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Bedröppelt: Die Spieler von Werder Bremen nach der Klatsche beim FC Bayern.

Abstiegskampf in der Bundesliga

Abstiegskampf Bundesliga: Runter im Fahrstuhl

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    Frank Hellmann
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Ein Überblick über die derzeit besonders prekären Verhältnisse bei den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC, Mainz 05, Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf, 1. FC Köln und SC Paderborn.

Die FR-Sportredaktion hat kurz überlegt, ob sie in die hier folgende Keller-Geschichte auch Eintracht Frankfurt noch mit aufnehmen sollte. Aber 18 Punkte sind immerhin noch drei mehr als die mickrigen 15 Zähler der Berliner Hertha auf dem folgenden Rang 13. Also wurde die Eintracht als derzeit nicht akut abstiegsgefährdet eingestuft und somit ausgenommen. Runter geht’s im Fahrstuhl von der Hauptstadt bis nach Paderborn.

Hertha BSC

13. Hertha BSC (15 Punkte):Mit einer Mauertaktik, die zwar bis November 1989 zur einst geteilten Stadt gepasst hätte, aber eigentlich zu seiner zumindest als Bundestrainer zwischen 2004 und 2006 vorherrschenden Fußballphilosophie, hat Trainer und „Berufsrevolutionär“ (Süddeutsche Zeitung“) Jürgen Klinsmann gegen den SC Freiburg kleinteilig die ersten drei Punkte unter seiner Regie eingesammelt. Auch am Mittwoch bei Bayer Leverkusen dürften die mausgrauen Herthaner in ihren wohl betrüblichsten Trikots der Bundesligahistorie eher kein Offensivspektakel bieten. Das Eichhörnchen-Prinzip orientiert sich an den derzeitigen Möglichkeiten, Klinsmanns ansonsten gern postuliertes großes Denken ist sportlich dem gebotenen Kleinmut (=Mauerfußball) gewichen, rhetorisch aber natürlich nicht. Da wähnt er sich dank der Millionen von Investor Windhorst mittendrin im „spannendsten Fußballprojekt Europas“.

Mainz 05

14. Mainz 05 (15 Punkte):Sportchef Rouven Schröder redet vor dem Spiel am heutigen Dienstag in Bremen Klartext und spricht von „zwei Mannschaften, die die rechte Gerade gegen Topteams direkt ins Gesicht bekommen haben“. Die Nullfünfer beim 0:4 gegen Dortmund, Werder beim 1:6 in München. Schröder, einst zwei Jahre lang in Bremen als Kaderplaner tätig, weiß auch, was die Rheinhessen im Weserstadion erwartet: ein „unglaubliches Publikum – da muss keiner überrascht sein, wenn es richtig brennt“. Trainer Achim Beierlorzer ist so schlau, seinem angeschlagenen Kollegen Florian Kohfeldt nicht zu verraten, ob Stürmer Jean-Philippe Mateta schon wieder zur Mainzer Startelf gehören wird. Der Chefcoach will eine mutige Mainzer Mannschaft sehen. „Wir wollen früh anlaufen und unangenehm sein. Wir können selbstbewusst auftreten, weil wir in Hoffenheim und gegen Eintracht Frankfurt gewonnen haben.“ Die jüngsten Niederlagen unter seiner Leitung in Augsburg und gegen Borussia Dortmund unterschlägt er lieber.

Werder Bremen

15. Werder Bremen (14 Punkte):Florian Kohfeldt will auf einmal Kampf, Kampf, Kampf sehen. Der 37-Jährige weiß, dass am Ende auch seine Position auf den Prüfstand kommt, wenn es gegen die direkte Konkurrenz Mainz (Dienstag) und Köln (Samstag) nicht gelingt, die Talfahrt abzufedern. „Es wäre schön, vor der Winterpause überm Strich zu bleiben“, sagt er. Denn auch der „Trainer des Jahres 2018“ besitzt trotz seines bis 2023 laufenden Vertrags nicht auf ewig einen Freifahrtschein. Vereinsikone Thomas Schaaf hat bereits kürzlich als Co-Trainer bei der U23 ausgeholfen. Der 58-Jährige würde wohl im äußersten Notfall gebeten, gemeinsam mit dem ihm gut bekannten Co-Trainer Tim Borowski als Retter einzuspringen. Auch Frank Baumann, dessen Job langfristig der zum Scoutingleiter beförderte Clemens Fritz übernehmen soll, müsste sich noch mehr Kritik gefallen lassen. Werder bestreitet die wichtigste Woche der vergangenen zwei Jahre.

Fortuna Düsseldorf

16. Fortuna Düsseldorf (12 Punkte):Die Überraschungsmannschaft der vergangenen Saison lahmt vor dem Auswärtsspiel beim formstarken FC Augsburg. Ein einziger Treffer und ein einziges Pünktchen den letzten vier Spielen dokumentieren die negative Tendenz, zuletzt war Friedhelm Funkels Fortuna gegen die Bayern (0:4), in Dortmund (0:5) und gegen Leipzig (0:3) absolut chancenlos. Bedenklich, dass Vorstandschef Thomas Röttgermann feststellen musste, dass das Team zu wenig Gegenwehr leiste und er so „nicht sehe, dass der Funke von der Mannschaft auf die Fans überspringt“. Funkel mag derartig harte Manöverkritik nicht ganz teilen, die Luft, so hat es den Anschein, wird irgendwie dünner für den Altmeister nach den Abreibungen von den Topteams. Aber Augsburg klingt jetzt endlich mal wieder nach A wie Augenhöhe.

1. FC Köln

17. 1. FC Köln (11 Punkte): Wenn es läuft, dann läuft’s. Der Effzeh kann nur Frohsinn oder Trübsal. Am Tag nach dem Befreiungsschlag der Bundesligaprofis gegen Bayer Leverkusen (2:0) hat die U17 nachgelegt: Plötzlich feuerte Florian Wirtz nur fünf Sekunden nach dem Anstoß für den Geißbock-Nachwuchs die Kugel beim Kantersieg in der B-Junioren-Bundesliga gegen den Wuppertaler SV (10:0) in hohem Bogen in die Maschen. „Wann beginnt die Wahl zum Tor des Jahres“, fragte der Klub am Montag die ARD-Sportschau. Die Jugend-forscht-Abteilung soll es auch in Frankfurt (Mittwoch) und gegen Bremen (Samstag) richten. Rechtsaußen Jan Thielmann (17), Linksverteidiger Noah Katterbach (18), Innenverteidiger Sebastian Bornauw (20) und Linksaußen Ismail Jakobs (20) hat Trainer Markus Gisdol auserkoren, um den FC wieder mit echten Identifikationsfiguren zu beschenken. Wirtz ist mit 16 vielleicht noch ein bisschen jung.

SC Paderborn

18. SC Paderborn (9 Punkte):In der Ruhe liegt die Kraft. Der Tabellenletzte strahlt eine bewundernswerte Gelassenheit, die ruhig ein bisschen auf die zu Aktionismus neigende Branche abfärben darf. Was mit der Person Steffen Baumgart zu tun hat. Dem Trainer ist nicht mal vor einem Auswärtsspiel am Mittwoch in Mönchengladbach mulmig in der Magengegend. Im Gegenteil: „Die Borussia spielt von hinten heraus und versucht, sich Torchancen herauszuspielen. Diese Spielweise kommt uns mehr entgegen.“ Den Hinrundenkehraus bestreiten die Ostwestfalen dann gegen Frankfurt am Sonntagabend. So viele Punkte wie möglich will Baumgart bis Heiligabend holen. Der 47-Jährige sagt aber auch: „Selbst wenn wir keinen mehr holen, greifen wir in der Rückrunde wieder an.“ Und wenn esfür die Westfalen nicht reicht, dann reicht es eben nicht.

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