Hawk-Eye

Allsehendes Auge ohne Durchblick

England diskutiert über Torlinientechnik.

Sieben Kameras, mehr als 9000 Spiele ohne Problem – das Hawk-Eye, mit dem in der englischen Premier League bereits seit 2013 überprüft wird, ob ein Ball die Torlinie mit vollem Durchmesser überquert hat oder nicht, arbeitete so zuverlässig, dass es keine Diskussionen gab. Bis jetzt.

Beim Restart der Premier League am Mittwochabend verlor das Hawk-Eye den Durchblick. Kurz vor der Halbzeitpause des Spiels bei Aston Villa schlug Ollie Norwood von Sheffield United einen Freistoß in den Strafraum. Der Ball wurde von Torhüter Örjan Nyland auch gefangen. Dann allerdings stolperte Nyland mit dem Ball in den Händen ins Tor und klemmte ihn am linken Pfosten ein – komplett von hinten, wie alle glaubten.

Zur allgemeinen Verblüffung ließ Schiedsrichter Michael Oliver das Spiel aber weiterlaufen. Seine Armbanduhr hatte ihm kein Signal gegeben – also: kein Tor. Auch der in England im Grunde verhasste Videoassistent habe daher nicht eingreifen können, erläuterte die Vereinigung der englischen Schiedsrichter.

Die Firma Hawk-Eye veröffentlichte eine wortreiche Entschuldigung. „Die sieben Kameras, die sich auf den Tribünen rund um den Torraum befanden, wurden durch den Torwart, den Verteidiger und den Torpfosten erheblich verdeckt“, schrieb sie und fügte hinzu: In über 9000 Spielen sei das noch nie zuvor geschehen.

Das Spiel endete übrigens 0:0, Sheffield United wäre mit einem Sieg auf Rang fünf geklettert und damit mitten hineingeplatzt in den Kampf um die Plätze für die Champions League. Der fassungslose United-Teammanager Chris Wilder erklärte: „Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.“ (sid)

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