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Almuth Schult, deutsche Torhüterin, kassierte im Turnierverlauf nur zwei Gegentore, beide gegen Schweden.

Almuth Schult

„Ich habe nicht mit Urlaub gerechnet“

Die deutsche Torhüterin Almuth Schult will trotz des frühen Ausscheidens „jetzt nicht alles kaputtreden“

Almuth Schult, das erste Gegentor im WM-Turnier war beinahe gleichbedeutend mit dem Ausscheiden. Wie haben Sie das erlebt?
Es darf uns nicht passieren, dass wir uns von einem Tor das ganze Spiel kaputt machen lassen. Das ist meine Quintessenz. Ich bin an dem Ball noch dran. Wenn ich ihn halte, läuft das Spiel wahrscheinlich komplett anders. Wir hatten es vorher genauso analysiert, dass Schweden schnelle, abschlussstarke Spielerinnen hat. Die Probleme mit langen Bällen hatten wir nicht das erste Mal.

Es hat sehr viele Umstellungen gegeben. Kapitänin Alexandra Popp spielte zum Beispiel im defensiven Mittelfeld. Waren das zu viele Änderungen?
Das kann man auslegen, wie man möchte. Vorher hat man gesagt, dass uns die Rotation stark macht, damit wir auch im Turnierverlauf etwas zum Positiven ändern können. Es darauf zu schieben, ist Blödsinn. Wir haben Spielerinnen auf der Bank, die im Training ihre Leistungen gezeigt haben. Dass unser Matchplan nicht aufging, lag nicht an den Umstellungen.

Sie haben vor der WM vehement für mehr Respekt und Anerkennung geworben. Wird dieses Ziel nicht jetzt verfehlt, wenn Deutschland nicht im Halbfinale mitspielt?
Das ist unglaublich. Es ist nicht nur das, sondern ein ganzer Rattenschwanz hängt da dran. Wir hätten zwei Spiele gehabt, mit denen wir ganz viel Aufmerksamkeit generiert hätten. Hier in Frankreich haben wir viele Emotionen, viele Zuschauer in den Stadien erlebt – und es war guter Fußball zu sehen. Und es ist ein großer Minuspunkt, dass wir den deutschen Frauenfußball nicht bei den Olympischen Spielen vertreten und nicht unseren Titel verteidigen können. Das ist wirklich traurig und enttäuschend.

Wie schwierig fällt jetzt die Weiterentwicklung für die Nationalmannschaft?
In den vergangenen Qualifikationsspielen war es schon immer so, dass man nur einen starken Gegner hatte. Das ist im Männerfußball nichts anderes, wenn die Nationalmannschaft gegen Estland oder San Marino spielt. Wir haben immerhin noch unsere Testspiele, und wenn wir im Herbst ein Freundschaftsspiel in Wembley gegen England bestreiten, haben wir ja schon mal ein tolles Spiel vor uns. Und vielleicht spielen wir im Winter auch wieder ein großes Turnier.

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Hat Deutschland den Anschluss an die Weltspitze verpasst?
Wir hatten keinen einfachen Weg in den letzten Jahren, mit einigen Trainerwechseln. Aber wir haben eine große Begeisterung gezeigt in vier Spielen. Wir haben schon oft genug gezeigt mit dieser Mannschaft, dass wir oben in der Weltspitze mitspielen können. Man sollte jetzt nicht alles kaputtreden. Es war ja nicht alles schlecht.

Was machen Sie jetzt?
Ich habe nicht mit Urlaub gerechnet und jetzt stehe ich hier und muss irgendwie meine Zeit nutzen, entweder zum Abschalten oder für irgendwas anderes.

Aufgezeichnet von Frank Hellmann

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