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In der Krise: Moise Kean und Juventus Turin.
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In der Krise: Moise Kean und Juventus Turin.

Kommentar

Alte Dame im All

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Dass Juventus Turin nun im Tabellenkeller herumkrebst, ist ein Symbolbild, das über Turin, über Italien hinausreicht – die Krise ist aber nicht nur sportlicher Natur. Der Kommentar.

Juventus Turin geht es nicht gut. Der italienische Fußball-Rekordmeister, der den Spitznamen „Alte Dame“ trägt, seit in den 50er Jahren die Juve-Trikots einen Buckel auf dem Rücken der rennenden Spieler formten, hat einen Saisonstart hingelegt, bei dem sich historische Vergleiche aufdrängen, die beinahe in diese Zeit zurückreichen. Vier Spiele, kein einziger Sieg: Das gab’s für die Turiner zuletzt 1961, als die Berliner Mauer gebaut wurde und die Russen zum ersten Mal einen Menschen ins All beförderten, Yuri Gagarin.

Schon der vierte Platz in der vergangenen Saison: eine kleine Katastrophe nach zuvor neun Meistertiteln in Folge. Dass die Mannschaft von Trainer Massimiliano Allegri nun im Tabellenkeller herumkrebst, ist ein Symbolbild, das über Turin, über Italien hinausreicht.

Denn die sich ausweitende Krise ist nicht nur sportlicher Natur und berührt den europäischen Spitzenfußball an einer empfindlichen Stelle. Juventus Turin hat für die Corona-Saison 20/21 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro zu verzeichnen und reiht sich damit in die klangvolle Liste der Superklubs ein, die ihre supergroßen Geldprobleme lösen wollen, indem sie die Einnahmen ins Unermessliche steigern. Ausgaben verringern? So weit kommt es noch!

Es ist kein Zufall, dass Juventus gemeinsam mit Real Madrid und dem FC Barcelona übriggeblieben ist aus der Zwölfergemeinschaft der Abtrünnigen, die vor wenigen Monaten eine europäische „Super League“ ausriefen, mit finanziellen Rahmenbedingungen, die alle Sorgen auf einmal gelöst hätten. Die englischen Klubs sind – fürs Erste – abgesprungen, weil ihre Fans energisch protestierten. Juve, Real und Barça träumen weiter offenherzig von dem neuen Goldesel und machen keine Hehl daraus, dass sie die Zukunft des europäischen Spitzenfußballs nicht im Rahmen der Europäischen Fußball-Union (Uefa) und ihren Wettbewerben sehen.

Perversität des Sports

Dieser Kampf ist nicht vorbei. Juventus-Präsident Andrea Agnelli gilt als wichtigster Initiator der Super League, seine Freundschaft mit Uefa-Boss Aleksander Ceferin hat er darob sehenden Auges zu Bruch gehen lassen. Der Leidensdruck dieses Geschäftsmannes, einem System zu entkommen, das keine Garantien gibt, muss groß sein. Die sportlichen Sorgen bestätigen ihn: Sollte Juventus tatsächlich den Einzug in die Champions League verpassen, wäre das die nächste finanzielle Katastrophe.

Am Ende ist es gerade das Schöne am Sport, das einen wie Agnelli so ärgert: die Unwägbarkeiten des Wettkampfes. Das ist die Krux, die den Sport als gigantisches Geschäftsfeld pervertieren. Denn ob die Zahlen stimmen, hängt wesentlich davon ab, ob ein Mensch den Ball ins Tor schießt. Oder ins All, zu Yuri Gagarin.

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