Zweite Bundesliga

Vom Abstiegsplatz weggerackert

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Fußball-Zweitligist Wehen Wiesbaden holt Punkt in Hannover. Gesperrter Trainer Rehm „kann gut damit leben“.

Man stelle sich vor, der SV Wehen Wiesbaden schießt in der Schlussminute noch ein Tor, sogar ein punktbringendes, zum Beispiel einen 2:2-Ausgleichstreffer. Man stelle sich auch vor, wie Trainer Rüdiger Rehm dann üblicherweise reagieren würde. In etwa so: Die Augen weit aufgerissen, die Freude heraus schreiend, die Hände ballend, abwechselnd den linken und rechten Arm in die Luft gestreckt, ehe er darauf wahlweise die Assistenten innigst herzen oder er zu seinen Jungs aufs Grün hetzen würde. Rüdiger Rehm, das ist bekannt, lebt seine Emotionen an der Seitenlinie – und manchmal auch darüber hinaus – gerne aus. Nur am Samstag nicht.

Da war der Fußballlehrer aus Heilbronn zur Zügelung verdonnert, aufgrund seiner Gelbsperre durfte er dem Zweitligaduell bei Hannover 96 nur von den bestens gepolsterten Sitzen der Haupttribüne beiwohnen. Stattdessen übernahm Mike Krannich, 47, glänzende Glatze, und seit vielen Jahren vertrauter Co-Trainer von Rehm, die Leitung der hessischen Truppe. Den 2:2-Ausgleichstreffer, der dann auch tatsächlich an diesem Samstagmittag in der Schlussminute fiel, bejubelte Krannich relativ gelassen mit Sportdirektor Christian Hock an der Seitenlinie. Eine kurze Umarmung, Klatschen, das war’s.

Zieler patzt, Röcker trifft

Nach der gerechten Punkteteilung in Niedersachsen steht Wehen Wiesbaden zum ersten Mal seit dem ersten Spieltag nicht auf einem Abstiegsplatz. 21 Zähler haben die Landeshauptstädter nun gesammelt, auswärts war es bereits der zwölfte Punkt im zehnten Spiel. Der Aufsteiger spielt sicher keinen furiosen Fußball, aber eben einen genau solchen, den es im Rennen um den Klassenerhalt braucht. Die Gäste zeigten auch in Hannover, was sie seit dem Herbst ausmacht. Sie grätschten auf dem gerade frisch verlegten und daher einem Flickenteppich ähnelnden Rasen leidenschaftlich in die Zweikämpfe, verteidigten hinten weitestgehend kompromisslos und nutzten vorne die Fehler des Bundesligaabsteigers aus. Der Führung von Stefan Aigner ging eine allgemeine Schlafmützigkeit der Sechsundneunziger voraus, die den Ex-Frankfurter bei einer Flanke am langen Pfosten schlicht völlig vergessen hatten. Aigner köpfte sein erstes Saisontor (37.).

Nachdem Genki Haraguchi (83.) und Cedric Teuchert (87.) mit ihren Treffern in der Schlussphase das Spiel zugunsten der Hannoveraner gedreht zu haben schienen, patzte doch noch Torhüter Ron-Robert Zieler. Der einstige Weltmeister hält längst nicht mehr wie ein Weltmeistertorwart. In der finale Minute tauchte der 30-Jährige unter einer Ecke hindurch. Benedikt Röcker staubte im zweiten Versuch den Ausgleich für die Gäste relativ mühelos ab.

Chef Rehm fällte ein zufriedenes Fazit: „Insgesamt ist das Unentschieden auf jeden Fall gerecht. Hannover hatte mehr vom Spiel, wir haben gut verteidigt. Nach vorne waren wir nicht so sauber wie in den vergangenen Wochen, aber das kommt vor. Wir haben trotzdem einen Punkt mitgenommen. Ich kann gut damit leben.“ Den späten Treffer zum 2:2 bejubelte er übrigens so: Einmal kurz die Fäuste geballt und dann in die Hände geklatscht. Rüdiger Rehm light.

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