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Ach ja, der Rudi

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Von: Ingo Durstewitz

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Der Mann für alle Fälle: Rudi Völler.
Der Mann für alle Fälle: Rudi Völler. © dpa

Rudi Völler soll den DFB nicht reformieren und keine verkrusteten Strukturen aufbrechen. Er soll bis zur Heim-EM einzig den Stimmungsumschwung schaffen und für eine gute Atmosphäre sorgen. Und genau das ist ihm zuzutrauen

Gut, dass der DFB diese hochdekorierten Fachmänner wie Oliver Kahn und Kalle Rummenigge oder Matthias Sammer in einer sogenannte Task Force vereint und auf die Suche nach einem Nachfolger für den aalglatten Oliver Bierhoff geschickt hat. Schlauer Schachzug. Denn sonst wäre natürlich niemand in dieser Republik auf die Idee gekommen, mal bei Rudi Völler nachzufragen. Kennt ja kein Mensch, den Rudolf aus Hanau.

Na gut, bar jeder Ironie, sei angefügt: Auf Rudi Völler wären auch Carl Napp und Karl Dall am Tresen der Pilsstube in Buxtehude gekommen. Innovativ und pfiffig geht anders. Na und?

Das ändert nichts daran, dass die Entscheidung, den Sympathieträger als Sportdirektor zu inthronisieren, eine kluge und smarte ist. Nein, Rudi Völler soll den Verband nicht reformieren und keine verkrusteten Strukturen aufbrechen. Der 62-Jährige, Spitzname Tante Käthe, wird keine visionären Jugendkonzepte erarbeiten und keine ambitionierten Förderungsziele ausrufen. Das ist nicht seine Aufgabe. Das kann er nicht, das soll er nicht, das braucht er nicht. Er ist vielmehr bis zur Heim-EM dazu da, den Stimmungsumschwung zu schaffen, für eine gute Atmosphäre und prima Klima zu sorgen. Das ist ihm zuzutrauen.

Die Wahl ist auf ihn gefallen, weil Rudi Völler eben Rudi Völler ist. Dem einstigen Mittelstürmer fliegen die Herzen der Menschen zu, er ist trotz seiner Popularität immer er selbst geblieben, bodenständig, einer wie du und ich, nicht von oben herab, sondern herrlich unprätentiös, ein Menschenfänger.

Wenn Rudi Völler Geschichten von früher erzählt, und er hat einen unerschöpflichen Fundus an Anekdoten, hängen die Zuhörenden an seinen Lippen, wenn er zwinkert, fühlen sie sich ihm verbunden. Ach ja, der Rudi.

Völler, ganz sicher einer vom alten Schlag, ist genau der richtige Mann, um das ramponierte Image des Verbandes aufzupolieren. Der DFB ist in den Augen der Fans entrückt, abgehoben und versnobt, er hat sich von der Basis entfernt, ist gar nicht mehr greifbar, er steht für all das, was der gemeine Fan ablehnt. Der allseits beliebte Völler kann den Verband befrieden, intern wie extern, er kann dafür sorgen, dass die Ablehnung der Menschen aufweicht, dass sie sich wieder ein bisschen mehr identifizieren können mit diesem monströsen Gesamtkonstrukt DFB und auch mit der Nationalmannschaft.

Und auch für den zuletzt so unglücklich agierenden Bundestrainer Hansi Flick kann Völler zum Glücksfall werden, denn der graue Wolf ist kein Grüßaugust, dafür aber sehr wohl Prellbock und Blitzableiter. Völler kann auch anders, unbequem sein, er lässt sich nichts gefallen. Er neigt zu einem gewissen Jähzorn – mal bei Weißbier-Waldi nachfragen. Doch böse ist ihm keiner, weil er es nicht böse meint. Ihm wird verziehen, weil Rudi Völler eben Rudi Völler ist.

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