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Alles picobello

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Von: Frank Hellmann

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Hatz allen Grund, stolz auf Japan zu sein: Ritsu Doan. Foto: AFP
Hatz allen Grund, stolz auf Japan zu sein: Ritsu Doan. Foto: AFP © AFP

Japan glänzt mit vorbildlichem Verhalten - das soll im Achtelfinale nun Vizeweltmeister Kroatien spüren.

Mit respektvollem Verhalten ist es bei dieser WM so eine Sache. Die einen reden viel davon und setzen es dann nicht um. Deutschland womöglich? Die anderen sprechen fast nie darüber, gehen aber vorbildlich voran. Japan vielleicht? Der Weltverband Fifa, dem natürlich sehr dran gelegen ist, ein klinisch reines Bild von diesem umstrittenen Turnier zu erzeugen, hat kürzlich über seinen Twitter-Kanal das Bild verbreitet, wie die japanische Kabine im Khalifa International Stadium nach dem Sieg gegen Spanien aussah.

Der Boden besenrein gefegt, die Leibchen gefaltet, die Flaschen aufgereiht. Alles picobello sauber. Dazu passt, dass auch japanische Fans sich oftmals noch als Reinigungskolonne verdingen, obwohl es an freiwilligen Helfern in den Stadien wirklich nicht fehlt. Was zeigt, dass bei den „blauen Samurai“ beides geht: erfolgreich Fußball spielen und gute Botschafter ihres Landes sein. Alterspräsident Yuto Nagatomo mit seinen 36 Lenzen ist der festen Überzeugung, dass gerade „die beste Generation aller Zeiten“ in Katar vorspielt. Gut erzogen dazu.

„Keine Freunde“

Die Stoßrichtung der Wüsten-Mission war vom ersten Tag klar formuliert. Erstmals in der Geschichte des japanischen Fußballs ein WM-Viertelfinale zu erreichen. Einen Schritt noch sind Daichi Kamada und seine Kollegen vor dem Achtelfinale gegen Kroatien (Montag 16 Uhr/ ZDF) davon entfernt. Es ist aber nicht der bei Eintracht Frankfurt bis zur WM-Pause in Topform auftrumpfende Techniker, der die gewinnbringenden Akzente gesetzt hat. Noch ringt der 26-Jährige um jenen Einfluss aufs Spiel, den bislang Ritsu Doan auf Knopfdruck nach einer Einwechslung ausübt.

Der Joker drehte mit seinen Ausgleichstreffern die Partien gegen Deutschland und Spanien (jewweils 2:1). Der 24-Jährige brachte sofort viel Energie aufs Feld, wobei Nationaltrainer Hajime Moriyasu jeweils taktische Korrekturen vornahm, die erst Hansi Flick dann auch Luis Enrique überrumpelten. Vor der Herausforderung gegen den Vizeweltmeister Kroatien kommt der 54-Jährige allmählich aus der Deckung: „Wir sind zuversichtlich, dass der asiatische und der japanische Fußball die Topteams der Welt schlagen kann.“ Eigentlich schien seine Auswahl schon 2018 so weit, doch trotz einer 2:0-Führung der Japaner drehte Belgien ein dramatisches Achtelfinale. „Aus unserer Sicht hätten wir es schon 2018 verdient gehabt, ins Viertelfinale einzuziehen“, findet Moriyasu.

Nun hat er für ein Comeback selbst ein Element in der Hinterhand, dass ein Blatt schnell wenden kann. Doan ist in der Stadt Amagasaki westlich von Osaka aufgewachsen, seine älteren Brüdern schleppten ihn zum Fußball. Später ausgebildet bei Gamba Osaka wurde der Offensivallrounder bester Jugendspieler Asiens 2016 und auffällige Figur bei der U20-WM 2017. Als ihn die Fifa nach drei Toren den „japanischen Messi“ taufte, schauten Scouts aus Europa genauer hin.

Doan ging 2017 zum FC Groningen, dann zum PSV Eindhoven, die ihn 2020/2021 für ein Jahr an Arminia Bielefeld ausliehen, wo er entscheidend zum Klassenerhalt beitrug. Roger Schmidt beorderte ihn zurück nach Eindhoven, ehe der SC Freiburg diesen Sommer zugriff. Bei der WM fallen seine Unbekümmertheit und sein Optimismus auf. „Wir haben sehr viele gute Spieler und sehr viel Potenzial, um weit zu kommen“, sagte der WM-Debütant Doan vor dem Auftaktspiel gegen Deutschland.

Damals kündigte er grinsend an, dass seine Freiburger Nationalspieler Matthias Ginter und Christian Günter bis zum neuen Jahr „keine Freunde“ mehr sein würden. Da konnte er ja nicht wissen, länger im Turnier zu bleiben als die Klubkollegen.

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