Alexander Nübel mit üblem Tritt.
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Alexander Nübel mit üblem Tritt.

Kommentar

Alexander Nübel: Enkelkind der Entwicklung

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der Schalker Keeper Alexander Nübel verdient eine empfindliche Strafe für sein Foul an Eintracht-Profi Mijat Gacinovic. Es ist die Folge eines aggressiver und rücksichtsloser gewordenen Torwartspiels. Der Kommentar.

Am Sonntagabend in der Diskussionsrunde im Pay-TV-Sender Sky waren sich die von Ex-Nationaltorwart René Adler angeführten Experten einig, das Foul des Schalker Keepers Alexander Nübel am Frankfurter Mijat Gacinovic habe Erinnerungen an die Attacke des damaligen deutschen Nationaltorwarts Toni Schumacher im WM-Halbfinale 1982 am Franzosen Patrick Battiston geweckt. Was in der Debatte leider fehlte: Schumacher hatte den französischen Verteidiger seinerzeit aus purem Vorsatz schwerwiegend verletzt. Er wollte seinen Körper mit voller Wucht in den Gegner hineinrammen, was ihm in brachialer Brutalität gelang, es gab nie das Ziel, den Ball zu treffen. Battiston trug einen Haarriss im Halswirbel davon und verlor zwei Zähne, Schumacher stand kaugummikauend in aufreizender Lässigkeit in seinem Strafraum herum, als der ausgeknockte Battiston behandelt und vom Platz getragen wurde, und Schumacher, der noch nicht einmal verwarnt wurde, sagte nachdem deutschen Finaleinzug den Reportern: „Sagt ihm, ich zahle ihm die Jacketkronen.“

Alexander Nübel bittet um Entschuldigung

Alexander Nübel hat nach seinem Tritt gegen Gacinovic den an den Rippen verletzten Frankfurter noch am selben Abend angerufen und sich bei ihm entschuldigt. Und er hat nachvollziehbar erklärt, dass er eigentlich den Ball habe treffen wollen. Und doch: Die Attacke des Schalker Torwarts war grob fahrlässig, Nübel hat rücksichtslos in Kauf genommen, dass der Eintracht-Mittelfeldmann übel verletzt wird, aber – und das ist der bedeutende Unterschied zu Schumachers Vorgehen gegen Battiston – er hat nicht zum Ziel gehabt, Gacinovic körperlich anzugehen. Auch seine Reaktion auf dem Platz kann in keiner Weise mit jener Arroganz verglichen werden, die Schumacher vor 37 Jahren in Sevilla zur Schau trug.

Times Mager zur Nübel-Attacke: Ariel Nübel

Toni Schumacher hat das Torwartspiel seinerzeit, ganz unabhängig von der Attacke gegen Battiston, verändert und ihm einen aggressivere, athletischere und rücksichtslosere Komponente beigefügt. Zuvor hatten Keeper es vermieden, ihre Strafräume in hohem Tempo zu verlassen, um Bälle abzufangen und dabei Gefahr zu laufen, frontal mit Stürmern zu kollidieren. Alexander Nübel ist ein Enkelkind dieser Entwicklung. Es hätte viel, viel schlimmer kommen können am Sonntagabend. Nübel verdient eine empfindliche Strafe. Ihm und seinen Berufskollegen sollte der schlimme Zusammenprall eine Lehre sein, eine Lehre dafür, dass der Preis, an den Ball zu kommen, auch viel zu hoch sein kann.

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