+
Buh! Manuel Neuer, Schreckgespenst der Holländer.

Torhüter

Neuer meldet sich in alter Form zurück

  • schließen

Der Kapitän im deutschen Tor sendet das klare Signal, dass mit ihm zu rechnen ist.

Die große Geste benötigte Manuel Neuer nicht. Die emotionale Jubelpose mit der geballten Faust bei Schlusspfiff hatte der Torwart der deutschen Nationalmannschaft schon auf dem Platz lieber Leon Goretzka überlassen. Und auch hinterher, im Bauch der Arena von Amsterdam, wäre der 32-Jährige wohl am liebsten direkt zum Mannschaftsbus gegangen. Doch die Pflicht als Öffentlichkeitsarbeiter rief.

Denn der Kapitän ist dem radikalen Reformprozess ja nicht zum Opfer gefallen, er trägt noch immer die Kapitänsbinde überm blauen Trikotärmel, aber wie sehr der Torwart des FC Bayern mit sich selbst zu tun hatte, leiteten viele an seiner fehlenden Präsenz vor der Presse in den vergangenen Tagen ab. Er war lieber Schweiger als Sprachrohr. Bis zum Sonntagabend in Amsterdam. „Wir sind überglücklich, dass wir den Spieß mal umdrehen und den Holländern im eigenen Stadion mal wehtun konnten. Wir wollen daran arbeiten, dass es keine Eintagsfliege war“, sagte Neuer ohne jeden Anflug von Überschwang. Seine eigene Leistung? „Ich denke, dass ich torwartspezifisch ein gutes Spiel gemacht habe.“

Vor allem seine Paraden gegen Ryan Babel in der ersten Halbzeit wirkten wie eine Wiedergeburt. Es war der alte Neuer, jener, der in Schlüsselmomenten intuitiv richtig reagiert. Und im Zweifel halt einfach dort steht, wo der Stürmer hinschießt. Drei Tage vor seinem 33. Geburtstag sendete er damit ein wichtiges Signal. Für Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff hatte Neuer „die richtige Antwort auf dem Platz gegeben“. Auch der Bundestrainer fühlte sich bestätigt: Joachim Löw hatte sich einerseits für Neuer als Nummer eins ausgesprochen, andererseits von seinem Vertrauten Leistung eingefordert – und dem Herausforderer Marc-Andre ter Stegen weitere Einsätze in Aussicht gestellt. Nun konnte Löw ein Lob loswerden: „Er hatte auch eine gute Ausstrahlung. Das war auch von Manu eine klasse Leistung.“

Spitze Richtung ter Stegen

Wie sehr Neuer solche Bewährungsproben herbeigesehnt hatte, offenbarte die Schilderung seiner Schlüsselerlebnisse. „Ich habe darauf gewartet, dass Sachen kommen, bei denen ich mich auszeichnen kann – in der Vergangenheit hatte ich nicht viel. Ich habe bisher eine gute Rückrunde gespielt, davon bin ich fest überzeugt.“ Gegentore wie neulich im Champions-League-Spiel gegen den FC Liverpool (1:3), als er beim 0:1 unnötig weit aus seinem Tor gerannt war, rechnet sich Neuer nicht als groben Fehler an.

Das Risiko spielt bei seiner Interpretation des Torwartspiels halt immer mit. Solche diskussionswürdige Szenen hatten allerdings dazu geführt, dass manch einer lieber heute als morgen ter Stegen als geschätzte Stütze vom FC Barcelona zwischen den Pfosten der DFB-Auswahl sehen würde. Nun allerdings scheint es, als müsste sich der sechs Jahre jüngere Kronprinz noch etwas länger in Geduld üben. Der Torwartposten könnte jene Position sein, auf dem sich der Verjüngungsprozess am längsten hinauszögert.

Neuer war nach seinem 86. Länderspiel so klug, auf den Zweikampf mit dem zunehmend ungeduldigen ter Stegen nicht groß einzugehen. „Es geht nicht um den Marc oder um mich: Grundsätzlich ist unser Verhältnis mit allen Torleuten gut. Wir arbeiten ja zusammen. Es sind alles starke Torhüter, da zähle ich Kevin Trapp oder Bernd Leno dazu.“ Neuer hat den vor der WM gestrichenen Kandidaten des FC Arsenal vielleicht nicht zufällig genannt: Mit Leno verstand sich ter Stegen in seiner Juniorenzeit unter DFB-Obhut nämlich überhaupt nicht. Manchmal reichen im Profifußball auch die kleinen Spitzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion