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Almuth macht erfinderisch

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Von: Frank Hellmann

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Mir nach! Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg geht mit Lust und Laune ins Fußballjahr 2022.
Mir nach! Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg geht mit Lust und Laune ins Fußballjahr 2022. © imago images/regios24

Torhüterin Schult soll bei der Fußball-EM der Frauen auch als Input-Geberin für Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg fungieren

Wertschätzung kann es in einem wegweisenden Jahr für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft gar nicht genug geben. Martina Voss-Tecklenburg freut sich zudem über jeden anregenden Austausch, der ihr im Deutschen Fußball-Bund (DFB) vermittelt wird. Wenn die Bundestrainerin nun ihren Kader für ein hochkarätig besetztes Einladungsturnier in England in einem Frankfurter Flughafenhotel versammelt, kommen am Montag auch Bundestrainerin Hansi Flick und Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff dazu – ein gemeinsames Mittagessen ist überdies geplant.

Voss-Tecklenburg hofft, dass beide Nationalteams „nochmal ein Stück mehr zusammenrücken.“ Dafür bietet sich das Turnierjahr 2022 ja auch an: Bevor die Männer ihre umstrittene WM in Katar im Winter bestreiten, gehört den Frauen mit der verlegten EM in England der Sommer. Die deutschen Fußballerinnen werden ihre EM-Vorbereitung in zwei Abschnitten im Juni in jenem „Home Ground“ des Verbandsausrüsters Adidas in Herzogenaurach abhalten, den auch die Männer für ihre Länderspiele der Nations League im selben Monat beziehen. Ihr Basisquartier schlagen die DFB-Frauen dann im Westen von London im Stadtteil Brentford auf, „wir haben nicht Prio eins, aber Prio zwei bekommen“, verriet die Bundestrainerin.

Vorerst aber geht der Fokus auf den sogenannten Arnold Clark Cup, der in Middlesbrough, Norwich und Wolverhampton ausgetragen wird: Spanien ist nicht nur erster Gegner beim Vier-Nationen-Turnier (17. Februar), sondern auch Vorrundenkontrahent bei der EM. Das mit dem Champions-League-Sieger FC Barcelona fast deckungsgleiche Ensemble nennt Voss-Tecklenburg „das kompletteste Team der Welt“, Kanada (20. Februar) ist der Olympiasieger und England (23. Februar) immer ein Gradmesser. Bestens für die 54-Jährigen, die wegen der kaum aussagenkräftigen Qualifikationsspiele über das wahre Leistungsvermögen ihres Teams immer noch ein bisschen im Dunklen tappt. „Uns wird jetzt alles abverlangt – das brauchen wir.“

Sorgen um Leupolz

Nicht dabei sind Kapitänin Alexandra Popp (Knorpelschaden), Abwehrchefin Marina Hegering (Knieprobleme) und Spielmacherin Dzsenifer Marozsan (Muskelverletzung). Mittelfeldspielerin Melanie Leupolz machen neuerdings Long-Covid-Folgen zu schaffe. „Das ist schon eine sensible Geschichte“, sagte Voss-Tecklenburg, die überdies bestätigte, dass eine Nationalspielerin nicht geimpft sei – dies hätte aber allein medizinische Gründe.

Bestens ist die Personallage auf der Torwartposition, wo demnächst eine Entscheidung über die Nummer eins für die EM-Endrunde ansteht. Dass sich die Torhüterinnen Merle Frohms, Almuth Schult und Ann-Katrin Berger die drei Testpartien teilen, liegt aus verschiedenen Gründen auf der Hand – wird nur so von Voss-Tecklenburg („möchte ich erst intern besprechen“) noch nicht bestätigt. Zwar bleibt Frohms von Eintracht Frankfurt vorerst in der Pole Position, doch hielt die Trainerin auch ein Plädoyer pro Schult. Die Almuth sei nun einmal die Almuth: eine meinungsstarke Persönlichkeit. Und: „Wir wissen, dass sie ein Weltklassetorhüterin ist. Von ihren Erfahrungen kann jeder einzelne profitieren. Sie ergreift die Initiative.“ Und wenn es um mannschaftstaktische Dinge gehe, sei die Fernsehexpertin ohnehin allen anderen voraus.

In der digitalen Medienrunde fielen etliche Argumente, warum die 30-Jährige unbedingt bei der EM dabei sein soll: „Sie ist eine Input-Geberin.“ Die Bundestrainerin war vorab auch in Schults Entschluss eingeweiht, ihren Vertrag beim VfL Wolfsburg nicht zu verlängern. Voss-Tecklenburg sprach vom verständlichen Wunsch, „eine sportliche Veränderung“ anzustreben – ein Wechsel in die USA wird somit immer wahrscheinlicher. Sollte Schult nun die kommenden Tage im DFB-Dress zum Einsatz kommen, würde die 64-fache Nationaltorhüterin ihr erstes Länderspiel nach dem verlorenen WM-Viertelfinale 2019 gegen Schweden bestreiten. Und wäre überdies erst die zweite Nationalspielerin, die nach einer Babypause in der DFB-Auswahl zurückkommt. Die erste war Voss-Tecklenburg selbst.

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