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Flugschule mit Almuth Schult.

2:2 gegen Japan

Doppelter Aussetzer

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Zwei krasse Patzer von Torhüterin Almuth Schult trüben das Heimdebüt der Bundestrainerin.

Es gehört zu den besonderen Merkmalen von Almuth Schult, auch nach niederschmetternden Erlebnissen nicht dreinzublicken wie sieben Tage Regenwetter. Gar ein kurzes Lächeln umgab die Mundwinkel der Torhüterin, als die tragische Figur beim 2:2 (0:1)-Remis der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen Japan sich in der Paderborner Arena für ein Statement stellte. „Natürlich ärgert mich das: Beim ersten Gegentor haue ich mir den Ball ans Standbein, beim zweiten wollte ich Lena Goeßling anspielen. Beides waren technische Fehler. Das ist das Los des Torwarts“, konstatierte die Torfrau des VfL Wolfsburg, die sich in Ostwestfalen mal wieder angreifbar gemacht hatte.

Wie sie dem Vizeweltmeister die beiden Treffer durch Yui Hasegawa (35.) und Kumi Yokoyama (69.) auf dem Silbertablett servierte, wirkte an diesem sonnigen wie kühlen Nachmittag skurril. Der doppelte Aussetzer überlagerte sogar das nur teilweise gelungene Heimdebüt der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. „Für mich war das einfach ein negatives Spiel, aber ich werde meine Spielweise nicht ändern; ich war ja nicht die Einzige, die einen Fehlpass gespielt hat“, sagte Schult fast trotzig.

Gleichwohl: Solche Kapriolen sorgen immer für aufgeregte Debatten, zumal die kapitalen Blackouts eben auch die deutliche Leistungssteigerung der im zweiten Durchgang viel mutigeren DFB-Frauen überlagerten, die ihr Chancenplus mit Kopfballtoren von Alexandra Popp (53.) und Svenja Huth (73.) nur unzureichend belohnten. Kapitänin Popp nahm ihre bisweilen gerne mit dem Feuer spielende Vereinskameradin explizit in Schutz: „Ich habe erste Halbzeit katastrophal gespielt und keinen Ball festgemacht. Bei einem Torhüter sind solche Fehler gleich die Bittersten.“

Viele der 4804 Zuschauer bedachten am Ende jeden Rückpass mit einem leichten Raunen – aus Furcht, dass die 28-Jährige noch einmal einen fatalen Pass anbringen würde. Nachdem die 57-fache Nationaltorhüterin, die nach der WM 2015 das Erbe von Nadine Angerer antrat, bereits auf Vereinsebene in der Champions League gegen Olympique Lyon folgenschwer danebengriff, stand nun die Frage im Raum, ob da eine um ihren Status als Nummer eins bangen muss. „Wir wissen, dass Almuth physisch noch nicht voll auf der Höhe ist“, sagte Voss-Tecklenburg. Einerseits sei Schult eben „eine Perfektionistin, aber sie muss lernen, dass manchmal die einfache Lösung besser ist“. Die Torfrau brauche nun vor allem „Sicherheit und Vertrauen“, gleichwohl gelte „immer und überall auf jeder Position“ auch das Leistungsprinzip.

Dennoch ist die Trainerin eigentlich nicht gewillt, vor der WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) plötzlich große Baustelle aufzumachen. Merle Frohms vom SC Freiburg, erste Vertreterin in der Torwart-Hierarchie, habe zwar auch schon „herausragende Länderspiele“ gemacht – etwa gegen Spanien (0:0) und beim Jahresauftakt in Frankreich (1:0) – , aber die 24-Jährige müsse auch noch lernen. Eigentlich liegt es an dem Charakterkopf aus Dannenberg, die Debatte rasch zu ersticken, wie die Bundestrainerin beteuerte: „Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass sie die Fehlerminimierung mit dem Fuß hinbekommt – dann ist alles in Ordnung.“

16 Kandidatinnen im Kopf

Ansonsten würde der Reformprozess unter der 51-Jährigen auch noch die Torwart-Besetzung erfassen. Insofern bekommt das DFB-Pokalfinale zwischen dem VfL Wolfsburg und SC Freiburg mit den Protagonisten Schult und Frohms zwischen den Pfosten am 1. Mai in Köln eine besondere Brisanz. 13 Tage später wird im 49. Stock eines Frankfurter Bankenhochhauses der 23-köpfige WM-Kader bekanntgegeben. Voss-Tecklenburg hat 16 Kandidatinnen zwar nach eigenem Bekunden fest im Kopf, will aber die Darbietungen in Champions League, Pokal und Bundesliga „genau beobachten“. Hörte sich klar danach an: Allzu krasse Aussetzer wie Almuth Schult sollte sich am besten niemand mehr leisten.

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