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Alexander Hack: „Das ist für mich Heimat“

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Von: Hanna Raif

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Starker linker Fuß: Alexander Hack .
Starker linker Fuß: Alexander Hack . © imago

Alexander Hack, Ur-Bayer im Trikot von Mainz 05, über Bayern-Bettwäsche und seinen ehemaligen Trainer Julian Nagelsmann

Die Laune ist gut bei Alexander Hack (29), denn Mainz 05 hat die Reise zum Gastspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr, Sky) beim FC Bayern mit viel Rückenwind angetreten. Lediglich vier Punkte trennen die beiden Teams in der Tabelle.

Herr Hack, die Bayern auf Reisen – und Mainz in ruhiger Vorbereitung auf das Spiel. Ein Vorteil?

Wir kommen auch aus einer Englischen Woche – aber klar, Bayern hat ein Spiel mehr. Sie haben aber auch einen Kader, der breit genug ist und diese Belastung seit Jahren kennt. Deshalb werden sie auch frische Kräfte auf den Platz bringen. Einen Vorteil sehe ich da nicht, leider…

Drei Siege in einer Woche, 10:0 Tore. Macht es gerade allen bei Mainz 05 besonders viel Spaß?

Es sieht definitiv schön aus. Das gibt Rückenwind für den Trip nach München.

Sie selbst haben zehn Mal gegen Bayern gespielt – und drei Mal gewonnen. Da gibt es viele Spieler mit schlechteren Bilanzen.

Die Bilanz ist aber immer noch negativ.

Aber gut negativ!

Na gut, gut negativ hört sich gut an. Für mich als alter Sechzger sind das natürlich besondere Spiele. In der Arena sind viele Leute, die ich kenne, viele alte Bekannte. Ich bin gerne in München – und ich hoffe, meine Mitspieler am Samstag auch.

Werden Freunde und Familie im Stadion sein?

Freunde schon. Meine Eltern kommen nicht. Die haben gesagt, die Parkplatzsituation ist grausam vor der Arena (lacht).

Sind Sie bayerischer als die meisten Bayern-Spieler?

Das kann man so sehen. Da sind wenige auf dem Platz, die bayerische Wurzeln haben. Ich bin waschechter Bayer. Ich war dieses Jahr auch zum ersten Mal seit vier Jahren auf der Wiesn. Das ist für mich Heimat. Ein Stück Bayern wird immer in mir leben.

Und als Bub waren Sie logischerweise Bayern-Fan.

Genau, obwohl mein Vater Löwe war. Es tat ihm weh, meinen Bruder und mich zum Bayern-Fanclub fahren zu müssen. Die Begeisterung für die Blauen ist erst nach und nach übergeschwappt, gerade, als ich bei Sechzig gespielt habe.

Gab es die obligatorische Bayer-Bettwäsche?

Natürlich. Aber die wurde irgendwann dann mal in die Tonne geworfen (lacht).

Sie haben bei den Löwen auch unter Julian Nagelsmann trainiert.

Julian war mein Co-Trainer bei der U 17. Wir waren vier Zugfahrer, die nach dem Training lange in der Kabine waren. Und Julian hat sich auch bei uns umgezogen, er hat ähnlich lang gebraucht. Wir haben viel gequatscht und Spaß gehabt. Wir quatschen auch heute noch gerne.

Konnte man damals sehen, dass er mal ein großer Trainer werden würde?

Er war schon damals ein überragender Coach, das fiel auf. Er hatte eine super Bindung zu den Spielern, war immer lautstark. Ob im Trainingslager auf dem Tennisplatz oder nach dem Training, wenn er sich zehn Bälle zum Schießen hingelegt hat. Verlieren konnte er allerdings schon damals nicht. Deshalb hat er sich wohl auch nie getraut, gegen mich Tennis zu spielen (lacht).

Im Fokus steht Anton Stach, der unter Hansi Flick als WM-Kandidat gilt. Er wirbt auf dem Rasen für sich, können Sie abseits Werbung betreiben?

Gerne – und aus voller Überzeugung: Weil es für Deutschland wichtig ist, einen Top-Spieler und einen Top-Charakter zu haben. Und da hat Stachi beides. Er ist einer, der immer zu 100 Prozent Gas gibt auf dem Platz. Selbst wenn er nicht für die erste Elf geplant ist, kann man ihn gut reinwerfen und weiß, dass man vollen Einsatz kriegt. Ich halte sehr viel von ihm und glaube, dass wir hier erst den Anfang seiner Karriere sehen. Deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn ich in der Winterpause auf dem Sofa sitze und Stachi bei der WM zuschaue.

Ihr bester Schütze ist derzeit Marcus Ingvartsen, der lange zuvor nur Joker war. Gibt es da eine Parallele zu Eric Maxim Choupo-Moting?

Kann man so sehen, ja. Marcus ist aber ein ganz eigener Stürmer, er hat ganz andere Qualitäten als Choupo. Aber ich bin ganz froh, dass es so gut läuft. Ich hätte nichts dagegen, wenn er am Samstag trifft– und Choupo nicht.

Sie haben Choupo-Moting als Spieler in Mainz knapp verpasst, er hat aber an all seinen Stationen Freunde und bleibenden Eindruck hinterlassen. Schwebt der Choupo-Geist noch immer durch Mainz?

Tatsächlich hatten wir unter Martin Schmidt (damals Trainer, jetzt Sportdirektor bei Mainz 05, die Red.) noch lange einen Spielaufbau, der „Choupo“ hieß. Den gibt’s aber heute nicht mehr. Wir werden ihn also am Samstag nicht zeigen (lacht).

Interview: Hanna Raif

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