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Trainierte fleißig für die Rückkehr: Torwart Ralf Fährmann.

Eintracht Frankfurt - Schalke 04

Der alte Bekannte

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Ralf Fährmann kehrt ins königsblaue Tor zurück.

Es war ein nebliger Tag Anfang Juli, als die Profis des FC Schalke 04 auf der China-Reise den ausdrücklichen Wunsch nach einem freien Tag vortrugen. Die Fußballer wollten im Reich der Mitte sich endlich einmal in der näheren Umgebung umsehen, und neben Stadtbummel und einem gemeinsamen Essen blieb die Zeit für einen Besuch an der Chinesischen Mauer. Damals sind eine Reihe von Fotos entstanden, die im Rückblick ein bisschen ulkig erscheinen. Etwa der Schnappschuss, auf dem Ralf Fährmann zwischen den alten Steinen den Kopf rausstreckt. 
Der Keeper und Kapitän an der einst mal als unüberwindbar geltenden Mauer – das ergab das passende Synonym für den Revierklub, der ja vor allem deshalb Vizemeister in der Vorsaison geworden war, weil die Abwehr so gut stand. Dass im Angriff dagegen oft Flaute herrschte, nahmen die Königsblauen – allen voran Trainer Domenico Tedesco – in Kauf. 

Aber Fährmann, längst so etwas wie das Gesicht dieses Klubs, ahnte damals schon, wie schwierig es werden könnte. „Wir hoffen, dass wir unseren erfolgreichen Weg fortsetzen können. Das heißt jedoch nicht, dass jeden Tag für uns die Sonne scheint. Es werden auch Rückschläge kommen.“ Der in Chemnitz aufgewachsene und ausgebildete Torhüter hat im Rückblick eine fast weise Vorhersage ausgesprochen. Denn sowohl für seinen Herzensverein als für seinen Schlussmann hätte diese Spielzeit nicht schmerzlicher anlaufen können. Erst schlidderte ganz Schalke in eine Schaffenskrise, die auch vor Diskussionen um die richtige Ausrichtung Tedescos nicht Halt machte.

Dann verletzte sich der 30 Jahre alte Rückhalt an den Adduktoren. Seit der Länderspielpause im Oktober hatte Alexander Nübel das Tor gehütet – und außer der Niederlage gegen Werder Bremen (0:2) am 20. Oktober nicht mehr verloren. Nur zwei Gegentore kassierte der acht Jahre jüngere Vertreter danach noch in fünf Begegnungen, muss aber wieder am Sonntag im Frankfurter Stadtwald den Platz unter der Latte räumen. Überraschend früh verriet Tedesco nach dem 2:0-Heimerfolg in der Champions League gegen Galatasaray Istanbul, dass gegen die Eintracht der Platzhirsch ins Tor zurückkehrt – auch wenn er von Nübel sehr gut vertreten wurde. 
„Er hat das tipptopp gemacht“, lobte der Cheftrainer, „aber Ralle ist unsere Nummer eins und Kapitän. Er wird spielen. Das ist klar kommuniziert.“ Der U21-Nationaltorwart nimmt die Entscheidung klaglos hin: „Klar, jeder Spieler ist traurig, wenn er auf der Bank sitzt. Aber wenn Ralf fit ist, stelle ich mich hinten an.“

Schalker Identifikationsfigur

Fährmann ist eben in Gelsenkirchen nicht irgendwer. Keiner hat im königsblauen Kader einen so hohen Identifikationsfigur wie diese authentische Figur. Keiner redet so gut Klartext. Keiner kommt bei den Fans so gut an. Fährmann hat sein erstes Profispiel für den FC Schalke 04 im September 2008 absolviert. Seinem Jugendverein ist er bis auf den zweijährigen Abstecher nach Frankfurt von 2009 bis 2011 immer treu geblieben.

Die Eintracht-Zeit war nicht einfach für ihn. Die erste Saison bestritt er nur drei Bundesligaspiele, bedingt durch eine erneute schwere Knieverletzung, nachdem der Schlaks schon in der Jugendzeit einen Kreuzbandriss erlitten hatten. Trainer Michael Skibbe sah damals keinen Anlass, den ewigen Oka Nikolov herauszunehmen. Fährmann kam erstmals am zweiten Spieltag im Auswärtsspiel in Leverkusen zum Einsatz und kassierte prompt vier Gegentore. Dann war es vorbei. Erst an den letzten beiden Spieltagen durfte der Ballfänger mal wieder Dienst vor großem Publikum tun.

Er lernte mit der Ersatzrolle hinter einem Routinier umzugehen. Die zweite Spielzeit verlief noch turbulenter. Erst hatte wieder Nikolov die Nase vorne, dann setzte in der „Rückrunde der Schande“ (Eintracht-Präsident Peter Fischer) die Talfahrt ein – und Christoph Daum kam. Der Torwartwechsel war eine von Daums Maßnahmen, und am Ende hatte Fährmann immerhin 15 Einsätze auf dem Konto. Aber er war auch mit der Eintracht abgestiegen.

Die FR schrieb ihm damals ins Abschlusszeugnis: „Verlor einige Spiele (gegen Stuttgart, in Schalke, in Hoffenheim) ganz alleine. Stabilisierte sich aber, als er mehr Spielpraxis bekam. Zeigte zuletzt fast schon herausragende Leistungen. Die Eintracht will ihm ein Angebot für die zweite Liga machen. Aber es ist zweifelhaft, dass er es annehmen wird.“ Genauso kam es. 

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