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Schwer am Grübeln dieser Tage: Rouven Schröder, Manager von Mainz 05.

Mainz-Manager Rouven Schröder

Alltag eines Krisenmanagers

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Der Mainzer Sportdirektor weiß um die neue Verletzlichkeit des Profifußballs durch die Corona-Krise: „Es geht ans Eingemachte“.

Rouven Schröder telefoniert sich dieser Tage die Ohren wund. Oder er skypt, oder er ist im Kommunikationstool „Teams“ unterwegs, oder er sitzt im ZDF-Sportstudio, oder er gibt dem SWR ein ausführliches Podcast-Interview. Kommunikation ist verdammt wichtig gerade. Dem Sportvorstand von Mainz 05 geht es da nicht anders als den Kollegen in der Corona-Krise. Gerade hat der 44-Jährige wieder eine dreistündige Telefonkonferenz hinter sich gebracht. Schwierige Zeiten. „Die Tage sind voll.“ Schröder arbeitet von zu Hause aus. „Es ist eine Extremsituation für uns alle in der Gesellschaft, natürlich auch für die Spieler.“

Schröder ist ein empathischer Mann, er spürt, dass jeder eine persönliche Ansprache benötigt. Gerade diejenigen ausländischen Profis, die gerade allein in ihren Wohnungen ausharren sollen. Nicht jeder kann mit dieser notwendigen Einsamkeit so gut umgehen. „Unsere Spieler ticken da, wie alle Menschen, auch sehr unterschiedlich. Bei manchen Spielern, insbesondere bei jenen ohne Familienanschluss in Mainz, halten wir einen engeren Draht, bei denen ruft vor allen Dingen der Trainer dann eben einmal mehr an“, sagt Schröder.

Nach wie vor gilt bei den Nullfünfern die Vorgabe, dass die Spieler sich im Raum Mainz aufhalten sollen, so schwer das manchem auch fallen mag, so groß die Sehnsucht nach der Familie auch sein mag. Aber die Gefahr, sich bei einer Heimreise womöglich anzustecken oder gar auf dem Rückweg an geschlossenen Grenzen hängenzubleiben, ist derzeit schlicht zu hoch.

Schröder ist mit dem Frankfurter Kollegen Fredi Bobic, dem Mönchengladbacher Max Eberl und noch ein paar anderen Mitglied in der Kommission Profifußball der Deutschen Fußball Liga (DFL). Er weiß deshalb, wohin die Überlegungen gerade gehen und was die Topmanager erwarten – und vor allem, was sie befürchten: „Wenn die Tranchen vom Fernsehen nicht kommen, haben es 80 bis 90 Prozent der Klubs ganz, ganz schwer zu überleben.“ Damit das nicht passiert, soll im Mai möglichst wieder gespielt werden. „Ein Fußballspiel ohne Zuschauer ist ein Schritt zurück in die Normalität“, glaubt Schröder, „das erste Bundesligaspiel unter diesen Bedingungen würde wie ein WM-Finale geguckt.“ Dazu müsste es allerdings vom Pay-TV ins Free-TV verschoben werden, was durchaus nicht unmöglich ist: Brot und Geisterspiele.

Die Blase platzt gerade

Die DFL werkelt gerade fleißig an Konzepten und baut darauf, dass die Behörden eines nicht allzu fernen Tages im Mai Profifußballsport als Berufsausübung interpretieren, um, so die DFL, „Spiele auch ohne Stadionzuschauer und mit einem Minimaleinsatz von Arbeitskräften durchzuführen“. Denn „anders als im Amateur- und Breitensport oder bei sonstigen Freizeitveranstaltungen wäre dann nur Personal im Stadion, das an diesem Arbeitsplatz einer Erwerbstätigkeit nachgeht“. Das ist die Strategie.

Schröder hat viel nachgedacht in den vergangenen Wochen. „Die Wahrnehmung war doch so: ,Dem Fußball kann niemand etwas anhaben. Der geht durch alle Krisen. Der macht immer weiter. Jetzt erfahren wir allzu deutlich: Der Fußball macht überhaupt nicht mal ebenso immer weiter.“

Die Blase ist dabei zu platzen. Mit dieser neuen Verletzlichkeit müssen sie alle miteinander erst lernen umzugehen, auch die Berater, von denen manche noch gar nicht kapiert haben, was kommen wird. „Die Marktwerte werden runtergehen, die Transferausgaben und Gehälter werden neu justiert. Es geht ans Eingemachte.“

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