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In Gedanken bei Christian Eriksen: Ein Fan hält das Trikot des Dänen hoch.
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In Gedanken bei Christian Eriksen: Ein Fan hält das Trikot des Dänen hoch.

Eriksen ringt mit dem Tod

Nach dem Kollaps von Christian Eriksen: Weiterspielen oder nicht? Es gibt keine einfache Antwort

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Der dänische Spieler Christian Eriksen ringt mit dem Tod, doch das Spiel wird später fortgesetzt: Richtig oder falsch? In solch einer Extremsituation gibt es keine einfache Antwort. Ein Kommentar.

Dass jetzt, ein paar Stunden nach der Tragöde von Kopenhagen, darüber diskutiert werden kann, ob es richtig oder falsch war, das EM-Spiel zwischen Dänemark und Finnland wieder anzupfeifen, ist ja im Kern die schönste Nachricht. Sie bedeutet: Christian Eriksen lebt, es geht ihm, der am Samstagnachmittag während der Partie kollabierte und durch Herzdruckmassagen „zurückgeholt“ werden musste, wie der dänische Mannschaftsarzt sagte, den Umständen entsprechend gut, sein Zustand sei stabil, er habe sogar gesprochen und getwittert, die Kollegen beruhigt. Hätte das Drama kein glückliches Ende genommen, hätte man ganz andere Dinge erörtern müssen, den Abbruch des Turniers beispielsweise.

Die Katastrophe, der GAU, ist nicht eingetreten, nun lässt sich akademisch streiten, ob dieses - längst irrelevant gewordene - Spiel tatsächlich fortgeführt hätte werden müssen. Vertretbare Sichtweisen führen beide Seiten ins Feld: Die Spieler, so heißt es, hätten sich dafür ausgesprochen, sie „wollten es hinter sich bringen“, wie Dänemarks Trainer Hjulmand sagte, auch weil sie via Facetime mit Eriksen Kontakt hatten. Es war der Wunsch der Akteure, dänischer wie finnischer. Druck seitens der Uefa sei keiner ausgeübt worden. Einerseits.

Nach dem Kollaps von Christian Eriksen: Hätte die Uefa die Partie abbrechen müssen?

Anderseits: Hätte es nicht angesichts der Monströsität der Ereignisse eines vernünftigen Sachwalters bedurft, einer Autorität, die bar eines angespannten Nervenkostüms eine Entscheidung trifft? Hätte also die Uefa als Organisator nicht eingreifen und die Partie abbrechen müssen? Aus Fürsorgepflicht, um ein Signal zu setzen. Um innezuhalten, dass diese Show eben nicht einfach so weitergehen muss, just ein paar Augenblicke, nachdem ein Mensch, ein Vater zweier kleiner Kinder, um sein Leben kämpfte?

Keiner, der auf dem Rasen oder selbst im Stadion war, wird diese schockierenden - zu lange gezeigten - Bilder so schnell vergessen können. Und es war natürlich kein normales Spiel mehr, Dänemarks Kapitän Kjaer, ein enger Freund Eriksens, hielt es emotional bald nicht mehr aus. Hätte man nicht besser eine Nacht drüber geschlafen? Auch um die Spieler vor sich selbst und etwaigen Dämonen zu schützen?

EM 2021: Uefa will das Turnier halbwegs ordentlich über die Bühne bekommen

Dass der Uefa der Wunsch der Kicker zupass kam, liegt auf der Hand. Sie ist daran interessiert, diese - aus den bekannten Gründen ohnehin hochkomplexe, komplizierte - EM 2021 in zehn Ländern halbwegs ordentlich über die Bühne zu bekommen. Hätte sie gegen den Willen beider Delegationen auf eine Neuansetzung tags darauf pochen sollen? Und wäre die emotionale Zerrissenheit ein paar Stunden später tatsächlich eine andere gewesen? Aber dass eine Debatte darüber entbrannt ist, wonach der finnische Torwart den Elfmeter hätte passieren lassen sollen, zeigt, dass es sich falsch anfühlte, scheinbar zur Tagesordnung zurückzukehren.

In solch einer Extremsituation gibt es keine einfache Antwort, es gibt ein richtig oder falsch. Es gibt dafür auch kein Pflichtenheft, in dem man schnell blättern könnte, es gibt keine Blaupause. Die Überforderung aller Beteiligten ist offensichtlich, man steht sprachlos vor dem Unfassbaren, weil jeder an Grenzen stößt - außer den Ärzten, die ein Leben retteten.

Am sinnvollsten wäre gewesen, das Spiel nach 43 Minuten zu beenden und es mit 0:0 zu werten. Hinterher weiß man es besser. (Thomas Kilchenstein)

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