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Adios, Diego: Fans nehmen Abschied.
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Adios, Diego: Fans nehmen Abschied.

Abschied

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In Buenos Aires und Neapel sind die Menschen nach dem Tod ihrer Legende Diego Maradona voller Schmerz.

Wie unterschiedlich der Mensch seine Trauer ausdrückt, dafür lieferten am Donnerstag die Bilder aus dem Präsidentensitz Casa Rosada in Buenos Aires einen eindrucksvollen Beleg. Als die Lobby mit dem Sarg des am Tag zuvor verstorbenen Diego Maradona geöffnet wurde, strömten die Trauernden hinein. Die einen gingen stumm an dem Sarg des nur 60 Jahre alt gewordenen Fußballidols vorbei, die anderen schmetterten noch mal ein lautes „Auf geht’s, Diego!“ durch den Raum - als würde eine letzte Anfeuerung ihr Idol auferstehen lassen. Einige ältere Frauen weinten, während sich junge Männer bekreuzigten. Viele waren in ihren Nationaltrikots gekommen, die sie zu Länderspielen getragen hatten.

Wachmänner achteten darauf, dass keine Fotos entstanden. Neben Blumen flogen auch viele Jerseys auf den in eine argentinische Nationalflagge eingewickelten Sarg und dem darauf abgelegten Trikot mit der Nummer 10. Einige Anhänger brachen nach Verlassen des Palastes zusammen. Zehntausende Menschen hatten vorher die Nacht auf der Plaza de Mayo im Zentrum verbracht.

Enge Freunde und die Familie des Fußballers nahmen am frühen Morgen bereits vor Beginn der öffentlichen Totenwache Abschied von Maradona. „Er war ein außergewöhnlicher Spieler. Wir stehen für immer in seiner Schuld“, sagte Argentiniens Staatschef Alberto Fernández, der eine dreitägige Staatstrauer anordnete. Der Plan, den Sarg ebenso lange aufgebahrt zu lassen, wurde auf Bitten seiner Familie fallengelassen. Im Stadion der Boca Juniors brannte in der Nacht nur ein einziges Licht – in der Loge Maradonas.

Maradonas Anwalt forderte unterdessen eine Untersuchung der Todesumstände. Er könne sich nicht erklären, warum der Zustand seines „Freundes zwölf Stunden lang“ nicht kontrolliert worden sei und der Krankenwagen schließlich mehr als eine halbe Stunde brauchte, bis er bei Maradonas Haus eintraf, sagte Matías Morla. Er halte dies für „kriminellen Irrsinn“.

Maradona war erst vor zwei Wochen aus dem Krankenhaus entlassen worden, nachdem ihn Ärzte dort wegen einer Gehirnblutung operiert hatten. Nach einigen Problemen wegen „Entzugserscheinungen“, wie sein Arzt sagte, wurde er aus der Klinik entlassen und erholte sich in seinem Haus am Stadtrand von Buenos Aires, als sein Herz versagte. Nach den ersten Ergebnissen einer Autopsie starb Maradona an einem „akuten Lungenödem und einer verschärften chronischen Herzinsuffizienz“, wie Staatsanwalt John Broyard mitteilte.

Ähnlich emotional wie in Buenos Aires gedachten Fans in seiner alten sportlichen Heimat Neapel der Fußballlegende. Dutzende Menschen pilgerten zu einem Wohnblock im Zentrum der Vesuvstadt, an dessen Fassade ein Gemälde des ehemaligen Stars des SSC Neapel zu sehen ist. „Neapel trauert – Ciao Gott des Fußballs“, stand auf einem Schild, das ein Mann an einer Tür anbrachte. Viele Tifosi hielten Kerzen in der Hand. Trotz des Ausgangsverbots versammelten sich vor dem Stadio San Paolo spontan hunderte Fans und legten Kerzen und Blumen nieder. Die Polizei, die Verstöße gegen die Corona-Auflagen sonst rigoros ahndet, ließ sie gewähren.

Kinder klebten Zeichnungen ihres Idols an den Stadioneingang, ein Banner wurde aufgehängt: „Unser unsterblicher König, deine Fahne wird nie aufhören zu wehen.“ Auch Italiens Fußball wirkte schwer getroffen. „Wir verabschieden uns von ihm mit derselben Leidenschaft, mit der mehr als eine Generation von Fans ihn geliebt hat“, sagte Verbandschef Gabriele Gravina. Maradona symbolisiere „die Ekstase des Fußballs“.

Neapels Bürgermeister Luigi de Magistris bekräftigte seinen Plan, das Stadio San Paolo nach dem verstorbenen Idol zu benennen. „Das verlangt Maradonas Volk. Er war Neapels Messias. Er hat unterschiedliche Generationen und Klassen vereint, Reiche und Arme, Bewohner der bürgerlichen und der ärmeren Viertel.“

Um Maradona trauern auch sein in Neapel lebender Sohn Diego Maradona junior und dessen Mutter Cristiana Sinagra. „Du wirst für mich nie weggehen. Wir werden dich immer lieben“, schrieb Sinagra. Maradona hatte erst 2016 seinen unehelichen Sohn anerkannt. Der heute 34-Jährige hatte jahrelang Prozesse gegen Maradona wegen verweigerter Unterhaltszahlungen geführt.

Maradona wird am nächsten Donnerstag auf dem Friedhof Jardin de Paz vor den Toren von Buenos Aires beerdigt, wo auch seine Eltern zu Grabe getragen wurden. (dpa/afp/sid/FR)

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