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Mach dir keinen Kopf: Gareth Southgate tröstet seinen Fehlschützen Jadon Sancho.
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Mach dir keinen Kopf: Gareth Southgate tröstet seinen Fehlschützen Jadon Sancho.

Englisches EM-Drama

Absturz aus elf Metern

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Gareth Southgate hat die englische Nationalmannschaft souverän und detailversessen bis ins EM-Finale gecoacht. Doch ausgerechnet ganz zum Schluss verlässt ihn das Gespür für das Richtige. Ein Kommentar.

Man kann nun erneut die Dämonen beschwören, die Gareth Southgate nicht bezwingen konnte, die bösen Geister von 1996, die ihn, den Fehlschützen von damals und englischen Strategen von heute, einfach nicht in Ruhe lassen. Und was war dieses Finale auf heiligem Grund überfrachtet mit Symbolik, endlich, endlich das Trauma zu beenden, endlich einen Titel zu gewinnen, nach 55 „years of hurt“. Entsprechend hoch war die Fallhöhe.

Entsprechend hart ist Southgate, der das letzte Vierteljahrhundert englischer Fußballhistorie verkörpert, aufgeschlagen. Dabei hat der Gentleman, der zuletzt enorm an Format gewann, dieses Turnier so akribisch und detailversessen durchkomponiert wie kaum ein anderer: Er hat seinen Three Lions für jedes einzelne Spiel einen perfekten Matchplan an die Hand gegeben, er hat sein Team je nach Erfordernis umgestellt, er hat die Defensive massiert und mit Doppelabräumern abgesichert. Er hat fast alle seiner aufregenden Kreativspieler, Sprinter, Dribbler beschnitten, andere sagen: „links liegengelassen“, um England zu einer Festung auszubauen. Er hat eine Art Underdog-Fußball spielen lassen, in dem vornehmlich reagiert wurde. Attraktiv war das nicht, aber sehr erfolgreich. Southgate hat an alles gedacht, er hat die Fans mitgenommen, hat Offene Briefe geschrieben, hat nichts dem Zufall überlassen, seit Jahren vergeht keine Trainingseinheit, in der nicht Elfmeter geübt würden. Southgate hat England Vertrauen zurückgegeben, weil er mit all seinen Entscheidungen richtig lag, selbst wenn sie auf Vorsicht fußten, Netz, doppelter Boden immer dabei.

Und ausgerechnet in dem Moment, da all dies gekrönt werden kann mit dem EM-Triumph, geht der so unterkühlte 50-Jährige das größtmögliche Risiko ein – und lässt im Elfmeterschießen die ganz Jungen ran, ausgerechnet die, die er im Verlauf des Turniers meist verschmäht hat, Rashford und Sancho kamen zudem erst Sekunden vor dem Shootout ins Spiel, ohne jede Bindung. Und dann sollten sie England in den Himmel schießen? Wie soll das gehen? Ihnen bürdete Southgate die Last der Verantwortung auf, weil sie im Training ohne Druck gute Elfer schossen. Gewagt - und verloren.

Die bösen Geister haben Southgate wieder eingeholt. Es ist die Tragik dieses Mannes, dass die kühle Ratio unter Stress über den gesunden Menschenverstand gesiegt hat. Die Jungen hätten nicht antreten dürfen. Ob die Routiniers getroffen hätten, ist eine andere Geschichte. Southgate ist erneut aus elf Metern gescheitert.

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