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Conference-League-Spiel in Nizza: Affen voller Testosteron

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Von: Ingo Durstewitz

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Abscheuliche Prügelszenen in Nizza.
Abscheuliche Prügelszenen in Nizza. © dpa

Als Fußball-Fans getarnte Hirnverbrannte, egal, ob aus Köln, Nizza, Frankfurt, London oder Taka-Tuka-Land, beschmutzen die Farben ihres Vereins. Ein Kommentar.

Nizza – Bedauerlich, dass der bemerkenswerte Auftritt des 1. FC Köln auf internationalem Terrain beim mit viel Kohle hochgezüchteten OGC Nizza (1:1) in der öffentlichen Wahrnehmung nur eine Randnotiz bleibt. Blöd, dass Hexer Marvin Schwäbe im Kasten nicht in der Form gewürdigt wird wie er es verdient hätte. Der 27-Jährige präsentierte sich in Weltklasseverfassung, trieb die Franzosen mit einem halben Dutzend Paraden der Extraklasse schier zur Verzweiflung. Schade, dass der abermals unbekümmerte Auftritt des Frechdachses Jan Thielmann unterging. Einfach schade.

Ja, so ist das. Der Sport rückt an nachgeordneter Stelle, mal wieder, weil in Nizza passiert ist, was nicht passieren sollte, aber immer wieder passiert. Etwas, das alles andere in den Hintergrund drängt: wüste Schlägereien, Gewaltexzesse, Hass, Aggressionen, Blutvergießen. 32 Verletzte, einer im kritischen Zustand. Wer die Bilder von der Cote d’Azur gesehen hat, dem bleibt die Spucke weg. Unfassbar, wie gewaltliebende Schwachmaten aufeinander einprügeln, sich mit Eisenstangen, E-Scootern (!) und Messern traktieren. Und irgendwann stürzt jemand die Tribüne hinunter, fünf Meter tief, schwer verletzt. Abscheulich, entsetzlich, schändlich. Und verstörend.

Ausschreitungen in Nizza: Der Sport als Deckmantel, um Aggressionspotenzial auszuleben

Diese Hirnverbrannten, egal, ob sie aus Köln, Nizza, Rotterdam, Paris, Frankfurt, London, Warschau, Dortmund oder Taka-Tuka-Land kommen, können den Fußball nicht lieben, sie beschmutzen die Farben ihres Vereins, ziehen sie in den Dreck. Sie benutzen den Sport als Deckmantel, um sich auszuleben, ihr Aggressionspotenzial für einen Moment zu entfalten und sich den Adrenalinkick holen, den sie offenbar nur dann bekommen, wenn sie andere verletzen oder selbst verletzt werden. Testosteron-Affen.

Das Phänomen ist nicht neu, der Aufschrei und die Empörung danach groß – es ist ein ewiger Kreislauf, den selbst Corona nicht durchbrechen, sondern nur vorübergehend stoppen konnte – der schönen Geisterspiele sei Dank. Nein, weder die Branche an sich hat durch die Pandemie etwas gelernt, sie ist nicht demütiger oder anständiger geworden, und auch rundherum ist alles gleichgeblieben. Es wird nach Herzenslust gefackelt, gezündelt und geprügelt – es ist zum Verzweifeln.

Ausschreitungen in Nizza: Vereine sind fast machtlos

Die Vereine sind fast schon machtlos, sie versuchen viel, Prävention, Dialog, mal mehr Leine, mal weniger, mal Drohungen, mal Schmusekurs, aber die, die sich schlagen wollen und auf Randale aus sind, denen werden sie nicht habhaft. Was bleibt? Nicht viel. Identifizieren, der Justiz übergeben, in der Hoffnung, dass mehr als ein paar Sozialstunden als Strafe herauskommt.

Selbst die Hoffnung auf Selbstreinigung ist eine trügerische. Dass sich, wie in Köln, viele echte Fans von diesen Schlägern distanzieren und ihr Entsetzen zum Ausdruck bringen, ist wohltuend, auch mutig. Das richtige Zeichen. Sehr wahrscheinlich pfeifen die Kriminellen darauf. Bedauerlich. (Ingo Durstewitz)

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