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Ins ECA-Topgremium kommen nahezu nur Vertreter von Topklubs.

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Almosen für die Kleinen

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In dieser Woche treffen sich die mächtigsten Männer des europäischen Klubfußballs. Was sie aushecken, gefällt vor allem den nationalen Ligen überhaupt nicht. Ein Kommentar.

Nicht nur der Generalsekretär der sogenannten European Leagues, Georg Pangl, sorgt sich mächtig. Der Österreicher vertritt einen Verbund von 36 Profiligen, inklusive der Bundesliga, und sagt: „Die Entwicklung im internationalen Fußball ist gefährlich, aus Ligasicht wird einem angst und bange.“ Das sieht der deutsche Kollege Christian Seifert ganz ähnlich, und entsprechend bang blicken die beiden bedeutenden Protagonisten der nationalen Ligalobby in diesen Tagen Richtung Genf, wo im feinen Hotel President Wilson noch viel mächtigere Männer tagen: Die europäische Klubvereinigung ECA hat sich zu einem Big Player im boomenden Fußballmarkt entwickelt, in dem die Topklubs deutlich den Ton angeben.

Unter größter Mühe ist es unter Führung von Seifert in diesem Sommer gelungen, die Großgrundbesitzerpläne der ECA herunterzudimmen. Danach soll in einer Art „Closed Shop“ der Großteil der Champions-League-Teilnehmer unabhängig von der Platzierung in der eigenen Liga automatisch immer für die Königsklasse qualifiziert sein, statt vier sollten acht Klubs pro Gruppe ihre Vorrunde austragen, um noch mehr Spiele vermarkten zu können. Es wäre der nächste Zwischenschritt hin zu einer kompletten europäischen Topspielklasse.

Im Schnitt rund 60 Millionen Euro für CL-Teilnehmer

Schon jetzt schüttet die Uefa rund zwei Milliarden Euro an die 32 Teilnehmer der Champions League (CL) aus, fast viermal so viel wie an die 48 Klubs der Europa League (EL). Der riesengroße Rest - rund 700 Klubs, die sich nicht für Europa qualifizieren konnten – bekommen aus diesen Kassen nur Almosen, nämlich 130 Millionen Euro. Macht im Schnitt rund 60 Millionen Euro für CL-Teilnehmer pro Spieljahr, zwölf Millionen für die EL-Starter und 185 000 Euro für die Masse der Gnomenklubs, die so zunehmend noch mehr verzwergten. Mit der Einführung der Europa League 2 will die Uefa ein wenig gegensteuern und den kleinen Verbänden ein bisschen Muskelkraft schenken. Nette Sache, immerhin.

Für die Bundesliga wollen am heutigen Dienstag neben dem gesetzten Bayern-Vertreter Michael Gerlinger auch Hans-Joachim Watzke (Dortmund) und Fernando Carro (Leverkusen) in die Regierung der ECA. Nur einer wird durchkommen. Watzke soll über die Bewerbung des ehrgeizigen Leverkuseners alles andere als begeistert sein. Aber wie dem auch sei: Ins ECA-Topgremium kommen nahezu nur Vertreter von Topklubs. Damit klar ist, wo die Musik spielt und vor allem: wer sie komponiert.

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