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Einst im Bremer Trikot: Ivan Klasnic jubelt im Mai 2008 über sein Tor zum 4:0 im Spiel gegen Hannover 96.
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Einst im Bremer Trikot: Ivan Klasnic jubelt im Mai 2008 über sein Tor zum 4:0 im Spiel gegen Hannover 96.

Medikamentenmissbrauch im Sport

Mit allen Mitteln

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der Fall Ivan Klasnic ist nur ein besonders tragisches Beispiel für den stark gesundheitsgefährdenden Umgang mit Schmerzmitteln im Sport. Ein Kommentar.

Bundesliga, Champions League und Europa League, dazu der DFB-Pokal: Mit dem anstehenden Wochenende wird die heiße Phase im Profifußball eingeläutet. Die Entscheidungen nahen, und schon jetzt heißt es oft, es würden nur noch Endspiele stattfinden. Was eigentlich grober Unfug ist. Aber der Druck steigt von Woche zu Woche. Und damit auch die Versuchung für jeden Einzelnen, sich mit allen Mitteln spielfähig zu machen. Und sei es mit Schmerzmitteln.

Dass diese Praxis weit verbreitet ist, dafür gibt es zahllose Beispiele. Nur die Wenigsten reden so offen darüber wie Laszlo Sepsi, der Linksverteidiger des 1. FC Nürnberg, der im Mai 2016 keinesfalls die Relegationsspiele gegen Eintracht Frankfurt verpassen wollte. Der Rumäne war vorher umgeknickt, hatte sich die Bänder im Sprunggelenk lädiert, aber kein Problem. Er hat einfach Ibuprofen geschluckt, ein gängiges Schmerzmittel. Tag für Tag, Woche für Woche. Über den Sommer hinaus. Ein halbes Jahr ging das gut, dann streikte der Fuß. Bei einer Operation in Regensburg wurden kürzlich freie Gelenkkörper entfernt. Zwangspause: zwei Monate. Oder mehr. Sepsi, 29, hat über die Vergangenheit und die Unterdrückung der Schmerzen nur gesprochen, weil ihn der Boulevard im Frankenland mal „Seuchen“-Sepsi nannte.

Aber die Reporter konnten ja nicht wissen, dass der „Club“ ständig einen halb betäubten Akteur auf den Rasen geschickt hatte. Ist halt nicht so schick, zu kommunizieren, was leider weltweiter Standard ist. Schon bei der WM 2010 ergab eine Studie des Weltverbands Fifa, dass 60 Prozent aller Spieler regelmäßig zur Tablette greifen. Und Experten gehen davon aus, dass diese Zahl bis heute gewiss nicht abgenommen hat.

Auch Nicht-Sportler ignorieren ja fast immer die schwer lesbaren Beipackzettel, die bei Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac auf die Risiken und Nebenwirkungen verweisen. Diese Mittel können im wahrsten Sinne des Wortes an die Nieren gehen, wenn sie über einen längeren Zeitraum in höherer Dosierung eingenommen werden. Profis und Amateure blenden das mit dem Verweis aus, sie wollten unbedingt spielen.

Dass sie einen Missbrauch betreiben, bei dem sie mit der eigenen Gesundheit spielen, wollen die meisten nicht hören. Selbst wenn es nur um die Ehre geht. Beim Profifußball zählt dann noch das viele Geld. Und doch sollen Sepsi und Co. fast Waisenknaben sein, was das Schlucken von Schmerzmitteln angeht. Im Handball und Eishockey ist alles noch viel schlimmer. Was das Ganze nicht besser macht.

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