiner erst 41 Jahre schon jetzt ein Held in seiner Heimat ist. Avgousti ist ein Kind des Klubs, er durchlief nahezu die komplette Jugendabteilung, stand später 131 Mal für das Profiteam als Torhüter zwischen den Pfosten und ist seit seinem Karriereende 2013 als Trainer zuständig. Erst als Assistent, seit nunmehr fast zwei Jahren als Chef an der Seitenlinie. Avgousti gilt als Fußballlehrer mit klaren Prinzipien. Von seinem 4-2-3-1-System rückt er nur selten ab, taktische Ordnung und die Defensive stehen ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Und Avgousti setzt auf Erfahrung. Sie ist quasi essenziell für seine Idee vom Fußball, die Gegner kommen zu lassen und in entscheidenden Momenten eiskalt zuzuschlagen. 13 Spieler des Kaders, der aus Kickern aller Herren Länder - Portugal, Spanien, Frankreich, Rumänien, Brasilien und so weiter und so fort - besteht, gehören der Ü30-Fraktion an. Auch der vermeintlich beste: Fotis Papoulis.

Der 33-jährige Linksaußen ist Kapitän, Torjäger und wie sein Trainer eine echte Klubikone. „Das ist eine gefährliche Mannschaft. Sie steht und fällt mit Fotis Papoulis. Er ist ein Dribbelkünstler, setzt die offensiven Mitspieler ein und ist trotz seiner 33 Jahre sehr gefährlich“, warnt auch der 51-jährige Ex-Profi Rainer Rauffmann, der einst 31 Spiele für die Eintracht machte und seit 1997 auf Zypern lebt, in einem Interview auf der Homepage der Hessen. 

Bewiesen haben die Gäste ihre Klasse durchaus auch in dieser Saison. Obwohl sie seit 13 Europa-League-Partien ohne Sieg sind, Negativrekord, ist zumindest der Weg in den Europacup einigermaßen beachtlich. In der mühsamen Qualifikation setzte sich Apollon gegen Stumbras Kaunas aus Litauen, Zeljeznicar Sarajevo aus Bosnien und Herzegowina, Dinamo Brest aus Weißrussland und zu guter Letzt gegen den Schweizer Stammgast der Champions League, den FC Basel, durch. „Das gegen Basel war beeindruckend“, sagt Hütter: „Limassol muss gewinnen, um noch eine Chance aufs Weiterkommen zu haben. Wir müssen sehr aufpassen.“ Mal sehen, ob der Frankfurter Trainer bei seinen Profis mit den Warnungen Gehör findet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion