Champions League

Ajax und der Videoschwur

Die begehrten Amsterdamer Jungstars dürfen wechseln – wenn sie vorher Titel gewinnen.

Das Finale winkt, der Ausverkauf droht: Ajax Amsterdam kann sein Fußballmärchen in der Champions League am Mittwoch mit dem Einzug ins Endspiel fortsetzen. Doch der Fluch der guten Tat hat den Verein schon vor dem Halbfinalrückspiel gegen Tottenham Hotspur (21 Uhr) ereilt. Denn das Team der jungen Wilden, das europaweit die Fußballromantiker verzaubert und das Hinspiel 1:0 gewann, wird im Sommer ziemlich sicher auseinanderfallen.

Die begehrtesten Jungstars hatten Generaldirektor Edwin van der Sar und Sportchef Marc Overmars schon im vergangenen Jahr zu einer Videostunde versammelt. Und mit ihnen, wie van der Sar nun verriet, eine Abmachung getroffen: Wenn sie Titel holen, dürfen sie gehen.

„Wir haben gesagt: Wenn Ihr Ajax-Legenden sein wollt, müsst Ihr etwas Großes gewinnen“, verriet van der Sar dem „Guardian“: „Marc und ich haben das Nest auch verlassen, um eine neue Herausforderung zu suchen. Das ist kein Problem, solange man dem Verein zwei, drei, vier Jahre gute Dienste leistet, die Liga gewinnt, tollen Fußball spielt. Dann kann man wechseln“, sagte der ehemalige Torwart, der wie Overmars beim letzten Champions-League-Sieg 1995 unter Trainer Louis van Gaal dabei war.

Geldadel leckt sich Finger

Nun könnten die Spieler darauf pochen. Denn nach dem bereits gewonnenen Pokal und angesichts der Tabellenführung in der Eredivisie winkt sogar das Triple. Und der europäische Geldadel reißt sich bereits um die Ajax-Shootingstars. Klar sei aber, dass Ajax sich nicht als Selbstbedienungsladen verstehe. „Wir wollen keine sieben Spieler aus dieser Mannschaft verkaufen“, sagte van der Sar: „Denn wir wollen auch in der kommenden Saison wettbewerbsfähig sein.“

Das große Los gezogen hat bereits Frenkie De Jong (21), der im Sommer für 75 Millionen Euro zum FC Barcelona wechselt. Kapitän Matthijs de Ligt (19) wird kaum billiger werden und trotzdem nicht zu halten sein. Donny van de Beek (22) soll von Borussia Dortmund und Paris St. Germain umworben sein. Ebenfalls beim Videoschwur dabei waren Kasper Dolberg (21), David Neres (22) sowie Torhüter Andre Onana (23), der kürzlich bis 2022 verlängerte – angeblich aber mit einer Ausstiegsklausel für den kommenden Sommer.

Die niederländischen Medien verfolgen die Außenseiterstory mit Siegen bei Real Madrid und Juventus Turin in den vorherigen K.o.-Runden deshalb auch mit gemischten Gefühlen. „Diese Gala auf der größten Bühne hat ganz Europa gesehen“, schrieb „De Telegraaf“ nach dem Hinspiel: „Damit machte Ajax erneut ungewollt Werbung für seine Talentefabrik.“ Sollte der niederländische Klub wirklich das Endspiel erreichen, wäre er der erste Finalist seit 2004, der nicht aus den vier großen Ligen in England, Spanien, Italien und Deutschland kommt.

Amin Younes, der bis Sommer 2018 drei Jahre für Ajax spielte, traut seinen alten Kollegen alles zu. „Für mich ist das Triple alles andere als unrealistisch“, sagte der 25-Jährige. An einen kompletten Ausverkauf glaubt er nicht. „Dass nicht das ganze Team zusammenbleiben kann, wird schon vor der Saison klar gewesen sein, unabhängig von dem aktuellen Abschneiden. So läuft es bei Ajax leider in nahezu jedem Jahr“, sagte der in Neapel spielende Younes. (dpa)

Halbfinale, Rückspiele:

Dienstag, 07.05.
FC Liverpool – FC Barcelona (0:3)

Mittwoch, 08.05.
Ajax Amsterdam – Tottenham Hotspur 21:00 Uhr (1:0)

Hinspiel-Ergebnisse in Klammern. Das Finale findet am 1. Juni in Madrid statt.

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